„Eigen“ und „fremd“ zu unterscheiden, ist oft überlebenswichtig

Hier einige Highlights des Magazins:

• Nähe auf Distanz – so gestaltet sich heute das nachbarschaftliche Verhältnis. Der Kulturanthropologe Prof. Dr. Heinz Schilling hat sich auf Spurensuche begeben und u.a. festgestellt, dass Begegnungen mit Nachbarn heute oft nahezu kommunikationsfrei bleiben. Sind die Nachbarn von nebenan längst Fremde geworden? Haben Nachbarschaften ihren sozialen Verpflichtungscharakter verloren? Der „Feldforscher“ zeigt auch andere Beispiele, wenn es beispielsweise darum geht, Flüchtlinge in der unmittelbaren Nachbarschaft zu integrieren, sich im Alltag auszutauschen.

• Befremdlich sind für Außenstehende die Symptome von Menschen mit schizophrener Störung: Sie hören Stimmen, vermuten Botschaften in bedeutungslosen Ereignissen oder fühlen sich ferngesteuert. Warum diese Menschen „eigen“ und „fremd“ oft verwechseln, können neurowissenschaftliche Modelle inzwischen immer besser erklären, wie der Psychiater Dr. Robert Bittner berichtet.

• „Der deutsche Ursprung liegt im Fremden“, betont der Historiker Prof. Dr. Johannes Fried in einem Interview mit Bernd Frye. Die Vorstellung einer ruhmreichen Linie von den „alten Germanen“ zu den heutigen Deutschen hält sich zwar hartnäckig. Doch als „wissbegierige Barbaren“ seien sie erst spät in ihr nationales Dasein „geschlittert“, so der Historiker, dessen Buch „Die Anfänge der Deutschen“ in einer Neuausgabe vorliegt.

• Der Film lebt von Erfahrungen des Eigenen und Fremden, wie der Filmwissenschaftler Prof. Dr. Vinzenz Hedinger in seinem Beitrag belegt. Zeigten die Reisefilme früher bewusst die „wunderbare Differenz“ zur eigenen Wirklichkeit, verfolgen die Hollywood-Blockbuster inzwischen die Strategie, das kulturell Fremde so zu minimieren, dass daraus der für alle verständliche „Dialekt der Moderne“ wird.

• Organspenden sind erst möglich, seitdem Mediziner gelernt haben, die Abwehrmechanismen des Immunsystems zu kontrollieren. Unter dem Titel „Leben mit der Niere des Partners“ erzählt Dr. Anne Hardy die bewegende Geschichte von Tim Pillar, der seiner Frau mit seiner Nierenspende ein fast normales Leben beschert hat. Heute überleben dank neuster Forschung 90 Prozent der Transplantate das kritische erste Jahr.

• Der Klimawandel birgt auch die Gefahr, dass die wärmeliebenden Überträger exotischer Krankheiten wie die Asiatische Tigermücke bei uns heimisch werden. Wird sie aufgrund des Klimawandels weiter nach Norden wandern? Mit ökologischer Nischenmodellierung und genomischen Analysen entwirft die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sven Klimpel künftige Szenarien, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt“ (2/2016) kann kostenlos bestellt werden: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main.
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Herausgeber Die Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Redaktion Ulrike Jaspers, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung Marketing & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-13066, Fax: (069) 798-763 12531, jaspers@pvw.uni-frankfurt.de

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