Ehrendoktorwürde für Otmar D. Wiestler

Er sei „ein herausragender Wissenschaftler und ein weitsichtiger, neue Maßstäbe setzender Wissenschaftspolitiker“: Mit diesen Worten begründete Professor Hermann Einsele, Vizepräsident der Universität Würzburg und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II, weshalb die Medizinische Fakultät Professor Otmar D. Wiestler mit der Ehrendoktorwürde auszeichnet. Gleichzeitig wolle die Fakultät mit dieser Auszeichnung die mit der Gründung des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung begonnene enge Zusammenarbeit auf einer persönlichen Ebene zum Ausdruck bringen und verfestigen, so Einsele in seiner Laudatio am Dies academicus der Fakultät am 13. Mai.

Wissenschaftliche Exzellenz und wissenschaftspolitische Weitsicht

Otmar Wiestler wurde 2015 zum Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft berufen. Die Gemeinschaft, ein Zusammenschluss 18 naturwissenschaftlich-technischer und medizinisch-biologischer Forschungszentren, hat sich die Aufgabe gesetzt, langfristige Forschungsziele des Staates und der Gesellschaft zu verfolgen. Wiestler vereine in seiner Person wissenschaftliche Exzellenz und strategische wissenschaftspolitische Weitsicht, die er jeweils im universitären und im außeruniversitären Bereich gesammelt habe, so die Laudatio.

Otmar Wiestler hat in Freiburg Medizin studiert und wurde dort in der Abteilung für Neuropathologie promoviert. Es folgte ein dreijähriger Aufenthalt im Department of Pathology der University of California, San Diego, wo er sich intensiv mit der Rolle von Onkogenen im zentralen Nervensystem und in Tumoren des Gehirns beschäftigen konnte. 1987 kehrte er nach Europa, in die Züricher Neuropathologie, zurück, habilitierte sich mit Untersuchungen zur Rolle von Onkogenen bei der Entstehung zentralnervöser Tumoren und mit molekulargenetischen Nachweisverfahren Tumor-assoziierter Gene in menschlichen ZNS-Tumoren.

Hohe wissenschaftliche Produktivität

1992 wurde Wiestler auf den Lehrstuhl für Neuropathologie an die Universität Bonn berufen, wo er das Institut für Neuropathologie zu einem führenden Zentrum der Erforschung von Gehirntumoren, menschlicher Epilepsien und neuraler Stammzellen ausbaute. Sein Bonner Institut war eine Kaderschmiede der Neuropathologie, zahlreiche seiner Schüler bekleiden heute Lehrstuhlpositionen. Seine eigene hohe wissenschaftliche Produktivität ist in über 400 Originalarbeiten und Übersichtsarbeiten dokumentiert. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit der Mitgliedschaft in der Leopoldina, dem Bundesverdienstkreuz und Ehrendoktorwürden.

2004 folgte Otmar Wiestler dem Ruf nach Heidelberg, wo er die Nachfolge von Harald zur Hausen als Vorstandsvorsitzender und Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums übernahm. Er entwickelte hier nicht nur seine eigene Forschung weiter, sondern baute vor allem das wissenschaftliche Portfolio weiter aus. Darüber hinaus gründete er das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen, das Vorbild für die von der Deutschen Krebshilfe finanzierten Comprehensive Cancer Center wurde. Dies war ein wesentlicher Schritt, die Krebsforschung und klinische Krebsmedizin zusammenzuführen, um Krebspatienten eine neue Qualität von innovativer Diagnostik und Therapie anzubieten, sowie translationale und klinische Forschungsprogramme zu entwickeln.

Diese Grundidee stand dann auch Pate bei der Gründung der Deutschen Gesundheitszentren, deren Entstehen ganz wesentlich auf die Initiative von Otmar D. Wiestler zurückgeht. In diesen Gesundheitszentren sind Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft Kooperationen und Partnerschaften für ausgewählte große Volkskrankheiten mit universitätsmedizinischen Standorten eingegangen. Wiestler sei damit „zu einer zentralen Figur in der Neuformierung der Gesundheitsforschung in Deutschland geworden, die er seit seiner Berufung zum Präsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft noch konsequenter betreiben und umsetzen kann“, so Hermann Einsele.

Otmar Wiestlers Festvortrag

In seinem Festvortrag beleuchtete Wiestler die Perspektiven der Universitätsmedizin. Mit Blick auf Würzburg nannte er als zukunftsträchtigstes Forschungsfeld im Bereich der Biomedizin die Forschung an RNA-Molekülen. Diese steht auch im Mittelpunkt des neu gegründeten Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung, für das am 24. Mai im Rahmen eines Festaktes in der Residenz offiziell die Verträge unterzeichnet wurden. Hier arbeiten künftig das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig und die Julius-Maximilians-Universität Würzburg eng zusammen.

Die Forschung an Ribonukleinsäuren (RNA) und deren Rolle bei Infektionskrankheiten sei ein Querschnittsthema, das große Teile der biomedizinischen Forschung zusammenführen könne, so Wiestler. In diesem Bereich sieht der Helmholtz-Präsident so viel Potential, dass mit diesem Thema Würzburg ein zumindest europaweites Alleinstellungsmerkmal entwickeln könne. Darüber hinaus sehe er in der Würzburger Infektions- und Krebsforschung sehr hohes Potential, das es weiter auszubauen gelte.

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