Ehrendoktor für zwei Chemieprofessoren

Verliehen wurden die Auszeichnungen bei einer feierlichen Zeremonie, mit der die Staatliche Universität Ruwenzori (Université Officielle de Ruwenzori) in der Stadt Butembo im Osten der Demokratischen Republik Kongo am Freitag das akademische Jahr 2012/13 eröffnet hat. Dort stellten die beiden Chemieprofessoren in allgemeinverständlicher Form ihre Arbeitsgebiete vor.

Mittel gegen Malaria

Gerhard Bringmann beschrieb zunächst die spannende Suche nach neuen Wirkstoffen gegen tropische Infektionskrankheiten am Beispiel von Antimalaria-Mitteln. Dabei stellte er die Arbeiten seiner eigenen Gruppe und des Würzburger Sonderforschungsbereichs 630 „Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten“ vor, dessen Sprecher er ist.

Bringmann erklärte dem Laienpublikum, wie man neue Naturstoffe aus Pflanzen isolieren und ihre chemische Struktur entschlüsseln kann. Einige dieser neuen Substanzen, die er zusammen mit Virima Mudogo aus tropischen Lianen gewonnen hat, zeigen vielversprechende Wirkungen. Zum Teil kann damit – bislang im Tierversuch – Malaria geheilt werden.

Wirkstoffe gegen Sichelzellenanämie

Anschließend berichtete Mudogo über die Suche nach neuen Wirkstoffen gegen die Sichelzellenanämie. Bei dieser schweren Erbkrankheit sind die roten Blutkörperchen sichelförmig gekrümmt statt rund. Sie hat auch mit Malaria zu tun, denn – Glück im Unglück – sie schützt gegen den Befall durch Malaria-Erreger. Genau das bringt jedoch auf lange Sicht „Pech im Glück“ mit sich: Denn die Sichelzellenanämie breitet sich überall dort aus, wo dieser Schutz einen Vorteil mit sich bringt, nämlich da, wo Malaria eine tödliche Bedrohung darstellt – also ebenfalls in den Tropen.

Infos über die neuen Ehrendoktoren

In Sachen Tropenkrankheiten kooperieren Bringmann und Mudogo seit zwanzig Jahren. Bringmann hat seit 1987 den Lehrstuhl für Organische Chemie I (Naturstoffchemie) an der Uni Würzburg inne. Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter eine Ehrenprofessur an der Peking University in China sowie die Ehrendoktorwürde der Uni Kinshasa und der Katholischen Universität Graben, beide in der Demokratischen Republik Kongo.

Mudogo wurde in der Provinz Nord-Kivu im Osten des Kongo geboren. Er studierte zunächst in Kinshasa, dann in Würzburg, wo er als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes 1988 promovierte. Seit Ende 1988 ist Mudogo Professor an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Kinshasa und seit 2004 Lehrstuhlinhaber. Von 2005 bis 2009 war er zudem Vizepräsident dieser größten Universität des Landes.

Das Stipendiensystem BEBUC

Bringmann stellte bei der Feier in Butembo zudem die Ziele und Zukunftsvisionen des BEBUC-Stipendiensystems vor, an dem auch die Universität Ruwenzori teilnimmt. Dieses Stipendienprogramm für herausragende kongolesische Schüler, Studierende und Nachwuchswissenschaftler hat er gemeinsam mit Mudogo auf den Weg gebracht. Dafür wurden die beiden Wissenschaftler vor Kurzem mit dem Verdienstkreuz erster Klasse des kongolesischen Volkes.

In seiner Laudatio für die beiden Ehrendoktoren hob Professor Vikandy Mambo, Rektor der Universität Ruwenzori, die Bedeutung des Stipendiensystems für den Wiederaufbau des Kongo hervor. Er griff dabei Bringmanns Leitmotiv auf: „Bila elimu hakuna maendeleo na amani“. Dieser Satz in Suaheli bedeutet: „Ohne Bildung kein Wohlstand und Frieden“.

Dem schloss sich der Bürgermeister von Butembo, Sikuly Uvasaka Makala, an. Für seine Stadt beantragte er die Aufnahme in den Förderverein Uni Kinshasa, der das Stipendiensystem BEBUC organisiert. Damit ist Butembo die erste Stadt, die institutionelles Mitglied wird.

Die Universität Ruwenzori

Mit der Auszeichnung der beiden erfolgreichen Wissenschaftler hat die Uni Ruwenzori erstmals überhaupt die Ehrendoktorwürde verliehen. Die Hochschule wurde 2000 zunächst als interdisziplinäres Zentrum gegründet und 2002 dann zur Universität ausgebaut. Sie soll im Osten des Kongo die Bildungssituation verbessern.

Kontakt

Prof. Dr. Gerhard Bringmann, Institut für Organische Chemie der Universität Würzburg, T ++49-(0)931 31-85323, bringman@chemie.uni-wuerzburg.de

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