EHFG 2013: INNOVATION AUF DEM GESUNDHEITSSEKTOR SOLL KOSTEN DÄMPFEN, NICHT IN DIE HÖHE TREIBEN

„Die Entscheidungen auf dem Gesundheitssektor werden von einer Handvoll Leute getroffen, die nicht zuletzt davon leben, dass alles so weitergeht wie bisher. Deshalb werden entscheidende Fragen nicht gestellt, zum Beispiel: Was bekommen wir eigentlich für unser Geld?“, so der Ökonom Prof. Uwe E. Reinhardt (Woodrow Wilson School of Public and International Affairs, Princeton Universität) heute bei der Eröffnung des European Health Forum Gastein (EHFG). Seine Antwort: Es könnte mehr sein.

„Es fällt auf, dass es in Deutschland sehr viel mehr Ärzte/-innen gibt als in Großbritannien und es dennoch in Sachen Gesundheit gar nicht so gut abschneidet. In Skandinavien sind die Menschen gesünder als in Deutschland, und das bei viel niedrigeren Gesundheitsausgaben“, sagte Prof. Reinhardt. Ursache der suboptimalen Ergebnisse manche Systeme sei deren Starre: „Zum Beispiel eine scharfe Trennung zwischen intra- und extramuraler Versorgung. In Zukunft müssen wir flexibler werden. In vielen europäischen Staaten stehen dem sehr rigide Institutionen entgegen.“ Die USA zum Beispiel sind im Vorteil, wenn es um Strukturen für eine integrierte Gesundheitsvorsorge geht, in der die Grenzen zwischen Krankenhäusern, niedergelassenem Bereich und der Prävention möglichst aufgelöst werden. Indien wiederum sei sehr innovativ bei der Gestaltung und Planung von Abläufen in Krankenhäusern. In Indien werden die Kosten nicht nur mit billiger Arbeit niedrig gehalten, sondern auch mit viel Know-how. Prof. Reinhardt: „Wir müssen also voneinander lernen.“

Neue Abrechnungssysteme notwendig

Ein gravierendes Problem der Gesundheitssysteme in den Industrienationen, so Prof. Reinhardt, sei „die Trägheit der Apparate. Man hat sich daran gewöhnt, dass das Geld vorhanden sein wird und sich auf ‚business as usual‘ als modus operandi eingerichtet. Das wird nicht so weitergehen.“ Benötigt werden phantasievolle, kreative und radikale Lösungen („disruptive innovation“), die dazu beitragen, ökonomische Privilegien auf dem Gesundheitssektor neu zu verteilen und die Ansprüche dieses Sektors an die staatlichen Ressourcen besser zu kontrollieren, so Prof. Reinhardt: „Innovation wird oft nur als Kostentreiber wahrgenommen. Doch sie bezieht sich nicht nur auf Technologie mit oft exorbitanten Kosten. Sie soll auch die Finanzierung und Verwaltung der Gesundheitssysteme betreffen. Anders wird es nicht gehen. Wir brauchen Innovation nicht nur bei Medikamenten und Devices, sondern beispielsweise auch bei der Art der Verrechnung medizinischer Leistungen.“ Ein System, in dem nach Leistung bezahlt wird, treibe die Kosten automatisch in die Höhe, weil es Anreize schafft, möglichst viele Untersuchungen und Behandlungen durchzuführen.

Anreize und Sanktionen für gesundheitliche Eigenverantwortung

„Die wichtigste Innovation wird sein, Patienten/-innen dazu zu bewegen, ihre Gesundheit vermehrt selbst in die Hand zu nehmen. In der Gesundheitsproduktion war der Patient bislang ein sehr passiver Faktor. Das sollte man auch mit finanziellen Anreizen und durchaus auch mit finanziellen Sanktionen unterstützen“, so Prof. Reinhardt. Allerdings benötige man auch Information, wie man ein gesunden Lebensstil gestalten kann: „Daher sollte in die Forschung zu Ernährung und Bewegung auch mehr Geld investiert werden, auch öffentliches Geld.“
„Resiliente und innovative Gesundheitssysteme in Europa“ ist das Motto des diesjährigen EHFG. Mehr als 550 Teilnehmer/-innen aus rund 45 Ländern nutzen Europas wichtigste gesundheitspolitische Konferenz in Bad Hofgastein zum Meinungsaustausch über zentrale Fragen europäischer Gesundheitssysteme.

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