eHealth-Studie: Deutschland und Österreich haben Nachholbedarf

Fast jeder kennt solche Situationen: Im Krankenhaus liegen wichtige medizinische Daten zu einem Patienten vor. Bei der anschließenden Weiterbehandlung in einer Arztpraxis sind diese dann aber nicht oder nur teilweise vorhanden. Oder: Ein Sohn informiert den ambulanten Pflegedienst über Schwächeanfälle und Beinahe-Stürze der hochaltrigen Mutter. Bei einem kurzfristig notwendig gewordenen Krankenhausaufenthalt sind diese, für die Behandlung womöglich wichtigen Informationen dann aber nicht bekannt.

In Deutschland und Österreich können viele Ärzte und Pflegekräfte Daten ihrer Patientinnen und Patienten digital erfassen, insbesondere in Krankenhäusern und Arztpraxen. Während in Österreich wichtige medizinische Daten davon landesweit verfügbar sind, ist dies in Deutschland noch nicht der Fall. Patienten in beiden Ländern und ihre pflegenden Angehörigen haben dabei selbst noch keinen Zugriff auf die Daten.

Politischer Wille befördert die Umsetzung

Professorin Elske Ammenwerth von der Gesundheitsuniversität UMIT in Hall, Tirol, ist Mitverfasserin der eHealth-Indikatoren-Studie. „Es bestätigte sich, dass zum Beispiel die skandinavischen Länder hier bessere Möglichkeiten für ihre Bürgerinnen und Bürger bieten“, sagt sie. „Allerdings sind in Österreich entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um hier die Situation ebenfalls zu verbessern. Die Elektronische Gesundheitsakte ELGA wird hier deutliche Verbesserungen ermöglichen.“ Professor Reinhold Haux, Technische Universität Braunschweig und Medizinische Hochschule Hannover, ebenfalls Mitverfasser der Studie, ergänzt: „Es wird häufig gesagt, dass Ländergrößen und die Organisation des Gesundheitssystems entscheidend bei der Umsetzung von eHealth-Zielen sind. In unseren Untersuchungen haben wir allerdings einen weiteren wichtigen Einflussfaktor festgestellt: Besonders in den Ländern, in denen ein klarer politischer Wille vorhanden war, finden wir eine patientenzentrierte, einrichtungsübergreifende Informationsverarbeitung.“

IT-Standards sind bereits vorhanden

Ammenwerth und Haux sind davon überzeugt, dass die technischen Möglichkeiten und die notwendigen IT-Standards schon jetzt ausreichend vorhanden sind. „Dabei wird auch der Datenschutz berücksichtigt, der bei Patientendaten natürlich besonders wichtig ist“, sagt Haux.

Beide sehen Chancen für eine zügige Verbesserung der Situation in ihren Ländern, damit Deutschland und Österreich auch hier wieder zu den Spitzenreitern zählen können. In der Studie wird zudem betont, dass beide Länder grundsätzlich eine gute Gesundheitsversorgung haben, dass aber bei diesem durchaus wichtigen Aspekt Nachholbedarf besteht.

Methodik:

Stichtag der eHealth-Indikatoren-Studie war der 01.08.2017. Die Auswahl der sieben Länder ist nicht repräsentativ. Die Autoren der Studie schreiben, dass sie die Studie in den Folgejahren fortsetzen werden, dann mit erweiterter Länderauswahl und mit weiter verfeinerter Methodik zur Bestimmung der Indikatoren.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Reinhold Haux
Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik
der TU Braunschweig und der Medizinischen Hochschule Hannover
Mühlenpfordtstr. 23, 38106 Braunschweig, Deutschland
Tel.: +49 531 391-9500
E-Mail: reinhold.haux@plri.de
Website: www.plri.de

Prof. Dr. Elske Ammenwerth
Institut für Medizinische Informatik
UMIT – Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik
Eduard Wallnöfer-Zentrum 1, 6060 Hall in Tirol, Österreich
Tel. +43 50 8648 3809
Elske.Ammenwerth@umit.at
Website: www.iig.umit.at

Originalpublikation:
Die Studie ist als Open-Access-Publikation frei verfügbar. Quelle: Reinhold Haux, Elske Ammenwerth, Sabine Koch, Christoph U. Lehmann, Hyeoun-Ae Park, Kaija Saranto, C. P. Wong. A Brief Survey on Six Basic and Reduced eHealth Indicators in Seven Countries in 2017. Applied Clinical Informatics 2018; 9(3):704-713. Im Internet unter:
https://www.thieme-connect.com/DOI/DOI?10.1055/s-0038-1669458

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