DZD präsentiert aktuelle Diabetesforschung und erhält Präventionspreis auf der DGIM-Jahrestagung

Die Deutsche Stiftung Innere Medizin zeichnete dieses Mal gemeinsam mit der DGIM eine Studie aus dem Bereich der Diabetologie mit dem Präventionspreis für die beste Arbeit zur Vorbeugung innerer Erkrankungen aus. Das Tübinger Lebensstil-Interventionsprogramm „TULIP“ hinterfragte, warum sich eine drohende Diabeteserkrankung mit allgemeinen Empfehlungen zur Lebensstiländerung nicht immer wirksam verhindern lässt.

Erfolgsfaktoren für die Diabetesprävention

Preisträger Prof. Norbert Stefan konnte gemeinsam mit seinen Kollegen vom Universitätsklinikum Tübingen zwei Phänotypen (Erscheinungsbilder) identifizieren, mit deren Bestimmung sich vorhersagen lässt, bei welchen Patienten durch eine Lebensstilintervention eine ausreichend hohe Reduktion von erhöhten Blutzuckerwerten zu erwarten ist. Erfolgsentscheidend ist demnach, ob Patienten eine Insulinsekretionsstörung und/oder eine Kombination aus nichtalkoholischer Fettleber mit Insulinresistenz aufweisen. „Teilnehmer mit diesen Merkmalen hatten eine um das 4,5-fach niedrigere Erfolgschance. Nun untersuchen wir in der bundesweiten Prädiabetes Lebensstil Interventionsstudie (PLIS) gemeinsam mit allen Partnern des DZD, ob Prädiabetiker, die zur Hochrisikogruppe zählen, von einer besonders intensiven Lebensstilintervention profitieren“, erklärt Stefan.

Innovatives Therapiekonzept: Multihormonmoleküle

In der Session „Highlights zu Adipositas und Lipidstoffwechsel“, die unter der Schirmherrschaft des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) stand, stellte zunächst DZD-Wissenschaftler Dr. Timo Müller neue Wirkstoffe für die Adipositastherapie der Zukunft vor. Als Therapiemöglichkeiten der Adipositas stehen bisher Diät, Pharmakotherapie und Magenoperation zur Verfügung. Am Helmholtz Zentrum München wird an innovativen Ansätzen geforscht: Multihormonmoleküle bilden die physiologische Wirklichkeit des natürlichen Hormon-Wechselspiels besser ab als ein einzelner Wirkstoff und können die Effekte der bariatrischen Chirurgie nachahmen.

Ein neuer Wirkstoff, der die Wirkungen von drei Hormonen (Glukagon, GLP-1* und GIP**) vereint, senkt das Körpergewicht um ca. 30 Prozent, etwa doppelt so viel wie ein dualer Co-Agonist aus GLP-1 und GIP bei gleicher Dosierung. Auch mit der Kombination von GLP-1 und Östrogen wurden in ersten Untersuchungen sehr gute Erfolge erzielt. Das Hybrid-Molekül sorgte bei adipösen Mäusen für weniger Appetit und Gewicht. „Die in einem Molekül zusammengefassten Polytherapien haben das Potential, sich zum Goldstandard in der Diabetes- und Adipositas-Therapie zu entwickeln“, so Müller.

Sport als „Allheilmittel“

Prof. Martin Halle, ärztlicher Direktor am Lehrstuhl und Poliklinik für präventive und rehabilitative Sportmedizin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München (TUM), beleuchtete in seinem Vortrag sehr anschaulich die Bedeutung von körperlicher Aktivität für Diabetespatienten. Er zeigte auf, dass körperliche Fitness bei Auftreten eines Krankheitsbildes immer eine bessere Ausgangsbasis bildet. Je fitter der Patient, desto besser könnten kardiovaskuläre Folgeerkrankung verhindert werden. Für Diabetespatienten werden 30 Minuten Spazierengehen pro Tag empfohlen. Um die muskuläre Belastung zu intensivieren, sollte ein Intervalltraining durchgeführt werden. Das bedeutet: Während des Spaziergangs zwischendurch immer wieder eine Minute trippeln.

Neuer Angriffspunkt: PCSK9-Hemmung

Um neue Therapien zur Senkung des LDL-Cholesterins ging es im Vortrag von Prof. Dirk Müller-Wieland, der u.a. Mediensprecher der Deutschen Diabetes-Gesellschaft ist. Er stellte die neue Wirkstoffklasse der PCSK9-Hemmer vor. Die „Proprotein Convertase Subtilisin/Kexin Typ 9“ (PCSK9) unterstützt den Abbau des LDL-Rezeptors, mit dessen Hilfe LDL-Cholesterin aus dem Blut in die Zelle aufgenommen wird. Durch eine Hemmung dieses Enzyms kann der LDL-Wert deutlich stärker gesenkt werden als durch Statine.

Die Therapie mit einem PCSK9-Hemmer kann bei Statin-Unverträglichkeit angewandt werden oder wenn sich die LDL-Cholesterinkonzentration trotz cholesterinarmer Ernährung und Statin-Einnahme nicht ausreichend senken lässt. Der Wirkstoff wird alle zwei bzw. vier Wochen unter die Haut gespritzt. Müller-Wieland rät, sich zur Behandlung an große Zentren zu wenden, die bereits Erfahrung damit haben. Bisher sind nur wenige Nebenwirkungen bekannt. Weitere Sicherheitsdaten sind jedoch erforderlich.

Forschung zu den großen Volkskrankheiten

Am DZG-Stand zeigten Studierende und Internisten Interesse für die Ausbildung und Forschung an den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Diese vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten nationalen Verbünde nehmen Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Lungenerkrankungen, Infektionen und neurodegenerative Erkrankungen ins Visier:

Deutsches Konsortium für Translationale Krebsforschung dkfz (DKTK)
http://www.dkfz.de/de/dktk/
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V. (DZD)
https://www.dzd-ev.de/
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e. V. (DZHK)
http://dzhk.de
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)
http://www.dzif.de/
Deutsches Zentrum für Lungenforschung (DZL)
http://www.dzl.de/index.php/de/
Deutsches Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE)
http://www.dzne.de/home.html

*GLP-1: Glucagon like Peptide 1
**GIP: Gastric Inhibitory Peptide oder Glucose-dependent Insulinotropic Polypeptide

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner.

Ansprechpartner:

Dr. Silvia Grote
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V.
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
Tel.: 089-3187-3971
E-Mail: grote(at)dzd-ev.de
www.dzd-ev.de

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