Drogenbeauftragte zeigt sich vom Angebot der MHH-Suchtmedizin beeindruckt

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, hat auf ihrer Sommertour heute Station in der Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gemacht und sich beeindruckt vom Angebot gezeigt. Klinik-Direktor Professor Dr. Stefan Bleich erläuterte der Drogenbeauftragten gemeinsam mit Professor Dr. Thomas Hillemacher, Bereichsleiter Suchtmedizin, bei einem Rundgang die Schwerpunkte ihrer Arbeit. „Hier wird deutlich, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Prävention und Therapie von Suchterkrankungen ist“, stellte Marlene Mortler bei ihrem Besuch in der MHH fest. Sie hatte sich verschiedene Bereiche der Einrichtung angesehen sowie mit Fachärzten und Patienten gesprochen.

Allein in der Region Hannover gelten schätzungsweise 60.000 bis 100.000 Menschen als suchtgefährdet. „In unseren Ambulanzen betreuen wir zwischen 900 und 1.000 Patientinnen und Patienten mit Suchterkrankungen pro Jahr“, betonte Professor Bleich. „Dabei hat sich das Suchtverhalten in den vergangenen Jahren geändert, hin zu Mehrfachgebrauch illegaler Substanzen sowie zu den sogenannten stoffungebundenen Abhängigkeiten wie Glücksspiel- oder Computerspielabhängigkeit“, ergänzte Professor Hillemacher. Diese Verschiebung beobachtet auch die Drogenbeauftragte: „Der Alkoholkonsum pro Kopf und Jahr ist in den vergangenen Jahren erfreulicherweise von 12,7 auf aktuell 9,7 Liter gesunken“, sagte Mortler. „Dafür wird uns das Internet und sein Suchtpotenzial in Zukunft weiter stark beschäftigen.“

In der Psychiatrischen Klinik der MHH steht Patienten mit einem Suchtproblem ein breitgefächertes therapeutisches Angebot zur Verfügung. Zentraler Anlaufpunkt ist die Suchtsprechstunde für Menschen, die Probleme haben mit Alkohol, Medikamenten, illegalen Drogen, Medien, Internet oder Glücksspiel. „Unser Team ist multidisziplinär und setzt sich aus langjährig in der Suchttherapie erfahrenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen, darunter Sozialarbeiter, Fachärzte, Soziotherapeuten und Psychologen“, erläutert Professor Hillemacher. Zudem besteht ein spezifisches Angebot für Kaufsüchtige bei Professorin Dr. Astrid Müller in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie von Direktorin Professorin Dr. Martina de Zwaan. Professorin Müller behandelt pro Jahr rund 40 Patienten, die unter unkontrolliertem Kaufverhalten leiden – auch hier spielen das Internet und die schnellen Erwerbsmöglichkeiten eine große Rolle. „Die Kaufsucht ist noch nicht so gut erforscht wie andere Süchte“, berichtete Professorin Müller, „es gibt aber Überlappungen zu anderen Suchterkrankungen.“

Zum Abschluss ihres Besuchs sah sich Marlene Mortler ein MRT-Gerät an, mit dem bestimmte Vorgänge im Gehirn von Suchtkranken untersucht werden können. „Wir können anhand der Aufnahmen beispielsweise erkennen, welche Gehirnareale von bestimmten Reizen angesprochen werden und welche nicht“, erklärte Professor Dr. Tillmann Krüger.

Die offene Suchtsprechstunde findet montags, mittwochs und freitags in der Klinik statt. Eine telefonische Terminvereinbarung ist nicht erforderlich, da jeder Interessent, der sich in der Zeit von 9 bis 10 Uhr persönlich in der Abhängigenambulanz (ABAM) zur Behandlung von Suchterkrankungen vorstellt, auch am selben Tag beraten wird. Zum Sprechstundentermin müssen Betroffene die Versichertenkarte (eGK) und eine Überweisung des behandelnden Arztes für das laufende Quartal mitbringen. Eine Behandlung ohne Überweisungsschein ist nicht möglich.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Thomas Hillemacher, hillemacher.thomas@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-2427.

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