DRK-Krankenhäuser in MV tragen aktiv zur Verbesserung der Patientenversorgung mit Gewebespenden bei

Die 2015 in Rostock gegründete gemeinnützige Gesellschaft bedient als eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland das gesamte Spektrum der postmortalen Spende, das heißt, der Entnahme von Augenhornhäuten, Knochen, Sehnen, Haut, Herzklappen und Blutgefäßen nach dem Tod. In den ersten drei Jahren der Zusammenarbeit mit den DRK-Kliniken konnten insgesamt bislang 1.155 Spendermeldungen und 299 Gewebespenden realisiert werden.
„Unsere DRK-Krankenhäuser haben mit ihren Transplantationsbeauftragten sowie den Mitarbeitern vor Ort erheblich dazu beigetragen, die Patientenversorgung mit hochwertigen Gewebetransplantaten zu verbessern und die Wartezeiten zu verringern“, betonte der Präsident des DRK-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Werner Kuhn. „Dafür gebührt allen Spendern und ihren Familien und den Ärzten und Pflegefachkräften in Grevesmühlen, Grimmen, Neustrelitz und Teterow ein großes Dankeschön. Wir nehmen den Mehraufwand für die Kooperation gern in Kauf, weil wir uns der großen Bedeutung von Gewebespenden bewusst sind. Auf die Bilanz der Zusammenarbeit können wir stolz sein, da damit vielen Menschen mit gesundheitlichen Problemen direkt geholfen werden konnte. Jeder kann jeden Tag in die Situation geraten, auf ein Transplantat angewiesen zu sein. Schon ein leichterer Verkehrsunfall mit Verbrennungen kann dafür ein Auslöser sein.“

Die vier DRK-Krankenhäuser sind aktiv im Netzwerk der GTM-V mit aktuell 18 Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. „Die DRK-Kliniken sind ein äußerst wertvoller Partner der Gewebemedizin“, hoben die Geschäftsführer der GTM-V, Dr. Frank-Peter Nitschke und Dr. Axel Manecke, hervor. „Die Gewebemedizin der Zukunft wird dazu führen, dass auch kleinere Häuser künftig weitaus stärker am Fortschritt innovativer Transplantate teilhaben werden, vor allem in der chronischen Wundversorgung“, so Dr. Axel Manecke. „Gewebemedizin ist längst kein Thema mehr nur für Krankenhäuser der Maximalversorgung.“

Hauptanteil der Gewebespenden sind Augenhornhäute
In den ersten drei Jahren haben die vier DRK-Krankenhäuser insgesamt 1.155 Verstorbene gemeldet. Gewebespenden sind im Gegensatz zur Organspende bis ins hohe Alter möglich (s. Hintergrund). Menschen mit einem Alter über 90 Jahren gehören ebenso zu den Spendern wie jüngere Frauen und Männer. Medizinische Ausschlusskriterien für eine mögliche Spende sind beispielsweise bösartige Tumoren des Blutsystems oder eine Alzheimer-Erkrankung. In persönlichen Gesprächen mit den Familienangehörigen wurde die Bereitschaft für eine Gewebespende erfragt und dabei eine sehr hohe Zustimmungsquote von 38 Prozent erzielt.
Die Spende von Augenhornhäuten stellt die häufigste Gewebeentnahme dar, insgesamt 588. Neben der Gewinnung von Augenhornhäuten wurden auch 17 Entnahmen von Herzklappen und Gefäßen sowie 42 Knochenspenden realisiert.
Der Geschäftsführer der DRK-Kliniken, Jan Weyer, appellierte an alle Bürger, sich frühzeitig Gedanken über eine Organ- und Gewebespende zu machen und diese Entscheidung festzuhalten. „Es ist ein Akt der Solidarität und Nächstenliebe, anderen Menschen auch nach dem Tod helfen zu können. Familienangehörige zeigen sich in der schmerzhaften Zeit des Abschieds häufig erleichtert, wenn diese Entscheidung bereits zu Lebzeiten getroffen worden ist.“

Wie läuft eine Gewebespende ab?
Die DRK-Krankenhäuser melden potenzielle Spender an die Rostocker GTM-V. „Das vertrauensvolle Gespräch mit den Angehörigen und die Entnahme der Gewebe bei den Verstorbenen erfolgt grundsätzlich mit unseren medizinischen Fachkräften sowie in enger Zusammenarbeit mit dem Transplantationsbeauftragten und dem Krankenhaus“, unterstrich Dr. Axel Manecke. „Dabei legen wir viel Wert auf umfassende Informationen über die Gewebespende und Transparenz im Umgang mit menschlichen Transplantaten.“ Nach der Entnahme von Geweben mittels standardisierter Techniken direkt vor Ort in den Klinikeinrichtungen werden diese in der Gewebebank geprüft, fachgerecht aufbereitet, konserviert und anschließend auf Anfrage der Kliniken zur Verfügung gestellt.
Trotz Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gewebemedizin im Jahre 2007 durch das Transplantationsgesetz ist es bislang nicht gelungen, eine zeitnahe und qualitativ hochwertige Versorgung der Patienten mit in Deutschland gespendeten Geweben sicherzustellen. „Die derzeitige Versorgung mit Augenhornhauttransplantaten bei jährlichen ca. 8.000 durchgeführten Transplantationen kann zwar als befriedigend angesehen werden, regional ist trotzdem mit Wartezeiten von bis zu neun Monaten zu rechnen“, so Nitschke. Der jährliche Bedarf an Blutgefäßen und Herzklappen in Deutschland liegt bei über 800 Transplantaten und kann mit Transplantaten humanen Ursprungs ebenfalls nicht gedeckt werden. Defizite in der Versorgung der Patienten mit muskuloskelettalen Gewebetransplantaten können nur über den Import von Spendergewebe aus dem Ausland ausgeglichen werden.

Über 10.000 Patienten warten durchschnittlich in Deutschland auf ein Gewebetransplantat, Tendenz steigend. Damit entwickelt sich die Gewebespende zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe und Herausforderung, den bestehenden Mangel an qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten in Deutschland zu verringern und Neuentwicklungen in der Transplantatherstellung zu etablieren. „Vorrangiges Ziel der gemeinnützigen GTM-V und ihrer Kooperationspartner, wie z. B. die DRK-Kliniken, ist deshalb die weitere Verbesserung der zeitnahen und bedarfsgerechten Versorgung der Patienten mit qualitativ hochwertigen Gewebetransplantaten“, erklärten die Transplantationsmediziner.

Die DRK-Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern
Seit über 25 Jahren sind die Krankenhäuser in Grevesmühlen, Grimmen, Neustrelitz und Teterow in der Trägerschaft des DRK-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. Mit mehr als 1.200 Mitarbeitern versorgen die vier Kliniken jährlich mehr als 22.000 stationäre und 25.000 ambulante Patienten. Damit sind die DRK-Krankenhäuser mit rund 500 Betten ein wichtiger Stützpfeiler der wohnortnahen medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern.

#Hintergrund Gewebemedizin

Die Gewebemedizin stellt einen bedeutenden Teilbereich der Transplantationsmedizin dar. Schätzungsweise 52.000 Gewebetransplantationen werden jährlich in Deutschland durchgeführt, weitaus mehr als Organtransplantationen. In Deutschland wurden 2017 die Organe von 797 toten Spendern entnommen und transplantiert.
Im Gegensatz zur Organspende werden die Gewebe nicht gleich verpflanzt. In Gewebebanken werden aus den entnommenen Gewebepräparaten qualitativ hochwertige Gewebetransplantate hergestellt. In der medizinischen Versorgung werden vor allem Herzklappen, Blutgefäße, Augenhornhäute, Knochen, Sehnen, Faszien sowie Amnionmembranen und Haut nach Aufbereitung zu Gewebetransplantaten eingesetzt.
In Deutschland sind derzeit ca. 20 Einrichtungen mit einer Erlaubnis für die Gewinnung von Gewebe im Bereich der Spende aktiv. Die Spenderprogramme sind universitär (11), in gGmbH (6) oder GmbH (3) organisiert. Die Gewebebank Mecklenburg-Vorpommern kooperiert im Bereich der Gewebespende mit der gemeinnützigen Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH (GTM-V).

Die wichtigsten Gewebespenden
Gewebetransplantationen führen vorrangig zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zur schnelleren sozialen Reintegration sowie Arbeitsfähigkeit der Patienten und retten in Notfallsituationen Leben. Mit der Überarbeitung des Gesetzes über die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben (Transplantationsgesetz) im Jahre 2007 wurde dieses durch ein gesondertes Gesetz über Qualität und Sicherheit von menschlichen Geweben und Zellen (Gewebegesetz) ergänzt. Das Gewebegesetz regelt den Umgang mit menschlichen Geweben und Zellen sowie mit medizinischen Präparaten, die aus menschlichem Gewebe hergestellt wurden.

Herz/Herzklappen
Schädigungen der Herzklappen sind die Folge von Verkalkungen, Infektionen oder Herzinfarkten. Selten besteht eine Schädigung bereits seit der Geburt. Geschädigte Herzklappen können langfristig zu einer Funktionsschwäche des Herzens führen, die die Leistungsfähigkeit der Betroffenen dramatisch reduzieren. Mögliche Therapien sind die Rekonstruktion der Herzklappe im Rahmen eines chirurgischen Eingriffs am Herzen oder der Ersatz der Herzklappe durch ein Transplantat.

Blutgefäße
Verengen Gefäße im Verlauf des Lebens durch Ablagerungen oder verstopfen ganz, ist dies insbesondere gefährlich für das Herz und die Extremitäten (Beine). Am Herzen können die Verstopfungen zu einem Herzinfarkt führen. An den Beinen führen Gefäßverengungen oder -verstopfungen zu Schmerzen und eingeschränkter Bewegung, in fortgeschrittenen Fällen droht die Amputation.

In der Gefäßchirurgie werden menschliche Blutgefäße genutzt, um verengte oder verstopfte Blutgefäße zu ersetzen (Bypass-Operation). Ebenso werden Transplantate bei Gefäßrekonstruktionen, vor allem beim Ersatz von infizierten Kunststoffprothesen, verwendet. Letztere sind oft lebensrettende Notfalloperationen.

Sehnen und Bänder
Sehnen und Bänder werden transplantiert, um die Stabilität und die Beweglichkeit von Gelenken zu erhalten bzw. wiederherzustellen und um künstliche Versteifungen der Gelenke zu verhindern. Knochenmaterial ersetzt verlorenes Gewebe unter anderem nach Unfällen oder Tumoroperationen und bewahrt die Patienten vor Amputationen. Selten, aber lebensnotwendig, ist die Verwendung der bindegewebigen Hülle des vorderen Oberschenkelmuskels (Fascia lata) für den sofortigen operativen Verschluss von beispielsweise angeborenen Defekten der Bauchdecke bei Neugeborenen.

Augenspende
Die Hornhaut des Auges (Cornea) bezeichnet man auch als die Windschutzscheibe des Auges. Eine gleichmäßig gekrümmte und völlig klare Hornhaut führt zu einem klaren Sehen. Erkrankungen der Augenhornhaut (Hornhautkrümmungen oder Hornhauttrübungen) können verschiedene Ursachen haben und führen unbehandelt über eine herabgesetzte Sehschärfe letztendlich zur Erblindung. Eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) kann Patienten vor einer Erblindung bewahren oder ihnen das Augenlicht zurückgeben. Dabei wird die erkrankte Hornhaut des Patienten oder Teile von ihr durch eine Spenderhornhaut ersetzt.

Haut
Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Für die Versorgung von Patienten mit schweren großflächigen Hautdefekten, z.B. nach Verbrennungen und bei chronischen nicht heilenden Wunden, ist oftmals eine Hauttransplantation notwendig. Dabei kann bei großflächigen Verbrennungen (>70 % der Körperoberfläche) die Hautspende Leben retten. Tumorbedingte Weichgewebsverluste und Leistenbrüche werden ebenfalls mit Hautpräparaten erfolgreich behandelt.

Fotos GBM-V/Joachim Kloock:
Eine Mitarbeiterin in der Gewebebank präpariert eine Hornhaut. In den Gewebebanken können die Gewebezubereitungen je nach Gewebetyp und Konservierungsmethode unterschiedlich lange aufbewahrt werden. Die Lagerdauer für Augenhornhäute beträgt bis zu 35 Tage.

Foto Herzentnahme GTM-V:
Die Entnahme von Herzen und Gefäßen bei Herz-Kreislauf-Verstorbenen zur Gewinnung hochwertiger Transplantate ist ein Schwerpunkt bei den Gewebespenden der GTM-V.

Gesellschaft für Transplantationsmedizin Mecklenburg-Vorpommern gGmbH
Geschäftsführer: Dr. med. Frank-Peter Nitschke/Dr. med. Axel Manecke
Wilhelm-Külz-Platz 3, 18055 Rostock
T +49 381-444 30 50
E frank-peter.nitschke@gtm-v.de
E axel.manecke@gtm-v.de

Scroll to Top