Dresdner Forscher leisten wichtigen Beitrag zur Entschlüsselung der Sprache der Zellen

Die Forschungsergebnisse wurden gerade in der renommierten Fachzeitschrift Diabetes unter dem Titel Endocrine Pancreas Development and Regeneration: Noncanonical Ideas From Neural Stem Cell Biology (DOI: 10.2337/db15-1099) veröffentlicht.

Neurale Stammzellen besitzen außergewöhnliche Fähigkeiten: Sie können sich teilen, in eine Art ‚Winterschlaf‘ fallen oder sich in reife Zelltypen differenzieren und als solche unterschiedlichste Funktionen übernehmen. Was aber macht die neuralen Stammzellen zu diesen Multitalenten?

Möglich wird dies durch bestimmte Signalwege, denn die Stammzellen empfangen Signale des umgebenden Gewebes und reagieren darauf. Entscheidend ist die Art, wie diese Zellen die empfangenen Signale interpretieren – vergleichbar mit Menschen, die zwar dieselbe Sprache sprechen, jedoch aufgrund unterschiedlicher Dialekte manche Wörter unterschiedlich interpretieren. Für die Forscher gilt es demnach zu entschlüsseln, wie Stammzellen die unterschiedlichen Signale aus ihrer Umgebung interpretieren – welchen ‚Dialekt‘ sie verstehen – und ob man diesen dann gezielt einsetzen kann, um Zellen zu überreden, verletztes Gewebe zu regenerieren.

Die Stammzellforscher PD Dr. Andreas Androutsellis Theotokis, PhD, Dr. Jimmy Masjkur und Dr. Steven W. Poser von der von Professor Dr. Stefan R. Bornstein geleiteten Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Uniklinikum Dresden haben jetzt einen solchen molekularen ‚Dialekt‘ entdeckt und ihn STAT3-Ser/Hes3-Signaltransduktionsweg genannt. Was ihn so spannend macht, ist die Tatsache, dass ihn nicht nur Stammzellen, sondern auch bestimmte Zellen nutzen, die ebenfalls über die Fähigkeit zur Teilung und Differenzierung in andere Zelltypen verfügen.

Zellen, die diese Anforderung erfüllen, sind die Inselzellen aus dem Pankreas (Bauchspeicheldrüse), die unterschiedliche endokrine Hormone, einschließlich des Insulins produzieren. Das Pankreas kann als ein hochplastisches Organ im Rahmen der Homeostase (Gleichgewicht) und der Regeneration multiple Veränderungen durchlaufen. Die Erkenntnis, dass die Inselzellen dieselben Signalwege wie die zur Regeneration fähigen Stammzellen nutzen, könnte zukünftig neue Therapieoptionen für den Diabetes eröffnen. Denn ein wichtiger Faktor bei der Diabetes-Forschung ist die Erhaltung und Regeneration der Inselzellen. So werden – über die Quelle der Stammzellforschung – die für die Regeneration notwendigen Signalwege verstanden. Und die Signalwege der neuralen Stammzellen dienen als „Blaupause“ bei der Identifikation neuer molekularer Mechanismen der Pankreasbiologie. Die Dresdner Forschungsergebnisse wurden jetzt unter dem Titel Endocrine Pancreas Development and Regeneration: Noncanonical Ideas From Neural Stem Cell Biology in der renommierten Fachzeitschrift Diabetes (DOI: 10.2337/db15-1099) veröffentlicht.

Kontakt:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Technische Universität Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik III
PD Dr. Andreas Androutsellis-Theotokis, PhD
Tel.: +49 0351 458 3207
Fax: +49 0351 458 6398
E-Mail: andreas.theotokis@uniklinkum-dresden.de

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