Drei neue Herzen in 25 Stunden

Drei Herztransplantationen fast innerhalb eines Tages: Diese besondere Herausforderung haben die Transplantationsteams der Universitätsklinik für Herzchirurgie Heidelberg Anfang März 2010 mit Bravour bewältigt und haben damit drei schwerkranken Patienten, die so schnell wie möglich ein neues Herz benötigten, das Leben gerettet. Alle drei Patienten haben sich inzwischen gut von dem Eingriff erholt.

Heidelberg gehört zu den großen Zentren für Herztransplantationen in Deutschland: 2009 erhielten 25 Patienten am Universitätsklinikum ein Spenderherz, 2010 waren es bisher 15. „Dass gleich drei Spenderherzen für Patienten unserer Warteliste innerhalb so kurzer Zeit zur Verfügung stehen, ist bisher noch nicht vorgekommen“, sagt Professor Dr. Matthias Karck, Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Herzchirurgie Heidelberg.

Die erste Operation startete um Mitternacht. Ein Transplantationsteam um Privatdozent Dr. Klaus Kallenbach pflanzte einer 47-jährigen Frau mit schwerer Herzmuskelschwäche in einer achteinhalb Stunden dauernden Operation ein neues Herz ein. Schon am Abend des gleichen Tages stand für eine weitere Patientin der Heidelberger Warteliste ein Spenderorgan zur Verfügung. Während sich ein zweiköpfiges Ärzteteam der Herzchirurgischen Universitätsklinik auf den Weg machte, das Herz zu entnehmen und per Helikopter nach Heidelberg zu bringen, begann die Operation der 56-jährigen Patientin unter Leitung von Dr. Ursula Tochtermann um 21.15 Uhr.

Operationsteam aus Freiwilligen verpflanzte nachts das dritte Herz

Nur kurze Zeit später meldete sich die Stiftung Eurotransplant, die zentrale Vermittlungsstelle für Organspenden in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Slowenien und Kroatien, erneut in Heidelberg und meldete, dass noch ein drittes Herz für einen Patienten des Universitätsklinikums zur Verfügung stehe. Eine schwierige Situation: Da das Transplantationsteam bereits im Einsatz war, galt es, innerhalb kürzester Zeit und mitten in der Nacht ein vollständiges Operationsteam, bestehend aus einem Operateur, zwei Assistenten, zwei OP-Schwestern, einem Kardiotechniker, einem Anästhesisten und einer Anästhesiepflegekraft, sowie ein Herzentnahmeteam aus Freiwilligen zu organisieren.

Die dritte Herztransplantation, die 25 Stunden nach der ersten startete, war gleichzeitig auch die schwierigste. Dem 63-jährigen Patienten war einige Jahre zuvor bereits eine Bypass gelegt sowie eine Herzklappe ersetzt worden. Vor der Transplantation mussten die Heidelberger Chirurgen daher das voroperierte Herz zunächst vorsichtig freilegen. „Eine solche Situation erfordert eine sehr genaue Abstimmung zwischen dem Entnahme- und dem Operationsteam“, erklärt Privatdozent Dr. Arjang Ruhparwar, Leiter des Transplantations- und Kunstherzprogramms der Herzchirurgischen Universitätsklinik. „Die Operation des Empfängers musste mit mehr zeitlichem Spielraum starten als üblich, damit das Spenderherz bei seinem Eintreffen in Heidelberg ohne Verzug eingesetzt werden konnte.“ Der komplette Eingriff unter Leitung von Dr. Ruhparwar dauerte zehn Stunden.

Hervorragende Zusammenarbeit im Heidelberger Herzzentrum sichert Transplantationserfolg

Diese Transplantation war für das Ärzteteam ein besonderer Abschluss des insgesamt 36-stündigen Transplantationsmarathons: Der Patient war bereits seit einem halben Jahr auf der Warteliste für ein Spenderherz unter der höchsten Dringlichkeitsstufe (high urgency) geführt worden. Das ist ungewöhnlich, da die durchschnittliche Wartezeit dieser Patienten vier bis sechs Wochen beträgt. „Der Patient hatte inzwischen jede Hoffnung aufgegeben. Das war auch für die betreuenden Ärzte in der Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universitätsklinik sehr belastend“, so Dr. Ruhparwar.

Bei der Betreuung der Patienten mit Herzschwäche arbeiten Universitätsklinik für Herzchirurgie und Abteilung für Kardiologie der Medizinischen Universitätsklinik im Rahmen des Heidelberger Herzzentrums eng zusammen. Patienten der Warteliste für ein Spenderherz betreut Kardiologe Professor Dr. Christian Zugck, Dr. Philipp Ehlermann übernimmt die Transplantationsnachsorge. „Nur diese hervorragende Zusammenarbeit macht unser Herztransplantationszentrum so erfolgreich“, sagt Professor Dr. Karck.

Weitere Informationen über die Herzchirurgie im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Herzchirurgie.106554.0.html

Ansprechpartner:
Arjang Ruhparwar
Leiter des Transplantations- und Kunstherzprogramms der Herzchirurgischen Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 37984
E-Mail: Arjang.Ruhparwar@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

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Bei Rückfragen von Journalisten:
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Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
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Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

TB
(idw, 06/2010)

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