DOG: Ophthalmologen gegen drittes Pflichttertial

DOG und VOL schließen sich damit der Position verschiedener Organisationen an. Laut der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) hatte der Gesundheitsausschuss des Bundesrates in der vergangenen Woche einen Änderungsantrag zur Novelle der Approbationsordnung angenommen, das Wahltertial in einen Pflichtabschnitt Allgemeinmedizin umzuwandeln. „Vor der Umsetzung dieses Vorstoßes können wir nur warnen“, sagt Professor Dr. med. Klaus-Peter Steuhl, Präsident der DOG aus Essen. „Denn dieses geradezu unverantwortliche Vorgehen würde zu einer einseitigen Bevorzugung der Pflichttertiale führen, unter Inkaufnahme einer Vernachlässigung der übrigen Fachdisziplinen“, so der Direktor der Essener Universitäts-Augenklinik. „Die Folgen für die medizinische Versorgung in Deutschland – und ich spreche dabei nicht nur für die augenheilkundliche Versorgung – wären fatal“, befürchtet der Ophthalmologe.

Das Praktische Jahr steht am Ende des Medizinstudiums. Währenddessen vertiefen Studierende ihr theoretisches Wissen, indem sie Erfahrungen in der Arbeit am Patienten sammeln. Derzeit gliedert sich das PJ in drei Ausbildungsabschnitte von je 16 Wochen: Ein Tertial Innere Medizin, ein Tertial Chirurgie und wahlweise ein Tertial Allgemeinmedizin oder eines der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete. „Das Praktische Jahr soll den Studierenden lebendige und lehrreiche Eindrücke vermitteln und ihnen die Vielfalt der Medizin nahebringen“, sagt Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Vorsitzender der VOL aus Mainz. „Es soll ihnen aber vor allem eine Orientierungshilfe bieten und ihnen dabei helfen, sich für ein Fachgebiet zu entscheiden und eine passende Stelle zu finden“, erläutert der Direktor der Universitäts-Augenklinik in Mainz. Gegen die neue Regelung spricht auch eine aktuelle Umfrage: An Universitäten mit Lehrstühlen für Allgemeinmedizin ist das Fach unter Studenten nicht beliebter als an jenen Häusern, die diesen Lehrstuhl nicht vorhalten.

Die Studierenden müssen die Chance haben, alle Fächer gleichermaßen kennenzulernen: „Und umgekehrt ist das PJ auch die Chance für die Fächer, Nachwuchs zu gewinnen – das muss für die großen Disziplinen gelten ebenso wie für die kleineren“, sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Pressesprecher der DOG aus Frankfurt. Sollte sich durch das geplante Vorgehen die Situation in der Allgemeinmedizin tatsächlich entspannen, geschehe dies zu Lasten der anderen Fachrichtungen, so Ohrloff. Denn die Studenten kämen mit diesen kaum noch in Berührung. „Anstatt den ärztlichen Nachwuchs in seiner Wahlfreiheit zu beschneiden, sollten wir uns um die Attraktivität der Lehre bemühen und Studierenden eine hochwertige Ausbildung mit interessanten Perspektiven anbieten“, so Ohrloff. Eine quantitative Stärkung eines Faches allein löse das Problem nicht, verlautbaren DOG und VOL gemeinsam, sondern verlagerten es nur.

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Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6000 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Die Vereinigung Ophthalmologischer Lehrstuhlinhaber (VOL) e. V. vertritt die Interessen der universitären Augenheilkunde in Fragen der Krankenversorgung, Forschung und Lehre. Vorsitzender ist Professor Dr. med. Norbert Pfeiffer, Mainz.
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