DOG fordert: Zweijährige müssen zum Augenarzt

Im Jahr 2008 hat der Gemeinsame Bundesausschuss offiziell festgelegt, dass Kinderärzte im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung U7A auch das Sehvermögen von Kleinkindern testen sollen – ein einfacher Sehtest gehörte schon seit langem zum Vorsorgeprogramm der Pädiater. Ein solches Sehscreening ist jedoch aus Sicht von Augen- wie Kinderärzten, die seit Jahren gemeinsam für eine Vorsorgeuntersuchung durch einen Augenarzt eintreten, nach wie vor ungenügend.

„Die Untersuchung durch den Kinderarzt ist nicht immer ausreichend, um Fehlsichtigkeiten sicher zu erkennen“, erklärt Professor Dr. med. Joachim Esser, Leitender Arzt der Orthoptik an der Universitäts-Augenklinik Essen. „Nur der Augenarzt kann Netzhaut und Sehnerv eingehend untersuchen und krankhafte Veränderungen rechtzeitig diagnostizieren.“ Zudem könne der Augenarzt schon bei Säuglingen frühzeitig Fehlsichtigkeiten und latentes Schielen mit dem Verfahren der Skiaskopie erkennen. Bei dieser Untersuchung schickt der Augenarzt einen Lichtstrahl durch die Pupille, der Hinweise auf mögliche Brechungsfehler liefert – Sprachfertigkeiten sind bei diesem Test nicht nötig.

Dass Augenärzte kindliche Sehschwächen mit einer höheren Treffsicherheit als Kinderärzte diagnostizieren, belegen Studien. So kam eine Studie der Augenklinik und des Instituts für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie der Universität Köln zu dem Schluss, dass die Trefferquote bei Kinderärzten 75 Prozent beträgt, während Augenärzte kindliche Sehschwächen zu 95 Prozent korrekt diagnostizieren. Eine Studie der Universität Münster ergab, dass bei 30 Prozent der drei- bis vierjährigen Kinder Sehstörungen unentdeckt blieben, obwohl sie an den Vorsorgeuntersuchungen der Kinderärzte teilgenommen hatten. Eine Studie der BKK Bayern aus dem Jahr 2009 ermittelte eine Quote von 40 Prozent an Kindergartenkindern, bei denen Sehschwächen oder Augenerkrankungen nicht erkannt worden waren.

„Eine frühzeitige Diagnose von Sehschwächen ist wichtig, weil die natürliche Entwicklung des Sehsystems beim Menschen in den ersten Lebensjahren erfolgt und etwa bei Einschulung abgeschlossen ist“, betont DOG-Experte Joachim Esser. Eine Therapie sei meist nur im Vorschulalter erfolgreich, danach müsse mit einer bleibenden Schwachsichtigkeit gerechnet werden. „Aus diesen Gründen fordern wir eine augenärztliche Vorsorgeuntersuchung für Kinder spätestens ab dem zweiten Lebensjahr“, so Esser. Für den Fall, dass in der Familie des Kindes Schielen oder Fehlsichtigkeiten vorkommen, sollte der sechs Monate alte Säugling bereits mit der U5 an einen Augenarzt überwiesen werden.

Bei diesen Warnzeichen sollten Eltern unverzüglich einen Augenarzt aufsuchen: Schielen, Augenzittern, schiefe Kopfhaltung, Vorbeigreifen, Lichtempfindlichkeit, Augentränen, Augenreiben, besonders große Augen.

Professor Dr. med. Joachim Esser diskutiert auf dem 110. Kongress der DOG mit Experten über Schielerkrankungen.

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Terminhinweise:

Vorab-Pressekonferenz im Rahmen des 110. DOG-Kongresses
Termin: Donnerstag,13. September 2012, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz, Erdgeschoss, Raum 4
Anschrift: Schiffbauerdamm 40/Ecke Reinhardstraße 55, 10117 Berlin

Pressekonferenz im Rahmen des 110. DOG-Kongresses
Termin: Donnerstag, 20. September 2012, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Estrel Berlin, Raum Paris, Erdgeschoss
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

Update „Strabismus: Diagnostik und Therapie“ auf dem 110. DOG-Kongress,
Vorsitz Professor Dr. med. Joachim Esser
Termin: Sonntag, 23. September 2012, 14.45 bis 16.15 Uhr
Ort: Estrel Berlin, Saal A&B
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle 110. DOG-Kongress
Kerstin Ullrich/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641/-293
Telefax: 0711 8931-167

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