DNA-Regionen neue Hinweise entlockt

Primär sklerosierende Cholangitis (PSC) ist eine schwere Erkrankung, bei der die Gallengänge und schließlich auch die Leber zerstört werden. An dieser chronisch entzündlichen Erkrankung leiden vor allem jüngere Menschen. Da es bislang keine Therapiemöglichkeiten für PSC gibt, ist der letzte Ausweg meist eine Lebertransplantation. Über die genauen Ursachen der Krankheit ist bislang nur sehr wenig bekannt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Klinische Molekularbiologie (IKMB) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Exzellenzclusters Entzündungsforschung haben deswegen in Kooperation mit internationalen Arbeitsgruppen in der bisher weltweit größten Fallkontrollstudie nach genetischen Risikoregionen für PSC gesucht. Die Gruppe um Professor Andre Franke verglich die DNA Profile von 4.228 Patientinnen und Patienten mit denen von rund 27.000 gesunden Personen und untersuchte insbesondere solche Genregionen, von denen bereits bekannt ist, dass sie bei entzündlichen Erkrankungen eine Rolle spielen.

Mit Hilfe von sogenannten Immunochips analysierten sie 200.000 verschiedene Bereiche der DNA – und wurden fündig. Sie identifizierten neue Regionen mit statistisch eindeutigen Unterschieden zwischen Kranken und Gesunden, die darauf hindeuten, dass diese Genregionen einen Einfluss auf die Erkrankung haben. Bisher waren sieben Risikoregionen für PSC bekannt. „In dieser Studie haben wir neun weitere Genregionen identifiziert. Damit konnten wir die bekannten Risikoloci mehr als verdoppeln“, sagt Dr. Eva Ellinghaus vom IKMB der Kieler Universität, die große Teile der Studie durchgeführt hat.

Die Patientinnen und Patienten mit chronischen Gallengangsentzündungen sind zum Zeitpunkt der Diagnose im Durchschnitt 30 bis 40 Jahre alt. Ohne eine Lebertransplantation beträgt die mittlere Überlebensrate etwa 12 Jahre. Die Erkenntnisse dieser Studie für PSC würden helfen, diese Krankheit besser zu verstehen, sagt Franke. „Je mehr wir verstehen, welche Gene mit einer Erkrankung assoziiert sind, desto besser können künftig Therapien entwickelt werden.“

Originalpublikation:
Jimmy Z Liu, Johannes Roksund Hov, Trine Folseraas, Eva Ellinghaus, et al.: Dense genotyping of immune-related disease regions identifies nine new risk loci for primary sclerosing cholangitis. Nature Genetics

Kontakt:
Professor Andre Franke
Institut für Klinische Molekularbiologie
Telefon: 0431/597-4138
E-Mail: a.franke@mucosa.de

Hintergrundinformationen zum Exzellenzcluster:
Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung verfolgt einen einzigartigen interdisziplinären Forschungsansatz, um die Ursachen chronischer Entzündungen zu entschlüsseln und Therapien zur Heilung zu entwickeln. Der Exzellenzcluster bündelt die Kompetenzen von rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Ärztinnen und Ärzten der Universitäten zu Kiel und zu Lübeck, des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, des Forschungszentrums Borstel sowie des Max-Planck-Instituts, Plön, und der Muthesius Kunsthochschule, Kiel. Das gemeinsame Ziel von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus Forschung, Lehre und Klinik aus den Bereichen Genetik, Biochemie, Biologie und Ernährungswissenschaft ist es, Entzündungsprozesse frühzeitig zu erkennen und kontrollieren zu können, anstatt den Krankheitsverlauf nur zu verlangsamen.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Presse und Kommunikation, Dr. Ann-Kathrin Wenke
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