DIVI2015: In vielen Notfällen sind Kinder auf der pädiatrischen Intensivstation besser aufgehoben

„Es gibt vital bedrohte Kinder und Jugendliche mit bestimmten Diagnosen, deren Überlebens- und Genesungschancen auf einer Kinderintensivstation höher sind“, sagt Dr. Michael Sasse, Präsidiumsmitglied der DIVI und Oberarzt der Intensivstation der Kinderkardiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Dort stehen speziell ausgebildete Ärzte und medizinisches Personal zur Verfügung, die entsprechendes Know-how mitbringen. Das gilt vor allem für die Therapie in den unterschiedlichen Altersstufen. Fünfjährige muss man beispielsweise hinsichtlich der Medikamentendosierung anders behandeln als 17-Jährige.“

Es gibt in Deutschland 77 Kinderintensivstationen, das bedeutet eine nahezu flächendeckende Versorgung. Dort erhalten die schwer verletzten oder schwerkranken Säuglinge und Kinder bis 18 Jahren die medizinische Betreuung, die im jeweiligen Fall nötig ist. „Auf diesen Stationen ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit von besonderer Bedeutung“, erklärt der Experte. „Denn nicht nur die Ärzte, sondern beispielsweise auch Pflegekräfte, Physio- und Atemtherapeuten sowie Psychologen und Logopäden benötigen Erfahrung, teilweise auch eine besondere Ausbildung, und sollten vor Ort sein, um die jungen Patienten schon während des Aufenthalts auf der Intensivstation im Genesungsprozess zu unterstützen und nach vorne zu bringen.“

Am Beispiel des Schädel-Hirn-Traumas lässt sich veranschaulichen, inwieweit manche Diagnosen eine unterschiedliche Behandlung erfordern: Während das Schädel-Hirn-Trauma des Jugendlichen dem im Erwachsenenalter ähnelt, bestehen insbesondere im Säuglings- und Kleinkindesalter auf Grund unterschiedlicher Kopf-Körper-Proportionen, altersabhängiger metabolischer Voraussetzungen und spezieller Verletzungsmechanismen Unterschiede, auf die in der zu erfolgenden Behandlung eingegangen werden muss.

Weitere Krankheitsbilder, die auf einer pädiatrischen Intensivstation besser aufgehoben sind: Verbrennungen, septischer Schock, nicht durchbrechbare Krampfanfälle (wie sie z.B. bei Epileptikern auftreten), Leber- und Nierenversagen, angeborene Herzfehler, Mukoviszidose und seltene Stoffwechselerkrankungen. „Man braucht für viele dieser Krankheiten spezielle Geräte, die für Kinder ausgelegt sind“, stellt Dr. Florian Hoffmann fest, DIVI-Sektionssprecher für Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin.

An einigen großen Zentren haben sich bereits Netzwerke gebildet. Das Fachpersonal der unterschiedlichen Kliniken arbeitet dort auf enger Basis zusammen. Kommt es zu einem Notfall, wird die Erstversorgung in der nächstgelegenen Klinik vorgenommen und, falls nötig, die weitere medizinische Behandlung dann auf einer pädiatrischen Intensivstation. „Wir haben Transportdienste, die das übernehmen“, erläutert Dr. Hoffmann, der auch Oberarzt der Kinderintensivstation an der Kinderklinik und Kinderpoliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München ist.

Beispiele für funktionierende Kinderintensivnetzwerke sind die der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Ludwig-Maximilians-Universität in München und der Medizinischen Hochschule Hannover. In Niedersachsen haben sich in einem Radius von 200 Kilometern 41 Kliniken zusammengeschlossen. Dort sind die Krankenkassen bereits auf das Projekt aufmerksam geworden und bezuschussen die Maßnahmen. So sparen sie sich eventuell später anfallende Kosten, da die jungen Patienten bei nicht optimaler Behandlung Folgeschäden davontragen können. „Wir sollten daran setzen, ein bundesweites Netzwerk aufzubauen“, sagt DIVI-Präsident Professor Gerhard Jorch. „Wir können damit die aktuelle Versorgungslage optimieren und das müsste doch Motivation genug sein.“

DIVI-Kongress 2015 „Qualität trifft Ökonomie“
Das Thema „Kinderintensivstation“ ist einer der Schwerpunkte des DIVI-Kongresses 2015, der vom 2. bis 4. 12. im CCL Congress Center in Leipzig stattfindet. In Anbetracht der 15. Veranstaltung kann man von einem kleinen Jubiläum sprechen. Ein Grund für das wachsende Interesse an der DIVI insgesamt ist, dass Medizin heute mehr als je zuvor interdisziplinär betrieben wird und die Notfall- und Intensivmedizin dafür ein Paradebeispiel darstellt.

Mehr als 500 Vorträge und 40 verschiedene praktische Workshops stehen in den drei Tagen unter dem diesjährigem Motto „Qualität trifft Ökonomie“ auf dem Programm. Außerdem kann sich das Fachpublikum in Live-Demonstrationen z.B. über Intensiv-Telemedizin informieren oder an Führungen durch eine neonatologische Intensivstation teilnehmen.

Aus aktuellem Anlass wird auch Flüchtlingshilfe und deren medizinische Herausforderungen in einer eigenen Sitzung „Bewältigung der Flüchtlingswelle“ thematisiert. In drei Vorträgen stellen Vertreter des Landes Schleswig-Holstein, des dortigen Universitätsklinikums und des Friedrich-Ebert-Krankenhauses ihre praktischen Erfahrungen vor.

Spannende News erwarten die Teilnehmer zudem von einer hochkarätig besetzten Delegation aus China zum diesjährigen Kongress. Sie wird in der „Präsidentensitzung“ am 3. 12. über die chinesische Intensiv- und Notfallmedizin berichten. Die DIVI betrachtet diesen Besuch als Auftakt für eine internationale Kooperation entsprechend § 2 der DIVI-Satzung. Ein Entwurf für ein Kooperationsabkommen in der Intensiv- und Notfallmedizin zwischen der DIVI und der HHRDC liegt bereits vor. Die HHRDC (The Health Human Development Center) ist eine Institution im chinesischen öffentlichen Gesundheitswesen, die für die Personalqualifikation und -entwicklung zuständig ist. Geplant sind u.a. gegenseitige Hospitationen und Einladungen zu Tagungen und Vorträgen.

Am 3. und 4.12. führt die Feuerwehr Leipzig jeweils von 12:00 bis 12:30 Uhr eine Höhenrettung im Atrium des CCL durch und die Bundeswehr präsentiert jeweils von 10:00 bis 10:30 Uhr auf einem eigenen Stand die praktische Arbeit der Sanitätskräfte im Einsatz. Kongressteilnehmer können außerdem eine Intensivrettung an Bord eines Hubschraubers erleben, zu der wir auch die Presse herzlich einladen. Ein weiterer Höhepunkt des Kongresses und mittlerweile schöne Tradition ist der DIVI Charity Lauf am 3.12., dessen Erlös an die Organisation „Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende e.V.“ geht. Schirmherr des Laufes ist der Olympiasieger im Gehen Hartwig Gauder, der selbst seit 1997 ein Spenderherz hat.

DIVI weltweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 2000 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften und persönlichen Mitgliedern.

Die Experten der DIVI:
– Dr. Michael Sasse ist Präsidiumsmitglied der DIVI sowie leitender Oberarzt der Intensivstation der Kinderkardiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.
– Dr. Florian Hoffmann ist DIVI-Sektionssprecher für Pädiatrische Intensiv- und Notfallmedizin sowie Oberarzt der Kinderintensivstation an der Kinderklinik und Kinderpoliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München.
– Professor Gerhard Jorch ist Präsident der DIVI sowie Direktor der Universitätskinderklinik in Magdeburg.

Gerne vermitteln wir Ihnen unsere Experten für Ihre Anfragen und Interviews sowie Bildmaterial. Um Belegsendung wird im Veröffentlichungsfall gebeten.

Ihre Ansprechpartnerin:
Larissa Vogt
Pressesprecherin
Luisenstraße 45
10117 Berlin
Telefon: 0173/6194422
E-Mail: pressestelle@divi-org.de

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