DIVI2011: DIVI fordert Qualitätsoffensive für Frühgeborenen-Intensivmedizin

Vor dem Hintergrund des Bremer Frühchen-Skandals fordert die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) eine Qualitätsoffensive. „Die Kliniken müssen endlich aufhören, um Hochrisiko-Patienten zu konkurrieren. Wir brauchen im Umkreis von 100 Kilometern keine vier Frühchen-Intensivstationen. Wir brauchen eine einzige, die dafür aber medizinisch wie personell auf dem allerhöchsten Niveau arbeitet“, sagte der Neonatologe Prof. Dr. Gerhard Jorch am Mittwoch zum Auftakt des DIVI-Kongresses in Leipzig, der in diesem Jahr unter dem Motto „Fortschritt und Verantwortung“ den Fokus auf die Kinder- und Jugendmedizin legt. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr verwies als Schirmherr auf die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit, um den stetig steigenden Qualitätsanforderungen der Intensiv- und Notfallmedizin gerecht zu werden.
Ob mangelnde Hygiene, zu wenig Personal oder gleich mehrere Faktoren die Ursache für die tragischen Todesfälle in Bremen waren: Aus Sicht der DIVI zeigt das Beispiel Bremen in jedem Fall, dass die Versorgung von Frühgeborenen verbessert werden muss – und sieht das Potenzial dafür nicht allein in Bremen.

Ergebnisse verbessern und vergleichbar machen
So verwies Jorch als diesjähriger Kongresspräsident darauf, dass die Neugeborenen-Sterblichkeit in den Bundesländern sehr unterschiedlich ist. Während sie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders niedrig sei, liege sie in anderen Bundesländern deutlich höher. „Um überall gleich gut zu werden, müssen wir die Ursachen dafür erforschen, besser regional zusammenarbeiten und Risiko-Schwangere stärker in den Blick nehmen“, sagte Jorch. Strukturen, Prozesse und Ergebnisse müssten verbessert, ihre Qualität vergleichbar gemacht werden.
Alles das strebt der Direktor der Universitätskinderklinik Magdeburg, der seit Jahrzehnten auch Vorreiter im Kampf gegen den plötzlichen Kindstod ist, zusammen mit der DIVI in der kürzlich gestarteten Aktion „Mehr gesunde Babys!“ an. Die DIVI legte zudem in den vergangenen Jahren Empfehlungen zur Ausstattung von Intensivstationen – mit Blick auch auf Frühgeborene – vor. Die darin zugrunde liegenden Studien zeigen beispielsweise, dass sich die Komplikationsraten unter anderem bei Infektionen deutlich senken lassen, wenn mehr Ärzte und Pfleger auf den Stationen im Einsatz sind.

Joachim Gauck hält Festrede
Festredner Prof. Dr. h.c. Joachim Gauck verwies auf die große Verantwortung, die der technische Fortschritt in der Medizin tagtäglich mit sich bringe. Bremen und die Debatte um die Organspende hätten dies gerade erst wieder gezeigt. Umso mehr begrüße er, dass die DIVI dieses Thema so intensiv diskutiere.

Frühchen-Station vor Ort aufgebaut
Wie groß technischer Fortschritt und medizinische Verantwortung in der gesamten Intensiv- und Notfallmedizin sind, wird beim DIVI-Kongress nicht nur theoretisch diskutiert, sondern auch in der Praxis deutlich: Vor Ort ist dazu eine komplette Frühchen-Station aufgebaut. Ärzte und Fachpfleger üben darin beispielsweise, die Körpertemperatur mit Hightech-Sensoren zu sichern und mit speziellen Shuttle-Systemen frühgeborene Kinder sicher in den Inkubator zu bringen.

Kongress mit besonders viel Praxis
Der großen Nachfrage nach diesen alltagsorientierten DIVI-Praxisfortbildungen begegnet die DIVI mit einem entsprechend umfassenden Angebot für Mediziner wie Pfleger und Physiotherapeuten. Darin finden sich nicht nur auf Kinder zugeschnittene Angebote, sondern die Organtransplantation bei Erwachsenen steht ebenso auf dem Programm wie eine verantwortungsvolle Kommunikation mit sterbenden Patienten. „Dieser interdisziplinäre Praxisbezug ist längst DIVI-Markenzeichen. Wir sind froh, damit immer wieder die Themen aufzugreifen, die die interdisziplinären Teams in der Intensiv- und Notfallmedizin besonders bewegen“, sagte DIVI-Präsident Prof. Dr. Michael Quintel, der die Anästhesiologie am Universitätsklinikum Göttingen leitet.

Auch Feuerwehr und Bundeswehr demonstrieren in Leipzig, wie wichtig ihre Zusammenarbeit ist: Eine Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr Leipzig rettet während des Kongresses einen Verletzten in der Messe-Glashalle mit einer Teleskop-Bühne aus 25 Metern Höhe, Spezialisten der Bundeswehr übernehmen den weiteren Transport. Auch in diesem Jahr ist die Industrieausstellung wichtiger Bestandteil des Kongresses, der bis zum 3. Dezember läuft.

DIVI europaweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein europaweit einzigartiger Zusammenschluss aller Fachbereiche, auf deren Zusammenarbeit sich der Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin gründet: Zu den mehr als 1500 Mitgliedern zählen Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmediziner sowie Fachkrankenpfleger und entsprechende Fachgesellschaften – insgesamt bündelt die DIVI damit das Wissen und Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften. Weitere Informationen für Ihre Berichterstattung und zur Akkreditierung finden Sie unter und , die Aktion „Mehr gesunde Babys!“ finden Sie unter

Ihre Ansprechpartnerin für Akkreditierungen und Interviews:
Larissa Vogt
Pressesprecherin
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V.
Luisenstraße 45
10117 Berlin
Tel: 030 4000 5635
Fax: 030 4000 5637
Mobil: 0173 619 44 22
E-Mail: pressestelle@divi-org.de

Bitte beachten Sie, dass nicht nur für den Kongress, sondern auch für die Übungen von Feuerwehr und Bundeswehr Akkreditierungen erforderlich sind:
Donnerstag und Freitag, 1. und 2. Dezember, jeweils um 14 Uhr an der Messe-Glashalle

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