DIVI-Initiative: Mehr Qualität in der Intensivmedizin durch Fort- und Weiterbildung

Die Intensivmedizin hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Immer besser gelingt es Ärzten, selbst schwer kranken Patienten zu helfen. Doch die verantwortlichen Mediziner und Pflegekräfte stehen vor einer großen Aufgabe: Die Lebenserwartung steigt weiter und schon jetzt ist mehr als ein Viertel der Bevölkerung älter als 60. Damit steigt auch die Zahl der Menschen, die eine intensivmedizinische Betreuung benötigen. „Doch die Zahl der Ärzte und Pflegekräfte, die in diesem hochanspruchsvollen Bereich arbeiten wollen, sinkt und auch aufgrund struktureller Probleme ist es nicht einfach, neue Fachkräfte zu rekrutieren“, sagt Professor Quintel, der Leiter der Anästhesiologie am Universitätsklinikum Göttingen ist. Zu den strukturellen Problemen zählt auch die Feminisierung der Medizin: „Auch hier müssen wir sehen, wie wir Arbeitsplätze in Intensivmedizin attraktiv gestalten können.“

Kritisch gesehen wird das neue Berufsbild des Intensive Care Practitioner, der u.a. von der privaten Steinbeis Hochschule Berlin (SHB) im Rahmen eines dreijährigen Bachelor-Studiengangs angeboten wird. „Ich sehe bislang noch nicht welche Rolle diese Kräfte übernehmen schließen und welche Aufgaben sie übernehmen sollen: sind sie dem ärztlichen oder pflegerischen Dienst unterstellt sind und welche Ziele der Studiengang genau verfolgt.“ sagt der DIVI-Experte. Ähnliches gilt für das ebenfalls neue Berufsbild des Physician Assistant. Im Gegensatz zu Pflegekräften, die als autonome Berufsgruppe gelten, haben die Absolventen dieser Studiengänge per definitionem keinerlei eigene berufliche Autonomie.

Die DIVI hat bei ihrer Klausurtagung beschlossen, einen eigenen Weg zu gehen. Ein noch zu entwickelnder Fragebogen soll die Wünsche und Ziele der intensivmedizinischen Pflegekräfte identifizieren und helfen, diese besser einordnen zu können. Vor allem die Form und der Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten spielen in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. „Neben den bereits existierenden Kernkompetenzen der Ärzte in der Intensivmedizin sollen jetzt auch die Kernkompetenzen für die Pflegenden definiert werden“, sagt der Göttinger DIVI-Präsident. „Denn eine weiterführende Qualifizierung für motivierte Intensivpflegende mit klar definierten Perspektiven ist dringend notwendig.“

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist der Entwurf eines DIVI-Zertifizierungsverfahrens, das 2014 eingeführt werden soll und unter anderem auf dem Peer-Review Prozess und einer strukturierten Datenerfassung beruhen wird. Neben dem bereits existierenden Strukturpapier für die Intensivstation sollen jetzt auch Strukturempfehlungen für die Bereiche „Weaning-Station“ (Langzeitbeatmung) und Intermediate Care (IMC) formuliert werden.

DIVI weltweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 1500 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften.

Die Experten der DIVI:
– Professor Michael Quintel ist Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Er leitet die Anästhesiologie am Universitätsklinikum Göttingen.

Gerne vermitteln wir Ihnen unsere Experten für Ihre Anfragen und Interviews sowie Bildmaterial. Um Belegsendung wird im Veröffentlichungsfall gebeten.

Ihre Ansprechpartnerin:
Larissa Vogt
Pressesprecherin
Luisenstraße 45
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Telefon: 0173/6194422
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