DIVI begrüßt Tarifeinigung, fordert aber bedeutungsorientierte Vergütungsstruktur für Fachpflege

Die Einigung im Tarifstreit ist nach Ansicht der DIVI zwar ein Zeichen der Wertschätzung für die verantwortungsvolle und aufreibende Arbeit der Fachpflegekräfte auf den Intensivstationen, die durch Schichtdienste, 7-Tage-Woche und den Umgang mit menschlichem Leid physisch und psychisch stark belastet sind. „Doch das jetzt Ausgehandelte trägt nicht den besonderen Anforderungen für Pflegende in der Intensivmedizin Rechnung und ist damit sicher nicht ausreichend, um den Beruf und die Zusatzqualifikation auch für den Nachwuchs attraktiv zu halten. Diese qualifizierte und besondere Arbeit muss langfristig wesentlich besser bezahlt werden, die Bedeutung der Tätigkeit und ihre Vergütung und damit Anerkennung liegen zu weit auseinander“, sagte Quintel.

Mit Blick auf die Betreuungsquote warnte die DIVI die Arbeitgeber zudem davor, weitere Stellen abzubauen und damit die Arbeit für die Fachpflegekräfte auf den Intensivstationen noch mehr zu verdichten. Studien belegen einen klaren Zusammenhang zwischen der Betreuungsquote und der Komplikationsrate: „Wenn eine Pflegekraft zu viele Patienten gleichzeitig betreuen muss, erhöht das die Komplikationsrate. Das gilt beispielsweise auch für die gefürchteten Infektionen mit den so genannten Krankenhauskeimen“, sagte Klaus Notz, der im DIVI-Präsidium die nichtärztlichen Mitglieder vertritt. Um den bestmöglichen Behandlungserfolg und die größtmögliche Sicherheit zu erzielen, fordert die DIVI auf der Grundlage zahlreicher Studien, dass eine Intensivpflegekraft nicht regelmäßig mehr als zwei Patienten betreuen darf, in kritischen Fällen ist sogar eine 1:1-Betreuung erforderlich.

Betreuungsquote und fachliche Qualität maßgeblich für Behandlungserfolg
Die Realität auf den Intensivstationen in deutschen Krankenhäusern sieht allerdings derzeit anders aus: Durchschnittlich betreut eine Pflegekraft 2,7 Patienten auf einer Intensivstation für Erwachsene; je kleiner ein Krankenhaus ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass mehrere Patienten sich eine Pflegekraft teilen müssen. Auch auf Kinderintensivstationen versorgen Pflegekräfte häufig drei oder mehr kleine Patienten gleichzeitig. Eine Umfrage bei den Leitern von 68 deutschen Kinderintensivstationen ergab, dass pro Intensivbett im Durchschnitt 2,4 Pflegestellen, in vielen aber weniger als 2 zur Verfügung stehen. „Es gibt damit schon jetzt kaum noch Häuser, in denen die Betreuungsquote den wissenschaftlichen Empfehlungen entspricht“, sagte Quintel.

Die Pflege ist eine tragende Säule in der Intensivmedizin, deshalb ist neben der Quantität die Qualifikation des Personals ganz entscheidend für den Behandlungserfolg: „Zu oft werden aus wirtschaftlichen Gründen nicht ausreichend qualifizierte Kräfte auf Intensivstationen eingesetzt. Jeder, der hier arbeitet, muss aber topqualifiziert sein und sich stetig weiterbilden. Dafür müssen die Arbeitgeber sorgen“, sagte Notz.

DIVI weltweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 1500 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fachkrankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften.

Die Experten der DIVI:
– Michael Quintel ist Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Er leitet die Anästhesiologie am Universitätsklinikum Göttingen.
– Klaus Notz ist Mitglied des DIVI-Präsidiums und vertritt die nicht-ärztlichen Mitglieder. Er ist zugleich Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) und Leiter der Bildungseinrichtungen der Kreiskliniken Reutlingen.

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