Die Urform des Reisens

(djd). Wanderungen sind keine Spaziergänge. Denn es ist ein Unterschied, ob man bei einem Bummel im Park Blumenarrangements bewundert, oder ob man einige Kilometer unterwegs ist durch die freie Natur. Und doch ist Wandern heute anders als noch vor 50 Jahren. Damals war man froh, jemanden dabei zu haben, der sich gut orientieren oder einen Kompass bedienen konnte. Heute führen zuverlässig ausgeschilderte und von Tourismusregionen sorgsam gepflegte Wanderwege durch die schönsten Gebiete der Welt. Das könnte ein Grund sein, weshalb die Urform des Reisens, das Wandern, wieder zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deutschen gehört. Massive Wanderstiefel benötigt man dafür selten, ein paar wasserdichte, halbhohe und leichte Wanderschuhe genügen in den weitaus meisten Fällen.

Dem Schinderhannes hinterher

Unterschätzte Wanderregionen Deutschlands – und damit noch ein Geheimtipp – sind beispielsweise der Taunus und die Rhön. Auf dem 146 Kilometer langen Taunus-Schinderhannes-Steig etwa können Wanderer den Spuren des berüchtigten Räubers durch den gesamten Taunus folgen. Der neu beschilderte Pfad erhielt erst vor kurzem das Qualitätssiegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“. Die 38 Kilometer lange Teilstrecke von Kelkheim bis Weilrod ist besonders durch ihre zahlreichen Fernblicke und das auch „Perle der Nassauischen Schweiz“ genannte Eppstein bekannt. Mehr Informationen gibt es unter http://www.taunus.info.

Zu einem Zentrum für Wander-Liebhaber hat sich das Städtchen Bischofsheim am Fuße des berühmten Kreuzbergs in der Rhön entwickelt. Allein auf Bischofsheimer Gebiet liegen rund 170 Kilometer markierte Wanderwege. In der gesamten Rhön findet man 6.000 Wege, darunter den Premiumwanderweg „Hochrhöner“ und seine 21 Extratouren. Die Strecken- und Rundwanderungen verfügen über unterschiedliche Weglängen und Schwierigkeitsgrade. Außer beeindruckenden Panoramen finden sich auch zahlreiche Gelegenheiten, beliebte Ausflugsziele zu besuchen. Ein besonderer Tipp für Wanderfreunde sind die Bischofsheimer Wander- und Naturerlebniswochen im Oktober. Attraktive Tageswanderungen führen in alle Teile der Rhön, Fachführungen zu speziellen Themen runden das Naturerlebnis ab.

Atemberaubende Ausblicke auf Rügen

Klippenwandern in Deutschland – das funktioniert auf Rügen mit Ausblicken, bei denen es einem den Atem verschlagen kann. Der Königsstuhl im Nationalpark Jasmund etwa gehört zu dem Kreidefelsen-Ensemble der Ostsee-Insel, das sich „Stubbenkammer“ nennt. Dieser höchste Kreidefelsvorsprung befindet sich auf dem Hochuferweg, in seiner unmittelbaren Nähe können sich Wanderer im Nationalpark-Zentrum über die Beschaffenheit des Inselgesteins informieren. Kreide ist brüchig, somit verändert sich die Steilküste der Insel Rügen ständig. Die Stelle, von der aus Caspar David Friedrich sein romantisches Motiv gemalt hat, wird schon alleine deshalb kein Wanderer mehr finden. Doch die Suche danach auf dem elf Kilometer langen Hochuferweg gehört zu den lohnendsten Zielen für die Liebhaber schöner Natur.

Der letzte Wilde

Wer Lust hat, in die Ferne zu schweifen, ohne sich gleich mit Fremdsprachen herumschlagen zu müssen, wird in der Naturparkregion Lechtal-Reutte mit den schönsten Naturjuwelen Österreichs belohnt. Gleich hinter dem bayerischen Füssen gelegen, kommt man sogar „pickerlfrei“ hin. Erkunden kann man dort zum Beispiel einen der letzten Wildflüsse Mitteleuropas: den Tiroler Lech. Urlauber begleiten den magischen, türkisfarbenen Fluss 125 Kilometer weit vom Fomarinsee im Lechquellgebirge bis nach Füssen im Allgäu. Schon eine Etappenwanderung – auf Wunsch mit einem Naturparkführer – gibt einen guten Eindruck von der Schönheit und Ursprünglichkeit der Landschaft. Wer noch etwas mehr über den Tiroler Lech erfahren möchte, findet in der Naturausstellung „Der letzte Wilde“ im Besucherzentrum an der Klause Ehrenberg ausreichend Gelegenheit dazu.

Der Trend zum Weitwandern

Bei Tagesetappen von mindestens 35 bis 40 Kilometern kommt beim neuen Trend zum Weitwandern dagegen schon mal ein Marathon-Feeling auf. Wer dem neuen Wanderhype huldigen möchte, dem bieten unsere österreichischen Nachbarn mit moderner Technologie angemessene Unterstützung. Weitwanderwege.com, das neue Onlineportal rund um qualitätsgeprüfte Weitwanderwege, unterstützt die eher sportlichen Wanderer dabei, die individuell passende Tour zu finden. Das grafisch übersichtlich aufbereitete Portal bietet detaillierte Beschreibungen der Streckenabschnitte, Tipps für den Gepäcktransfer und eine Auflistung von Übernachtungsmöglichkeiten.

Oman: Spektakuläre Trekkingpfade

Vollends exotisch wird das Wanderabenteuer, wer eine Expedition in fremde Welten wagt. Im Sultanat Oman etwa eröffnen 42 gut markierte Trekkingpfade atemberaubende Einblicke in die zerklüftete und spektakuläre Bergwelt Nordomans. Die Wege weitab der Straßen führen durch uralte Siedlungen, entlang kilometerlanger Bewässerungskanäle, durch schwindelerregende Steilwände und auf kühle Hochplateaus. Auch hier ist gutes Schuhwerk dringend zu empfehlen. An die vorgegebenen Pfade sollte man sich auch unbedingt halten, denn schon ein einziger starker Schauer kann ein enges Trockental in einen reißenden Sturzbach verwandeln.

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