„Die unerträgliche Leichtigkeit des Sehens”

Pädiatrische Neuroophthalmologie, frühkindlicher Nystagmus sowie innovative Diagnostik und Therapie, okuläre Bildgebung in Strabologie und Neuroophthalmologie, minimale und maximale Augenmuskelchirurgie: Die Themenschwerpunkte bei der 20. Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft sind zugleich ein Kaleidoskop der Sehforschung. Auf Einladung von Prof. Dr. Birgit Lorenz, Professur für Augenheilkunde am Fachbereich 11 der JLU und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, findet die Bielschowsky-Tagung vom 30. Juni bis 1. Juli 2017 in der Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) statt. Expertinnen und Experten werden sich mit operativen Therapien, Forschungen zur Diagnostik und Arbeiten zu Erkrankungen mit genetischen Ursachen beschäftigen.

Tagungspräsidentin Prof. Dr. Birgit Lorenz, Prof. Dr. Peter Kämpfer, JLU-Vizepräsident für Forschung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Dekan des Fachbereichs 11 – Medizin der JLU, und Prof. Dr. Werner Seeger, Ärztlicher Geschäftsführer am Standort Gießen des Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH (UKGM), werden die Gäste am 30. Juni ab 8.30 Uhr begrüßen.

Es schließen sich folgende Hauptvorträge an:
Die unerträgliche Leichtigkeit des Sehens
Prof. Roland W. Fleming, Kurt Koffka Professor for Experimental Psychology,
Justus Liebig Universität Giessen
Kongenitale Stationäre Nachtblindheit –- Ein Überblick
Dr. Christina Zeitz, Sorbonne Universités, UPMC Univ Paris 06, INSERM, CNRS, Institut de la Vision, Paris, France
Dissoziiertes Schielen als Folge sensorischer interhemisphärischer Dissoziation
Prof. Marcel tenTusscher, Universitair Ziekenhuis Vrije Universiteit Brussel, Belgien
Albinismus – eine alternative Organisation des menschlichen Sehsystems
Prof. Michael Hofmann, Universitätsaugenklinik, Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Prof. Dr. Birgit Lorenz darf sich in diesem Jahr zudem über den Bielschowsky-Wissenschaftspreis freuen, der ihr im Rahmen der Tagung für ihre wissenschaftliche Lebensleistung verliehen wird. Die Wissenschaftlerin und Ärztin hat seit 2007 die Professur für Augenheilkunde mit dem Schwerpunkt Strabologie und Neuro-Ophthalmologie am Fachbereich 11 – Medizin der JLU inne und ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH am Standort Gießen, sowie Leiterin der der Klinik angeschlossenen staatlich anerkannten Orthoptiklehranstalt. Sie ist zudem u.a. Sprecherin der Sektion Genetik der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) sowie Präsidentin der International Society for Genetic Eye Diseases and Retinoblastoma (ISGEDR).

Ein Schwerpunkt der gemeinsamen Arbeit ist auch der Kampf gegen die bislang unheilbare Netzhautdegeneration: Einen wichtigen Schritt hin zur translationalen Medizin konnten Prof. Dr. Knut Stieger und Prof. Lorenz – beide JLU – kürzlich durch die erfolgreiche Einwerbung eines DFG-Schwerpunktprogrammes (SPP 2127) mit dem Titel „Gen- und zellbasierte Therapien für die Behandlung neuroretinaler Degeneration“ gehen, dem beide als Koordinator bzw. Ko-Koordinatorin vorstehen.

Im Rahmen dieses Schwerpunktprogramms werden zunächst über drei Jahre insgesamt rund acht Millionen Euro für Forschungen zur Entwicklung neuer Therapieformen, zur Weiterentwicklung existierender Therapieformen und zur klinischen Validierung der Behandlungen für bis zu 25 Einzel- bzw. Tandemanträge von Forscherinnen und Forschern aus ganz Deutschland verteilt. Prinzipiell ist der SPP auf sechs Jahre ausgelegt. Die Etablierung des SPP unter Führung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Gießen belegt die Aktualität und Stärke der Forschung an der hiesigen Augenklinik, sowohl im präklinisch-experimentellen als auch im klinischen Bereich.

Die Bielschowsky Gesellschaft

Der Name der Bielschowsky Gesellschaft geht zurück auf Prof. Dr. Alfred Bielschowsky (1871 – 1940), der von 1912 bis 1923 Professor für Augenheilkunde an der Universität Marburg war. Von 1923 bis 1935 lehrte er in Breslau, bevor er zur Emigration gezwungen nach Hanover, New Hampshire (USA), auswanderte, wo er 1940 verstarb. Prof. Bielschowsky beschäftigte sich mit der Erforschung und Behandlung der Schielkrankheit, (Begleit- und Lähmungsschielen), des Augenzitterns (Nystagmus), der Schwachsichtigkeit (Amblyopie) und der damit verbundenen Fragen der Neuroophthalmologie. Dies war im Jahr 1985 Anlass, seinen Namen für die neugegründete Gesellschaft für Schielforschung und Neuroophthalmologie zu wählen. Zu den Gründungsmitgliedern zählte unter anderen auch Prof. Dr. Herbert Kaufmann (Universität Gießen), der später der vierte Präsident der Gesellschaft wurde. Ihm folgte Prof. Lorenz im Amt.

Bielschowsky-Wissenschaftspreis

Die Bielschowsky Gesellschaft befasst sich inhaltlich mit allen Fragen der Schielforschung und Neuroophthalmologie, wobei beide Forschungsfelder stark überlappen. Im zweijährigen Rhythmus veranstaltet sie eine deutschsprachige Tagung, zu der auch Teilnehmer der umliegenden Länder regelmäßig zu Gast sind. Die Bielschowsky-Gesellschaft förderte bislang die neuroophthalmologische Forschung durch den Bielschowsky-Wissenschaftspreis für jüngere Forscherinnen und Forscher. Im vergangenen Jahr wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung beschlossen, den Preis in Zukunft als Anerkennung der Lebensleistung des Preisträgers zu vergeben. Die erste Preisträgerin dieses neuen Wissenschaftspreises ist Prof. Dr. Birgit Lorenz. Auch der Promotionspreis wurde umgewidmet und wird jetzt für herausragende wissenschaftliche Arbeiten an Nachwuchswissenschaftler vergeben. Als Anreiz für den Einstieg in die Erforschung des Schielens und der Neuroophthalmologie werden von der Bielschowsky-Gesellschaft zudem Reisestipendien für Vorträge zu Themen der Schielforschung und Neuroophthalmologie vergeben. Darüber hinaus unterstützt die Gesellschaft verschiedene Forschungsprojekte finanziell. Das zurzeit geförderte Projekt befasst sich mit der Identifizierung der genetischen Ursachen des erblichen Schielens und ist im Labor für molekulare Ophthalmologie der Augenklinik in Gießen unter der Leitung von PD Dr. Markus Preising angesiedelt.

Bereits im Vorfeld der Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft findet am 29. Juni 2017 in der Augenklinik in Gießen ein Fortbildungsnachmittag mit Workshops zur Diagnostik und Therapie neuroophthalmologischer Erkrankungen statt.

Termin

Tagung der Bielschowsky-Gesellschaft
vom 30. Juni 2017 (Beginn 8.30 Uhr) bis 1. Juli 2017 (Ende gegen 14.15 Uhr)
Veranstaltungsort: Aula, Uni-Hauptgebäude der Justus-Liebig-Universität Gießen

Fortbildungsnachmittag am 29. Juni 2017 mit Workshops zur Diagnostik und Therapie neuroophthalmologischer Erkrankungen
Veranstaltungsort: Augenklinik in Gießen

Kontakt

PD Dr. Markus Preising, Fachbereich 11 – Medizin der Justus-Liebig Universität Gießen,
Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde, Labor für Molekulare Ophthalmologie
Friedrichstraße 18, 35392 Gießen
Telefon: 0641 985-43837
E-Mail: markus.preising@uniklinikum-giessen.de

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