Die Praxis der Kinder- und Jugendhilfe: Kinder, Jugendliche und Familien nach der Flucht

Die Münchner Kinder- und Jugendhilfe ist in den letzten Monaten durch die Aufnahme und Betreuung vieler unbegleiteter wie begleiteter Jugendlicher, Kinder und ihrer Familien extrem herausgefordert. Die Etablierung neuer Angebotsformen und die Überarbeitung bestehender Hilfestrukturen sind erforderlich. Insgesamt werfen diese Entwicklungen die Frage nach professions-ethischen Standards und fachlichen Mandaten der Sozialen Arbeit auf.

Mit der Dialogreihe 2016 loten die beiden Münchner Hochschulen mit Vertreterinnen und Vertretern der Praxis aus, welche Entwicklungen sich vor Ort in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe abzeichnen und diskutieren darüber, wie es um die bewährten Standards fachlichen Handelns steht. Die Auftaktveranstaltung am 12. April an der Hochschule München (HM) mit Fachvorträgen von Prof. Reinhard Wiesner und Dr. Heinz Kindler zur Rahmensituation und mit einer Podiumsdiskussion zur aktuellen Situation in München, zeigte die Breite und die Dringlichkeit der Themenstellung deutlich auf.

Fachtag ‚Fokus Praxis‘ am 21. Juni 2016
Der nun folgende Fachtag ‚Fokus Praxis‘ am 21. Juni an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München (KSFH) befasst sich mit den bestehenden Verfahren und Standards in der Kinder- und Jugendhilfe und den Herausforderungen durch Fluchtbewegungen und ausländerrechtlichen Rahmenbedingungen. Der Fokus dieser Veranstaltung liegt dabei auf den Schnittstellen und Übergängen innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe und zu angrenzenden Arbeitsfeldern. Was sind erfolgreiche Modelle und Arbeitsweisen, um Kinder, Jugendliche und ihre Familien nach der Flucht in ihren individuellen Bedürfnissen zu begleiten? Wie sehen die verschiedenen Hilfe- und Betreuungssysteme dabei die Zielgruppen? Worin liegen die Herausforderungen und Hemmnisse, um adäquat auf strukturelle, politische und rechtliche Veränderungsprozesse aus fachlicher Sicht zu reagieren? Wie gestaltet sich die Situation der Kinder- und Jugendhilfe in München?

Am Vormittag wird diesen Fragestellungen in drei Inputs zu den Thematiken Lebenslagen/Münchner Praxis/Erfahrungsbericht nachgegangen. Am Nachmittag bearbeiten die Praktikerinnen und Praktiker an Hand sechs unterschiedlicher Fallvignetten die Handlungsräume, die aus den Aufträgen der Kinder- und Jugendhilfe und der ‚anderen‘ Logik des AusländerInnen- und Asylrechts entstehen. Da es um Schnittstellen und Übergänge gerade auch zwischen Angeboten und Hilfeformaten geht und eine gelungene Mischung der Gruppen angestrebt wird, sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufgefordert, sich in den beiden Workshop-Runden neue Bereiche zu erschließen und die jeweiligen Erfahrungen, Sichtweisen und Kompetenzen einzuspeisen. Die abschließende Plenumsrunde greift offene Fragestellungen aus den Workshop-Runden auf und sichtet sie als inhaltliche Grundlage für den sich im Herbst anschließenden Fachtag mit dem Fokus ‚Hochschule‘ am 11.10.2016 und für die Abschlussveranstaltung dieser Reihe am 21.11.2016.

Der Fachtag ‚Fokus Praxis‘ dient der Auseinandersetzung und Verständigung über Grenzen von Einrichtungen und Feldern der Kinder- und Jugendhilfe hinweg. Auch weitere Bereiche der Sozialen Arbeit, die mit der Fragestellung ‚Kinder, Jugendliche und Familien nach der Flucht‘ befasst sind, können wichtige Beiträge hierzu leisten und sind herzlich eingeladen.

Programm Fachtag ‚Fokus Praxis‘
von 9.30 – 17.00 Uhr an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Preysingstraße 83

9.30 Uhr Ankommen Campuskirche
10.00 Uhr Begrüßung und Ergebnisse der Auftaktveranstaltung
Moderatorenteam Prof. Dr. Susanne Nothhafft (KSFH), Prof. Dr. Gerd Stecklina (HM)

10.30 Uhr Fachvorträge
Lebenslagen von jungen Geflüchteten und ihren Familien, NN
Münchner Praxis, Bettina Pereira (Sozialreferat München, Amt für Wohnen und Migration)
Erfahrungsbericht, Hassan Ali Djan

12.30 Uhr Mittagspause

13.30 Uhr Erste Workshop-Runde – Arbeit mit Fallvignetten
die Gruppen sind möglichst vielfältig besetzt

1. Geflüchtete nach der Jugendhilfe
2. begleitete Kinder und Familien in GU/Erstaufnahme
3. Mädchen über 18 Jahre
4. Unbegleitet minderjähriges Mädchen
5. Unbegleitet minderjähriger Junge
6. Familie in einer GU

14.45 Uhr Pause

15.00 Uhr Zweite Workshop-Runde – Arbeit mit Fallvignetten
neue Gruppen werden gebildet, wieder möglichst vielfältig besetzt
Angebote wie Runde 1

16.15 Uhr Plenum – offene Fragen, in der Aula

17.00 Uhr Ende des Fachtags

Weitere Veranstaltungen in der Reihe:
Fachtag ‚Fokus Hochschulen‘ am 11. Oktober 2016
von 15.30 bis 19.00 Uhr an der Hochschule München, Lothstraße 64
Der Fachtag Fokus Hochschulen nimmt die Herausforderungen an die Disziplin und Profession Sozialer Arbeit in den Blick und diskutiert die Dilemmata zwischen Professionsethik und fachlichem Mandat. Auch Fragen zur Hochschulausbildung sowie zu den Fort- und Weiterbildungsbedarfen werden diskutiert.

Abschlussveranstaltung am 21. November 2016
von 15.30 bis 19.00 Uhr an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, Preysingstraße 83
In der Abschlussveranstaltung wird eine Bilanz der Veranstaltungsreihe gezogen: Welche Entwicklungen zeichnen sich 25 Jahre nach Inkrafttreten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes SGB VIII vor Ort in den Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe ab, wie können Hilfestrukturen verstetigt und bewährte Standards fachlichen Handelns gewährleistet werden? Welchen Beitrag zur Qualifizierung des Personals können Hochschulen leisten?

Anmeldung zu den Veranstaltungen:
Die Anmeldung zu den einzelnen Veranstaltungen erfolgt unter flucht_jugendhilfe@hm.edu

IM DIALOG – Koordination:
Hochschule München, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften
Prof. Michael Nitsch
Prof. Dr. Gerd Stecklina
Prof. Dr. Gabriela Zink

Katholische Stiftungsfachhochschule München
Prof. Dr. Peter Lenninger
Prof. Dr. Susanne Nothhafft
Prof. Dr. Andreas Schwarz

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