Die nicht verschwindende Schwindsucht

„Schwindsucht“, so nannte man die Tuberkulose früher, weil die Erkrankten abgemagert und ausgezehrt aussahen. Zum Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Menschen noch ein romantisches Bild von der die Lunge befallenden Krankheit. Sie prägte die Kunst, die bevorzugt schwindsüchtige, blasse, junge Menschen darstellte. Der französische Schriftsteller Alexandre Dumas soll sogar gesagt haben: „Es war Mode, an der Lunge zu leiden“. In Deutschland beschrieb Thomas Mann mit seinem „Zauberberg“ das Leben im Sanatorium als „Maß aller Dinge“.

Doch zwischen 1700 und 1900 starben erschreckend viele Menschen an der Tuberkulose. Weil diese Epidemie einen ähnlichen Schrecken verbreitete wie einige Jahrhunderte zuvor die Pest und die Erkrankten blass erschienen, bezeichnete man die Krankheit auch als „weiße Pest“. Auch nach dem zweiten Weltkrieg wurden in Deutschland Menschen noch massenweise in mobilen Röntgenstationen untersucht – auf den Röntgenbildern erkennen Ärzte die Tuberkulose-Herde der Lunge. Mit Entdeckung der Antibiotika hoffte man, die Tuberkulose besiegt zu haben. Welche Rolle sie in der Vergangenheit spielte, wird Prof. Christoph Gradmann von der University of Oslo berichten, einer von drei Referenten der HZI-Veranstaltung.

Unzureichende Antibiotikabehandlungen hatten zur Folge, dass wir heutzutage mit resistenten Stämmen von Mycobacterium tuberculosis, dem bakteriellen Erreger der Tuberkulose, konfrontiert sind. In Entwicklungsländern hat die Krankheit so stark zugenommen, dass man von einer neuen Epidemie sprechen kann. Die Weltgesundheitsorganisation meldete für das Jahr 2010 fast neun Millionen Neuerkrankungen, die meisten davon in einkommensschwachen Ländern. Erschwerend kommt die erhöhte Anfälligkeit HIV-infizierter Menschen hinzu, an Tuberkulose zu erkranken. Die traurige Folge ist, dass Tuberkulose die Haupttodesursache von HIV-Patienten darstellt. Aber auch in Europa ist die Tuberkulose wieder auf dem Vormarsch. Mehr zur Situation der Tuberkulose in Europa erfahren Sie am 27. Oktober von Prof. Christoph Lange. Lange ist Oberarzt in der Medizinischen Klinik des Forschungszentrums Borstel.

Direktor dieses Forschungszentrums, das 1947 als Tuberkulose-Institut gegründet wurde, ist Prof. Stefan Ehlers. Er wird auf der HZI-Veranstaltung Einblicke in die Grundlagenforschung geben, in die viel Hoffnung gesetzt wird: Die Tuberkulose zu besiegen erfordert neben dem Kampf gegen AIDS und Armut vor allem bessere Diagnosemöglichkeiten, Impfstoffe und Medikamente.

Im Anschluss an die Vorträge lädt eine moderierte Diskussionsrunde zu Zuschauer-Fragen ein. Beginn ist um 10:30 Uhr im Forum des HZI in Braunschweig. Die Vortragsreihe „KrankheitsErregend – Die großen Seuchen“ wird mit den Themen Grippe (10.11.) und AIDS (24.11.) fortgesetzt. Weitere Informationen finden Sie unter .

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern.

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