Die Natur kann genauso erfolgreich sein wie gedüngte Monokulturen – Interview zum Jena-Experiment

Die wichtigsten Botschaften: Knapp die Hälfte der Prozesse im Ökosystem sei von Biodiversität abhängig, aber nicht alle. Das bedeutet, dass die Annahme, dass Biodiversitätsmaximierung auch die Ökosystemleistungen maximiert, nicht grundsätzlich stimmt. Die Produktivität erhöht sich allerdings tatsächlich mit der Artenzahl. „Wenn also ein Landwirt bestimmte Arten fördert und düngt, ist er im Durchschnitt betrachtet folglich nicht erfolgreicher als die Natur“, sagt Weisser, der von 2002 bis 2015 Sprecher des Projektes war. Eine hohe Artenvielfalt ergäbe auf Dauer gesehen auch stabilere Erträge, da von verschiedenen Umweltbedingungen unterschiedliche Arten profitierten.
Außerdem wurde deutlich, dass die Effekte der Biodiversität – und auch ihres Verlustes – verzögert einträten. Die Verarmung in intensiv bewirtschafteten Monokulturen würde entsprechend auch zeitversetzt sichtbar.

„Wir sind der Meinung, dass einige Erkenntnisse von besonderer Wichtigkeit für agrarpolitische Entscheidungen sind“, sagt der neue Projektsprecher Nico Eisenhauer, Professor für Experimentelle Interaktionsökologie an der Universität Leipzig und am Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). So konnten die Forschenden zeigen, dass die Erhaltung von Pflanzenartenvielfalt die Vielfalt von wirbellosen Tieren positiv beeinflusst, und damit wichtige Ökosystemdienstleitungen wie z.B. Bestäubung, Kontrolle von Pflanzenschädlingen, Infiltration von Wasser in den Boden, Erosionsschutz und Kohlenstoffspeicherung im Boden.

Die Experimente beschränkten sich zwar ausschließlich auf Grasgemeinschaften, gelten aber nicht unbedingt nur dafür. „Grünland ist für uns ein Modellsystem, wie die Taufliege Drosophila in der Genetik“, meint Wolfgang Weisser. „Die Ergebnisse sollten für Ökosysteme allgemein gelten“.

Doch noch sind die Mechanismen, die dem positiven Zusammenhang zwischen Artenvielfalt und Ökosystemfunktionen zugrunde liegen, kaum verstanden. Ziel der kommenden Förderphase soll sein, Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Artengruppen, bspw. Pflanzen und Bodenfauna, besser verstehen, meint Nico Eisenhauer.

Zum NeFo-Interview http://www.biodiversity.de/produkte/interviews/jena-experiment-weisser-eisenhauer

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