Die Methodenkompetenz der Medizinstudierenden

Die moderne medizinische Forschung muss wegen immer spezifischeren Fragestellungen und einer zunehmenden Komplexität immer mehr Informationen verarbeiten. Viele Forschungsvorhaben sind aufgrund von seltenen Ereignissen oder unterschiedlicher Methodenkompetenz nur im Verbund möglich. „Dies setzt eine gut geplante Infrastruktur voraus, die ohne Methoden der Medizinischen Informatik nicht möglich ist“, so Dr. Rolf-Hasso Bödeker, stellvertretender Leiter des Instituts für Medizinische Informatik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Als Leiter der AG Medizinische Statistik liegt ihm die Methodenkompetenz der Medizinstudierenden besonders am Herzen: „Spätestens in der Doktorarbeit benötigen die Studierenden Fähigkeiten im Umgang mit der medizininformatischen Forschungsinfrastruktur.“

Hinzu kommt die Relevanz für die spätere klinische Tätigkeit: „Es ist wichtig, dass sich die Studierenden nicht nur mit den Ergebnissen der Forschung auseinander setzen“, so Bödeker. „Um Ergebnisse bewerten und einordnen zu können, müssen sie verstehen, wie diese entstanden sind.“ Diese Kompetenzen werden im Medizinstudium an der JLU in den Veranstaltungen des Querschnittsbereichs 1 „Epidemiologie, medizinische Biometrie und medizinische Informatik“ vermittelt. Eine dieser Vorlesungen hält Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung und ehemaliger Student und Doktorand des Fachbereichs 11 – Medizin. Am Freitag, 9. Dezember 2011, spricht er um 13.15 Uhr im Hörsaal neue Chirurgie (Rudolf-Buchheim-Straße 7, 35392 Gießen) über „Medizinische Informatik in der medizinischen Forschung“.

Die Zusage, diese Vorlesung an seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu halten, fiel Dr. Braun leicht. Nicht nur, weil der Ausbau und die Weiterentwicklung der Forschungsinfrastruktur in Deutschland ist eine der zentralen Aufgaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sind, sondern auch in Erinnerung an seinen eigenen wissenschaftlichen Weg: „In meiner Promotionsarbeit habe ich über 28.000 Anästhesieprotokolle analysiert. Dies wäre ohne den Einsatz von IT nicht möglich gewesen“, so Dr. Braun. Auch danach blieb er wissenschaftlich tätig und arbeitete an verschiedenen Projekten der Sektion Medizinische Informatik in Anästhesie und Intensivmedizin mit. So lernte er den Umfang und die Komplexität der modernen Forschung, aber auch die Medizininformatischen Methoden und vor allem die Infrastrukturmaßnahmen des BMBF wie die „Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung“ (TMF) bereits vor seiner dortigen Tätigkeit als Wissenschaftler kennen.

Daher freut Dr. Braun sich auf die Aufgabe, sein Wissen und seine Erfahrungen – ergänzt durch die Perspektive aus dem BMBF – den Studierenden an der JLU vermitteln zu können. „Gießen ist ein bedeutender Ort für die Medizinische Informatik in der Forschung“, so Dr. Braun. „Vor 20 Jahren hat Prof. Dudeck das Gießener Tumordokumentationssystem (GTDS) geschaffen, ein Meilenstein in der Entwicklung der Tumorregister, welches heute weiter verbreitet ist denn je. Früher habe ich hier in der Vorlesung gesessen, heute darf ich diese selber halten.“

Auch die Universität freut sich über die neue Zusammenarbeit: „Die Medizinische Informatik ist eine der Schlüsselmethoden für die moderne medizinische Forschung“, sagt Studiendekan Prof. Dr. Joachim Kreuder. „Daher sind wir froh, den Studierenden durch das Engagement von Herrn Dr. Braun eine Vorlesung über die aktuelle und zukünftige Infrastruktur aus erster Hand bieten zu können.“

Termin:
Freitag, 9. Dezember 2011, 13.15 Uhr
Ort: Hörsaal neue Chirurgie, Rudolf-Buchheim-Straße 7, 35392 Gießen

Kontakt:
Dr. Rainer Röhrig
Leiter der Sektion Medizinische Informatik in Anaesthesiologie und Intensivmedizin
Klinik für Anaesthesiologie, Intensivmedizin, Schmerztherapie
Rudolf-Buchheim-Straße 7, 35392 Gießen
Telefon: 0641985-44494

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