Die meisten Meetings sind Leer-Container

Meetings mit Vorteilen
Der Nutzen von Praxisbesprechungen ist vielfältig. Im Vordergrund stehen vor allem Informationsaustausch und Koordination. Derartige Meetings schaffen – professionell umgesetzt – Transparenz, geben Orientierung, binden alle Praxis-Mitarbeiter ein und motivieren. Diese Effekte steigern wiederum Funktionalität, Produktivität und Erfolg. Aber wie gut erfüllt dieses Instrument im Praxisalltag seine Ziele wirklich?
 Klaus-Dieter Thill, Leiter des Instituts für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) ging dieser Frage nach.

Besprechungsqualität ist messbar
Großpraxen und Ärztezentren mit vielköpfigem Mitarbeiterstamm sind in besonderem Masse auf gute Besprechungen angewiesen. Für eine Exploration der Besprechungsqualität in diesen Praxis-Betriebstypen wurde ein einfaches Bewertungssystem – Meet&Rate – entwickelt, mit dessen Hilfe Besprechungsteilnehmer ihre Eindrücke dokumentieren und quantifizieren können. Die Ergebnisse zeigen insgesamt einen deutlichen Optimierungsbedarf, denn nach der Meet&Rate-Klassifikation (Abb.: : http://bit.ly/1ignRWh ) fallen die meisten Besprechungen in die Kategorie „Leer-Container“. Und das sind die Gründe hierfür:

Ärzte und Mitarbeiterinnen kommen zu abweichenden Beurteilungen
Zwischen Ärzten und Medizinischen Fachangestellten existiert eine deutliche Abweichung der Einschätzungen zur Meeting-Qualität. Ärzte sind in der Regel mit den Ergebnissen überaus zufrieden, die Mitarbeiterinnen jedoch nicht. Die Anforderungen der Angestellten sind dabei sehr homogen und gleichgerichtet: sie wünschen sich vor allem Lösungen für ihre täglichen Probleme.
Die Kritikpunkte der Medizinischen Fachangestellten
Die unberücksichtigten Anforderungen der Mitarbeiterinnen sind in den meisten Praxen fast identisch:
– die für sie relevanten Themen werden zu wenig berücksichtigt,
– die Ärzte sorgen nicht für ein Diskussionsgleichgewicht, denn es fehlt an jeglicher Reglementierung dominanterer Mitarbeiterinnen,
– man kommt kaum zu verbindlichen Vereinbarungen,
– die Treffen sind nur gering oder gar nicht strukturiert,
– die spätere Nachvollziehbarkeit ist meist nicht gewährleistet, da keine Protokolle erstellt werden oder diese inhaltlich nur wenig Substanz bieten,
– besprochene Projekte oder Beschlüsse werden in ihrer Umsetzung und Eignung nicht nachverfolgt,
– der für die Besprechungen zur Verfügung stehende Zeitrahmen und der Gesprächsbedarf sind nicht aufeinander abgestimmt, es geht den Ärzten – so die Mitarbeiterinnen – meist nur darum, möglichst schnell zum Ende zu gelangen,
– die Fachangestellten beklagen eine monologisierende Dominanz der Ärzte statt kreativem Dialog,
– die Besprechungen von Fehlern oder Problemen werden als Negativ-Diskussionen mit Schuldzuweisungen geführt, nicht als positiver Lösungsprozess.
– Zeitverschwendende Pflichtübungen

Besprechungen sind für die meisten MFA, aber auch für die Ärzte oftmals lästige Pflichtübungen. Dadurch wird die erfolgssteigernde Wirkung von Besprechungen nicht genutzt, eine Situation, die mit einfachen Mitteln veränderbar wäre.

Quelle: http://bit.ly/1ignRWh

Scroll to Top