Die Mär vom Gefäßkiller Cholesterin

Jena. Cholesterin gilt als Gefäßkiller, hohe Blutcholesterinwerte werden daher als gefährliche Bedrohung der Gesundheit angesehen. In diesem Zusammenhang sind auch viele Lebensmittel in den Verdacht geraten, hohes Cholesterin und damit Gefäßerkrankungen bis zum Herzinfarkt auszulösen.
Eigelb und Schnitzel sind inzwischen teilweise rehabilitiert worden. Aber die Überzeugung, Cholesterin würde Arterienverkalkung verursachen, hält sich hartnäckig und verunsichert viele Menschen. „Die Gefährlichkeit von Cholesterin im Blut als alleinige Ursache der Arteriosklerose wird überschätzt“, ist Prof. Ulrich Alfons Müller, Leiter des Funktionsbereichs Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Klinik für Innere Medizin III am Universitätsklinikum Jena, überzeugt. „Inzwischen haben viele Studien gezeigt, dass die seit Jahren geltende Meinung vermutlich überprüft werden muss“, so der Experte. Was dies genau bedeutet, und welche Folgen das für jeden einzelnen hat, der sich um seinen Cholesterinwert Sorgen macht, erklärt Prof. Müller am 28. Juli in der Jenaer Abendvorlesung am Universitätsklinikum Jena, der Vortragsreihe der GesundheitsUni Jena in Zusammenarbeit mit dem Förderverein des UKJ. Dabei räumt er mit vielen gängigen Überzeugungen auf, und hinterfragt auch die Aussagekraft der Cholesterinwerte überhaupt.
„Wir wissen heute, dass sich aus der Höhe des Cholesterinwertes im Blut nicht ablesen lässt, ob für den Patienten ein gesteigertes Risiko einer Gefäßerkrankung besteht oder nicht“, so Müller. Zwar schützen die als Statine bekannten cholesterinsenkenden Medikamente vor Arteriosklerose, aber nicht durch die Absenkung des Cholesterins, sondern vermutlich primär durch entzündungshemmende Effekte. Auch der Glaube, dass wir durch unser Essen diesen Wert beeinflussen können, sei falsch. „Zuviel gegessenes Cholesterin wird normalerweise wieder ausgeschieden“, beschreibt Prof. Müller die Zusammenhänge, „das Cholesterin im Blut wird dadurch nicht beeinflusst“. Allerdings können Nahrungsmittel mit hohem Cholesteringehalt über eine erhöhte Energiedichte zu Übergewicht führen, dass wiederum bei extremer Ausprägung über unterschiedliche Mechanismen gefäßschädigend wirken kann.
Diese und weitere Erkenntnisse sind Thema des Vortrags, der am 28. Juli um 19.00 Uhr im gut klimatisierten Hörsaal im Klinikum in Lobeda stattfindet und zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind. Wie immer steht der Referent im Anschluss für Fragen und Diskussionen bei einem kleinen Imbiss zur Verfügung.

Terminhinweis:
„Cholesterin im Essen – Ursache für Arterienverkalkung?“
Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller, Leiter des Fachbereichs Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Universitätsklinikum Jena
Abendvorlesung der GesundheitsUni Jena und des Fördervereins des UKJ
Termin: 28. Juli, 19.00 Uhr,
Ort: Hörsaal 1, Universitätsklinikum Jena-Lobeda, Erlanger Allee 101

Kontakt:
Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller
Leiter des Fachbereiches Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/93 48 40
E-Mail: UA.Mueller@med.uni-jena.de
(idw, 07/2010)

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