Die Knochen richtig stärken

Von dtd-Korrespondentin Paula Schmidt

(dtd). Brüchige Knochen – das ist doch nur ein Problem für ältere Leute? Von wegen: Der Grundstein für Osteoporose oft schon in der Kindheit gelegt und vielfach zu spät erkannt. So kommt es, dass nach Schätzungen des Deutschen Orthopäden-Verbandes rund acht Millionen Menschen allein in Deutschland sich schon bei kleinsten Bewegungen, etwa beim Niesen, eine Rippe brechen können.

Knochen sind nicht nur harte, sondern auch sensible Gebilde: Für ihren täglichen Stoffwechsel benötigen sie zum Beispiel Calcium und Vitamin D. Wenn diese Bedürfnisse ignoriert, schwindet mit der Zeit die Knochenmasse – sogar schon bei Kindern. Nikotin und Alkohol, Untergewicht, chronische Erkrankungen und Hormonmangel beeinflussen die Knochen zusätzlich negativ. „Sie verlieren im Inneren an Struktur, die Wirbelsäule sackt zusammen und der Rücken rundet sich“, beschreibt Prof. Johann Ringe vom Westdeutschen Osteoporosezentrum am Klinikum Leverkusen die typische Entwicklung.

Kinder sollen viel toben

Doch man kann der tückischen Krankheit vorbeugen: Wer sich darum kümmert, dass seine Knochen stets richtig „ernährt“ und ausreichend belastet werden, sorgt am besten dafür, dass er keine Osteoporose bekommt – darin sind sich Experten einig. „Es gilt zu verhindern, dass sich der Körper entmineralisiert. Das geschieht häufig durch Stress, falsche Ernährung und zu wenig Bewegung“, sagt Osteopathin Petra Kupsch. Eltern sollten also darauf achten, dass ihre Kinder viel an der frischen Luft unterwegs sind und toben dürfen. Denn durch die Bewegung werden die Mineralien in den Knochen eingebaut – wer das als Kind gelernt hat, hat auch als Erwachsener keine Schwierigkeiten. Vor allem der Nachwuchs soll viel trinken: „Wasser fungiert wie ein Transportmittel für die Mineralien.“

Die Rolle von Broccoli und Co.

Ernährungsberater weisen auf die wichtige Rolle hin, die Kalzium und Laktose aus Milch zukommt. Außerdem kann man sich über kalziumreiches Wasser sowie Gemüse wie Broccoli versorgen und sollte reichlich mit Petersilie würzen, um Mangelerscheinungen zu verhindern. Menschen, die sich eiweißreich ernähren, scheiden laut Experten mehr Kalzium aus und müssen eine entsprechende Menge davon aufnehmen. Auch Vitamin D hat eine große Bedeutung: Die Haut bildet es, wenn sie vom UV-Licht der Sonne bestrahlt wird, und der Knochen braucht es, um Kalzium besser verarbeiten zu können. „Stubenhocker und ältere Leute, deren Haut das Vitamin nicht mehr so gut speichert, sind meist völlig unterversorgt“, sagt die Ärztin Dr. Jutta Semler, die eine Nationale Initiative gegen Osteoporose (NIO) koordiniert. Statt Tabletten, die erst in einem späten Stadium sinnvoll sein können, empfiehlt sie zunächst ausgiebige Spaziergänge und knochenfreundliche Kost. Dazu zählt etwa zwei Mal pro Woche Seefisch mit gesunden Omega-3-Fettsäuren. In dem Buch „Gesund essen bei Osteoporose“, bei dem Dr. Semler Co-Autorin ist, finden sich passende Rezepte vom Käseschnitzel mit Feigen bis zum Gemüse-Quarkkuchen.

Belastung ist nicht belastend

Die Knochen zu schonen – das ist laut den Knochenexperten, den Osteopathen, genau der falsche Weg, um etwas gegen Osteoporose zu tun. Denn erst durch die Belastung werden die Knochen fester, stabiler und größer. Das liegt an den Druck- und Zugbewegungen, die die Muskeln ausüben. Spezialisten raten, bei solchen Bewegungen gegen die Schwerkraft zu arbeiten, um die Muskulatur zu trainieren. Joggen und Walken werden als passende Sportarten empfohlen. Der Hintergrund: Dabei landet man mit dem Dreifachen seines Körpergewichts auf seinen Füßen – und genau diese Belastung brauchen die Knochen. Welche Belastung die richtige ist, hängt allerdings wesentlich von der Lebensphase und dem persönlichen Fitness-Level ab: Ist man recht entkräftet, sollte man sich mit seinem Arzt beraten und erst einmal langsam Muskeln durch Schwimmen aufbauen, bevor andere Übungen folgen. Wer sich relativ fit fühlt, kann durch Wirbelsäulentraining im Fitness-Studio oder Training mit dem Flexibar (einer Balancierstange mit Gewichten) seinen Körper ausbalancieren und die Rezeptoren der Halte-Muskulatur aktivieren.

So macht sich die Krankheit bemerkbar

(dtd). Osteoporose bleibt häufig zunächst unbemerkt, weil die Knochen schleichend und unbemerkt ihre Substanz abbauen. Vor allem Frauen, deren Körper in den Wechseljahren zu wenig knochenschützendes Östrogen produziert, sind betroffen. Manche bemerken die Erkrankung erst, wenn sie eine Faltenbildung in Form eines Tannenbaums am Rückgrat entdecken. Oder wenn sich der Oberkörper verkürzt und die Kleider deshalb nicht mehr passen. Doch auch die Knochenmikrostruktur bei Männern reagiert empfindlich: Zigaretten und Alkohol, Untergewicht, chronische Erkrankungen und Hormonmangel sind wichtige Auslöser. Bis man sich schon bei harmlosen Bewegungen im Alltag die Knochen bricht, sollte man allerdings nicht warten: Eine Knochendichtemessung, etwa mit niedrig dosierten Röntgenstrahlen (DXA-Untersuchung) bringt nach ersten Verdachtsmomenten Klarheit darüber, ob man betroffen ist. Die Kasse zahlt eine solche Untersuchung allerdings erst, wenn man sich ohne offensichtlichen Grund Wirbelkörper oder andere Knochen gebrochen hat und der Arzt gleichzeitig weitere Anzeichen für Osteoporose feststellt. Wer privat bezahlt, legt dafür zwischen 20 und 40 Euro dafür auf den Tisch.

Osteoporose behandeln

(dtd). Alles, was fürs Vorbeugen gegen Osteoporose gilt, ist auch für ihre Behandlung richtig. Eine besondere Osteoporose-Diät gibt es aus Sicht von Ernährungsspezialisten nicht. Allerdings sorgen Vitamin D und Kalzium dafür, dass sich die Knochen langsamer abbauen. Den Lebensstil kontrolliert verändern, sich mehr bewegen – das ist das Credo von Osteologin Dr. Jutta Semler. Zu einer wirksamen Behandlung gehört auch ein Training der Muskelkraft und Muskelleistung. Dr. Semler: „Wenn dann nach einem Jahr die Werte dennoch weiter fallen, muss eine ergänzende Behandlung in die Wege geleitet werden – zum Beispiel durch Bisphosphonate. Das sind Substanzen, die den Knochenabbau aufhalten können.“ Bei Patienten mit empfindlichem Magen kann eine Infusion mit der Substanz Zoledronsäure sinnvoll sein, die allerdings von den Kassen oft ungern finanziert wird. Eine Alternative: vierteljährliche Spritzen in die Venen. Prof. Johann Ringe vom Westdeutschen Osteoporosezentrum am Klinikum Leverkusen nennt weitere neue Medikamente: „Pulverförmiges Strontiumranelat hat eine doppelte Funktion, es stimuliert den Knochenaufbau und hemmt den Abbau. Man nimmt es abends als Pulver in Wasser aufgelöst ein. Parathormonpeptid hingegen baut den Knochen auf, und der Patient kann es sich vergleichbar dem Insulin mit einem Pen täglich selbst spritzen.“

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