Die Crux mit der Weiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie

Denn immer weniger Ärzte lernen in ihrer Weiterbildung zum Facharzt das gesamte konservative und operative Spektrum von Orthopädie und Unfallchirurgie (O und U) kennen. Um die Versorgung in Zukunft sicherzustellen, seien neue Weiterbildungskonzepte wie Rotationsmodelle, innovative Simulationsverfahren – etwa aus Virtual und Augmented Reality – aber auch eine flächendeckende Finanzierung der Weiterbildung notwendig.

Immer weniger der derzeit rund 5.300 Nachwuchsmediziner in Orthopädie und Unfallchirurgie (O und U) erhalten in den sechs Jahren bis zum Facharzt eine breite Weiterbildung über die gesamte konservative und operative Medizin hinweg – und damit die Kompetenz, die wichtigsten Beschwerdebilder umfassend zu diagnostizieren und zu behandeln.

Jungmediziner unter massivem Druck: Zu viel Wissen und Fertigkeiten in zu wenig Zeit
„Zum einen liegt das an der Zusammenführung der Fächer Orthopädie und Unfallchirurgie vor 16 Jahren. Der Lehrinhalt ist dadurch um 60 Prozent angestiegen – die Weiterbildungszeit ist jedoch gleichgeblieben“, erklärt DKOU-Kongresspräsident Professor Dr. med. Carsten Perka und Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin. Um die Inhalte in einer sechsjährigen Weiterbildung ausreichend zu erlernen, ist eine wöchentliche Arbeitszeit von 80 bis 100 Stunden erforderlich, zeigt eine amerikanische Studie. „Dies sprengt natürlich deutlich die Vorgaben des Arbeitsschutzgesetzes in Deutschland von maximal 48 Stunden“, so Perka.

Weiterbildung ist ein Verlustgeschäft für Kliniken und Praxen
Aber auch ökonomische Zwänge führen dazu, dass immer weniger weitergebildet wird: „Deutschland ist eines der wenigen Industrieländer, in denen Weiterbildung in der Medizin nicht bezahlt wird“, kritisiert Perka. „Dabei kostet eine sorgfältige Anleitung viel Zeit und Geld.“ So sei es etwa sehr zeitaufwändig, einem Anfänger das Operieren beizubringen. „Das geht nur eins zu eins – und danach fehlt die investierte Zeit für das reguläre Tagesprogramm.“ Dies bestätigt auch DKOU-Kongresspräsident Dr. med. Thomas Möller, der als niedergelassener Orthopäde und Unfallchirurg in Speyer tätig ist. „Wenn ich weiterbilde, verliere ich Geld, weil ich dann weniger Patienten behandeln kann.“
„Die Facharztweiterbildung in O und U muss entlohnt werden“, mahnen deshalb Perka und Möller. In Kliniken sollte sie ein fester Bestandteil des Fallpauschalen-Systems (DRGs) sein, in der Praxis – sowie im Rehabereich, einer weiteren möglichen Weiterbildungsstation –, wo es keine DRGs gibt, müsste sie extra vergütet werden. In der Allgemeinmedizin ist in der Niederlassung eine Vergütung für den Weiterbildungsaufwand bereits üblich.

Das kleine Einmaleins in O und U kommt oft zu kurz
Ein weiterer Aspekt: Da sich rund 90 Prozent der Nachwuchsmediziner in Kliniken weiterbilden, erhalten sie meist einen einseitigen, nämlich operativ dominierten Blick auf O und U: Denn operative Maßnahmen – und im Fall von Maximalversorgern meist sehr komplexe Eingriffe, etwa Schwerverletztenversorgung – stehen hier im Fokus. „Doch gerade die besonders schwierigen Eingriffe sind selten für die praktische Weiterbildung geeignet“, gibt Professor Dr. med. Paul Alfred Grützner, Kongresspräsident des DKOU 2019 und Ärztlicher Direktor der BG-Klinik Ludwigshafen, zu bedenken. Zudem bildet ein Schwerpunkt beim Operieren nicht die tatsächliche Versorgungsrealität ab: Etwa 37 Millionen Patienten werden jährlich wegen Muskel-Skelett- oder Bindegewebserkrankungen im ambulanten Sektor behandelt. „Langfristig kann eine hauptsächlich in der Klinik erfolgte Weiterbildung dazu führen, dass Orthopäden und Unfallchirurgen schlechter für die dort durchgeführten, überwiegend ambulanten und kleineren Eingriffe vorbereitet sind“, erklärt Grützner.
Darüber hinaus komme aufgrund des ökonomisch gewollten Trends zur Spezialisierung in vielen Klinken die gesamtheitliche Beurteilung des Patienten mitunter zu kurz. „Eine hohe Spezialisierung auf bestimmte Eingriffe kann zu einer isolierten Betrachtung eines Gelenks oder einer Körperregion führen“, so Perka. „Um die Weiterbildung wieder näher an die ambulante Versorgung zu knüpfen, wäre ein Rotationssystem sinnvoll, in dem auch feste Zeiten in der ambulanten Praxis vorgesehen sind“, sagt Möller.

Gute Weiterbildung ist Investition in Zukunft
Insbesondere mit Blick auf die steigenden Erkrankungszahlen in O und U hierzulande, dürfe Weiterbildung nicht nur ein Nebenprodukt des Klinikalltags sein, sondern müsse als gesundheitspolitisches Zukunftsprojekt erkannt werden, in das es zu investieren lohne, betonen die Kongresspräsidenten des DKOU. Die Facharztausbildung sei auch eine Stellschraube, um wieder mehr wissenschaftliche Exzellenz und internationale Konkurrenzfähigkeit für das Fach zu generieren und nicht zuletzt wieder mehr Nachwuchs zu gewinnen, fügt Grützner hinzu. Einen Lichtblick gebe es, begrüßt Möller: „Seit April vergütet die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in der Pfalz die Weiterbildung in der Praxis mit 2400 Euro brutto pro Monat.“ Doch dies müsse nun flächendeckend umgesetzt werden, sonst sei es lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Auf der Pressekonferenz des DKOU am 22. Oktober 2019 diskutieren Experten die aktuelle Situation der Weiterbildung in O und U und stellen Lösungsansätze vor, wie die künftige Versorgung mittels gut ausgebildeter Fachärzte sichergestellt werden kann. Zudem präsentieren sie innovative Weiterbildungskonzepte – etwa einen dem Flugsimulator nachempfundenen „Fraktursimulator“. Dessen Funktionalität wird darüber hinaus auf dem Kongress im Wetlab der TraumaAcademy vorgestellt und gezeigt, welche Versorgungsschritte die Nachwuchsmediziner dabei durchlaufen.

Der DKOU 2019 findet vom 22. bis 25. Oktober 2019 auf dem Messegelände Süd in Berlin statt. Die Anmeldung ist im Internet unter https://dkou.org/registrierung/ möglich. Unter http://dkou.org/webcasts können Interessenten alle Vorträge aus dem Festsaal außerdem live verfolgen. Nähere Informationen sind bei Intercongress GmbH, Friedrichstraße 6, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611 977-160, dkou@intercongress.de erhältlich. Journalisten akkreditieren sich über liebendoerfer@medizinkommunikation.org.

******Abdruck erwünscht – Beleg erbeten******

Quellen:

Ansorg et al, Der Chirurg 2006 Cerwenka et al., Langenbecks Arch Surg 2009, Hartmann-Bund-Studie 2018/2019 (59% über 50h/Wo), Marburger-Bund-Umfrage 2013 (74%>49h/wo)

Merschin, D., Münzberg, M., Stange, R., Schüttrumpf, J., Perl, M., Mutschler, M., Junges Forum O & U. (2014). Der klinische Alltag in Orthopädie und Unfallchirurgie – Ergebnisse einer nationalen Umfrage unter Assistenzärzten in O und U. Zeitschrift Für Orthopädie Und Unfallchirurgie, 152(05), 440–445.

Zahlen der KBV, http://www.kbv.de/media/sp/Infografik_KBV_Krankheiten.jpg

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Terminhinweis:

Sitzung auf dem DKOU:
Revolution in der Weiterbildung O&U?!
24. Oktober 2019, 14.30 bis 16.00 Uhr
Ort: Raum Budapest 2, Messe Berlin

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Kongress-Pressekonferenzen:
Dienstag, 22.10.2019, 11 bis 12 Uhr
und
Mittwoch, 23. Oktober 2019, 11 bis 12 Uhr
Ort: Messegelände Süd in Berlin, Eingang Süd, Halle 6.3, Raum 411

Kongress-Pressekonferenz zum DKOU 2019
Ist eine gute Versorgung in O&U morgen noch sicher?

Termin: Dienstag, 22. Oktober 2019, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Messe Berlin, Eingang Süd, Halle 6.3, Raum 411

Vorläufige Themen und Referenten:

O&U in Zeiten von Kostendruck, Bürokratie und Arbeitsüberlastung: Wie können wir die Ärzte von morgen noch ausbilden?
Professor Dr. med. Paul Alfred Grützner
Kongresspräsident DKOU 2019, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Ärztlicher Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie.

Wie gut können wir Weiterbildung erbringen, wenn sie nicht bezahlt wird?
Professor Dr. med. Carsten Perka
Kongresspräsident DKOU 2019, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin

Was konservative Medizin in O&U heute leisten kann und was wir dafür tun müssen, damit bestehendes Wissen nicht verloren geht.
Dr. med. Thomas Möller
Kongresspräsident DKOU 2019 des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), niedergelassener Orthopäde und Unfallchirurg am Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie in Speyer

Mehr Ärzte denn je: Wieso haben wir trotzdem einen Ärztemangel?
Professor Dr. med. Bernd Kladny
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie an der Fachklinik Herzogenaurach

Zwischen Arbeitszeitverdichtung und dem Wunsch nach Work-Life-Balance: Was brauchen junge Ärztinnen und Ärzte in O&U?
Dr. med. Anna-Katharina Doepfer
Ehemalige stellvertretende Leiterin des Jungen Forums O&U, Fachärztin für Orthopädie & Unfallchirurgie und Kinderorthopädie, Praxisinhaberin OrthoGroup, Hamburg

Neue Wege in der Weiterbildung: Flugsimulator für Chirurgen – Sicherheit für den Patienten
Dr. med. Matthias Münzberg
Leiter des Bildungsausschusses der DGU
Leiter Bereich Medizin BG Kliniken Ludwigshafen und Tübingen gGmbH
Leiter Centrum für interdisziplinäre Rettungs- und Notfallmedizin (CiRN)

Moderation: Pressestelle DKOU 2019, Stuttgart

Kongress-Pressekonferenz zum DKOU 2019
Notfallbehandlung in Not

Termin: Mittwoch, 23. Oktober 2019, 11.00 bis 12.00 Uhr
Ort: Messe Berlin, Eingang Süd, Halle 6.3, Raum 411

Vorläufige Themen und Referenten:

Endlose Wartezeiten, überlastete Ärzte, Doppelbehandlungen – Die Crux mit den Notfällen: Konzepte für eine bessere Versorgung
Professor Dr. med. Paul Alfred Grützner
Kongresspräsident DKOU 2019, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Ärztlicher Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie

Ausfall geplanter OPs, höhere Behandlungskosten, Ärztefrust: Wie die aktuelle Notfallsituation Kliniken und reguläre Patienten benachteiligt
Professor Dr. med. Carsten Perka
Kongresspräsident DKOU 2019, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin

Wenn der Notfall kein Notfall ist – Mit welchen Beschwerden kommen Menschen in die Notaufnahme und welche Rolle sollten Ärzte für O&U bei der Versorgung spielen?
Dr. med. Johannes Flechtenmacher
Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Osteologie, Chirotherapie, Physikalische Therapie, Rehabilitationswesen; Ortho-Zentrum Karlsruhe

Sprunggelenkverletzungen – Warum sind sie so häufig? Wie werden sie optimal behandelt und sind sie vermeidbar?
Professor Dr. med. Benita Kuni
Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Durchgangsärztin, Ortho-Zentrum Karlsruhe

Moderation: Pressestelle DKOU 2019, Stuttgart

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Patiententag im Rahmen des DKOU 2019
Donnerstag, 24. Oktober 2019, 18.00 bis 20.30 Uhr
Ort: Berlin Messe Süd, Großer Saal
Information und Anmeldung: Daniela Beyer, Tel. 32 290 29 23, beyer@rheuma-liga-berlin.de

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Highlight-Veranstaltungen:

Mi., 23.10.2019, 15:00 bis 16:30 Uhr, Junges Forum: Wissen & Werte – Auf welche Soft Skills kommt es an?
Mi., 23.10.2019, 17:00 bis 18:30 Uhr, Junges Forum: Science Slam – Wissenschaft neu präsentiert
Do., 24.10.19, 11:00 bis 12:30 Uhr: Zukunft O und U
Do., 24.10.19; 13:00 bis 14:30 Uhr: Pauwels-Vorlesung „Form follows function“ mit Dr. Daniel J. Berry MD, Mayo Clinic, Orthopedic Surgeon, Chair, Minnesota, USA und Mitja Borkert, Lamborghini Chefdesigner, Sant’Agata Bolognese, Italien

Kongresspräsidenten DKOU 2019:
Professor Dr. med. Paul Alfred Grützner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) sowie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Ärztlicher Direktor der BG Klinik Ludwigshafen und Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie
Dr. med. Thomas Möller, Kongresspräsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), niedergelassener Orthopäde am Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie in Speyer
Professor Dr. med. Carsten Perka, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädischer Chirurgie (DGOOC) und stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie an der Charité Berlin

Kongressveranstalter:
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC)
Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)

Kongress-Schwerpunktthemen:
Diagnostik und bildgebende Verfahren
Wirbelsäule und Schmerz
Arthrose
Integrierte Versorgung und Innovationen
Endoprothetik
Gelenkverletzungen
Alterstraumatologie und -orthopädie
Traumamanagement
Komplikationen und Komorbiditäten

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Pressekontakt/Akkreditierung:
Pressestelle DKOU 2019
Anne-Katrin Döbler, Dr. Adelheid Liebendörfer, Christina Seddig, Heinke Schöffmann
Postfach 20 11 30; 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-173; Fax: 0711 8931-167
E-Mail: schoeffmann@medizinkommunikation.org
http://www.dkou.org
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Falls Sie keine Informationen zur Tagung DKOU 2019 mehr wünschen, senden Sie bitte eine E-Mail an: schoeffmann@medizinkommunikation.org.

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