diabetesDE ruft zum Protest auf: Kinder mit Diabetes müssen weiterhin alle Insuline erhalten

Rund 25 000 Kinder und Jugendliche bis zum 19. Lebensjahr leben in Deutschland. "Mehr als die Hälfte davon nutzt auch kurz wirksame Insulinanaloga", sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE und Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. "Fallen die Insuline aus der Erstattung müssen Eltern diese privat bezahlen oder die Kinder müssen von ihrem Diabetes-Team neu eingestellt werden." Die erste Alternative ist für die meisten Familien nicht bezahlbar. Kinder auf eine neue Diabetes-Therapie einzustellen, ist häufig mit Komplikationen verbunden. Insbesondere Kinder mit einer Insulinpumpentherapie, bei der das Insulin auf Knopfdruck mehrfach täglich bedarfsgerecht abgegeben wird, nutzen kurzwirksame Insulinanaloga für eine flexible, dem Kinderalltag angepasste Insulingabe.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) entschied bereits im Mai 2008, dass die Umstellung auf andere Insuline unzumutbar für die erkrankten Kinder und ihre Familien sei. Es widersprach damit teilweise einem Beschluss des G-BA. Deshalb erhalten bisher Kinder und Jugendliche weiterhin alle Insuline. Der G-BA stellt nun in seinem Stellungnahmeverfahren fest, dass die Beanstandung des BMG unbegründet sei und fordert, auch Kindern und Jugendlichen die kurz wirksamen Insulinanaloga nicht mehr zu erstatten, solange diese teuerer als Humaninsulin sind.

Nach Meinung der Betroffenen und zahlreicher Diabetes-Experten zahlt sich die bisherige Therapievielfalt aus: In den letzten 15 Jahren habe sich der Stoffwechsel bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes Typ 1 messbar verbessert, betonte die Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD) zuletzt in einer Stellungnahme im Juli 2009: Der Anteil der kleinen Patienten, deren Blutzuckerwerte im angestrebten Normalbereich liegen, ist in diesem Zeitraum von 25 auf knapp 50 Prozent gestiegen. Dazu haben auch die kurz wirksamen Insulinanaloga beigetragen: Sie können zu hohe Blutzuckerwerte schnell korrigieren, zum Beispiel nach unvorhergesehenem Naschen oder auch nach einer Mahlzeit, wenn vor dem Essen unklar ist, wie viel ein Kind tatsächlich essen möchte. Dies alles erlaubt ein altersgerechtes Heranwachsen der chronisch kranken Kinder.

diabetesDE setzt sich deshalb mit vielen weiteren Diabetes-Organisationen und -Verbänden dafür ein, dass die politischen Entscheidungsträger wieder die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes in den Vordergrund stellen. Ab sofort können Betroffene und Angehörige die Petition von diabetesDE im Deutschen Bundestag durch ihre Unterschrift im Internet: <https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=10823> mit unterstützen. Am 19. Mai 2010 ist außerdem eine Demonstration in Berlin geplant.

Weitere Informationen im Internet:
<www.diabetesde.org>

Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Diabetologie (AGPD)
der Deutschen Diabetes-Gesellschaft / diabetesDE vom 07.07.2009 zum Vorbericht "Kurzwirksame Insulinanaloga bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes mellitus Typ 1 (Auftrag A08-01)" verfasst vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).
im Internet: <http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/>

Ihre Kontakte für Rückfragen:

Pressestelle diabetesDE/DDG
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org
<www.diabetesde.org>
<www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de>
(idw, 03/2010)

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