DHBW Stuttgart präsentiert Ergebnisse einer Studie zur konfessionellen Heimerziehung

In der zur Studie gehörenden Publikation „ ‚Die Zeit heilt keine Wunden’. Heimerziehung in den 1950er und 1960er Jahren in der Diözese Rottenburg-Stuttgart“ (erschienen im Lambertus Verlag) wurden die Einrichtungen der Diözese in drei zeitlichen Abschnitten, von der Zeit nach 1945 bis in die Gegenwart, untersucht. Dabei entfalten sich die unterschiedlichen „Gesichter“ der konfessionellen Heimerziehung innerhalb ihrer Zeit.

Als wissenschaftlicher Bezugsrahmen diente den Wissenschaftlern um Prof. Dr. Schäfer-Walkmann eine Analyse der herrschenden pädagogischen Vorstellungen, Erziehungsstile sowie der strukturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen einer bestimmten Zeit. Des Weiteren wurden soziologische und gesellschaftspolitische Dynamiken in die Betrachtung einbezogen und deren Auswirkungen auf die Biographien untersucht.

Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer lebten oder arbeiteten in einem der 15 Heime der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die noch heute in deren Trägerschaft Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe sind. Ein kleiner Teil kannte zudem jene 18 Erziehungshilfeeinrichtungen, die im Laufe der letzten 60 Jahre aufgelöst wurden. Das IfaS führte Interviews mit 25 Heimkindern (insgesamt 256 Lebensjahre im Heim) und 15 Erziehungspersonen als Zeitzeugen der fünfziger und sechziger Jahre sowie mit 14 Heimkindern (insgesamt 103 Jahre im Heim) und zehn Erziehungspersonen als Zeitzeugen der achtziger und neunziger Jahre durch. Ergänzend wurden Archivmaterialien ausgewertet.

Für die Epoche der fünfziger und sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts gibt es große Unterschiede in der Bewertung der ehemaligen Heimkinder und der ehemaligen Erziehungspersonen. Dabei kennzeichnet das Zitat „Diese Heimzeit lässt mich nicht los!“ den besonderen Charakter der Gesprächsinhalte. Weder die ehemaligen Heimkinder noch die Erziehungspersonen konnten sich den Wirkmechanismen der ‚totalen Institution Heim‘ entziehen. Die subjektiven Erinnerungen der Zeitzeugen belegen vor allem die Macht dieser Institutionen und deren Einfluss auf die Entwicklung und Reifung der eigenen Persönlichkeit im Laufe eines Lebens.

Der vorgenommene Brückenschlag in die Gegenwart führt den Wandel der Heimerziehung vor Augen. Bis in die heutige Zeit erfüllt ein Teil der Einrichtungen in Trägerschaft der Diözese Rottenburg-Stuttgart einen Erziehungsauftrag, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen: Sie sind keine ‚totalen Institutionen‘ mehr, sondern alternative, neue Lebensorte für junge Menschen mit lebensorientierter Rahmung. Treffend kommen die Zeitzeugen der 1980er und 1990er Jahre zu dem Urteil, dass zwischen den beiden Epochen „Welten“ liegen. Heutzutage treten die Verantwortlichen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ebenso wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachdrücklich für die Bekämpfung sozialer Ungleichheit, mehr Chancen- und Teilhabegerechtigkeit, eine gute pädagogische Ausbildung, notwendig festgeschriebene Kinderrechte und deren Umsetzung in der Pädagogik auch in der Heimerziehung ein.

„Mit dieser Studie leistet die Diözese einen wichtigen Beitrag nicht nur zur ernsthaften und ehrlichen Aufarbeitung der Heimerziehung in den fünfziger und sechziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts, sondern liefert außerdem wichtige Impulse für Menschen von heute, die professionell Erziehungsprozesse für junge Menschen gestalten“, so Schäfer-Walkmann.

Kontakt für Journalisten:
DHBW Stuttgart
Andrea Pöss M.A.
Hochschulkommunikation
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