DGT: Rauchverbot contra Krebs zeigt erste Erfolge

Knapp 20 Millionen Deutsche greifen täglich zur Zigarette – und nehmen mit jedem Zug etwa 4 800 überwiegend giftige Substanzen auf. Doch nicht nur sie sind gefährdet an Bronchitis, Raucherbein, Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs zu erkranken, sie schädigen auch ihre nicht rauchenden Mitmenschen. So sterben laut einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 192 Ländern durchgeführten Studie weltweit pro Jahr etwa 600 000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens. „Wir gehen davon aus, dass für Nichtraucher die Passivrauchbelastung die maßgebliche Ursache für Lungenkrebs ist“, sagt im Vorfeld der DGT-Jahrestagung deren Leiter Dr. med. Dr. rer. nat. Heribert Ortlieb, Leitender Arzt der Thoraxchirurgie an der Stadtklinik Baden-Baden.

Die WHO führt Zigarettenqualm als krebserregende Substanz der Gift-Stufe 1 – genauso wie den giftigen Baustoff Asbest. „Immerhin sind allein 40 Substanzen im Rauch kanzerogen, also krebserzeugend“, erklärt Dr. med. Johannes Schildge, Chefarzt der Abteilung Pneumologie an den St. Vincentius-Kliniken in Karlsruhe. Entsprechend sterben hierzulande jährlich genauso viele Menschen an den Folgen des Passivrauchens wie im Straßenverkehr. Immerhin sind fast die Hälfte der Deutschen – darunter Kinder, Heranwachsende und Schwangere – zu Hause oder am Arbeitsplatz Tabakrauch ausgesetzt. Daran habe laut DGT auch das Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor den Folgen des Passivrauchens von 2004 bislang nicht viel geändert.

Zwar herrscht seit 2007 ein generelles Rauchverbot in Dienstgebäuden des Bundes. Auf Länderebene ist dies nicht einheitlich geregelt. „Konsequenter Nichtraucherschutz ist insbesondere in der Gastronomie nicht gegeben“, so Dr. Schildge. Dabei bewiesen Studien, dass rauchfreie Luft die Gesundheit schont: Die Schadstoffkonzentration in Blut und Atemluft nimmt nachweisbar ab, die Funktion der Atemwege bessern sich. Auch eine Studie im Auftrag der DAK-Krankenkasse lässt hoffen: Innerhalb von fünf Jahren werteten Wissenschaftler Krankenhausdaten von mehr als drei Millionen Versicherten aus. Schon ein Jahr nach Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes gab es bei der DAK 1 430 Angina-pectoris-Fälle und 450 Herzinfarkt-Einweisungen weniger als im Vorjahr.

Für einen statistisch belegbaren Einfluss auf die Häufigkeit von Krebs sei der Beobachtungszeitraum noch zu kurz, räumt Dr. Schildge ein. Allerdings beschreiben Studien aus Schottland, Italien und den USA einen Rückgang der Herzinfarktrate nach Inkrafttreten umfangreicher Rauchverbote. Der Experte vermutet: „Für Krebs dürfte langfristig das Gleiche gelten, vorausgesetzt, das Rauchverbot wird konsequent durchgesetzt.“

Krebsrisiken durch Passivrauchen und andere Umweltschadstoffe sind nur ein Thema der 21. Jahrestagung der DGT in Karlsruhe. Die Experten diskutieren verschiedenste Aspekte der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen in Bauch- und Brustraum. Unter dem Motto „Kooperationen“ erörtern sie thoraxchirurgische Themen auch interdisziplinär und beziehen dabei Ärzte aus Pathologie, Onkologie, Radiologie und Pneumonologie ein. Im Rahmen einer Pressekonferenz der DGT am 27. September informieren sie unter anderem über neueste Techniken bei Lungentransplantationen.

Terminhinweis:
Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)
Termin: Donnerstag, 27. September 2012, 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Kongresszentrum – Stadthalle Karlsruhe, Raum „Forum 1“ (EG)

Vorläufige Themen und Referenten:

Rippenfellkrebs oft durch Asbest verursacht – Erkrankungen in Bauch- und Brustraum als Folge von Umweltschadstoffen
Dr. med. Dr. rer. nat. Heribert Ortlieb
Leitender Arzt Thoraxchirurgie, Klinikum Mittelbaden gGmbH, Stadtklinik Baden-Baden

Lungentransplantation – neueste Techniken, aktueller Stand
Dr. med. Dirk Wagnetz
Oberarzt der Abteilung Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg, Leiter der Transplantation

Zertifizierte Thoraxzentren: Wohin sollten Patienten sich wenden, wo bekommen sie Qualität?
Professor Dr. med. Hans Hoffmann
Leitender Oberarzt Chirurgie, Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg

Rauchverbot contra Krebs – Was bringt der verbesserte Nichtraucherschutz?
Dr. med. Johannes Schildge
Chefarzt der Abteilung Pneumologie an den St. Vincentius-Kliniken gAG Karlsruhe

Kontaktdaten für Journalisten:
Pressestelle 21. Jahrestagung der DGT
Anna Julia Voormann/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
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