DGPPN-Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus 2012 verliehen

In der Kategorie TV überzeugte Sanja Hardinghaus, Spiegel TV/ Hamburg mit ihrem Beitrag „Nur die Liebe fehlt – Wenn Babys ihren Müttern fremd sind“.

Was ist, wenn das eigene Kind wie ein Stück Holz im Arm liegt? Wenn da nichts ist? Kein Gefühl – Nur Leere. Was als weiblichster aller Instinkte gilt „das eigene Kind zu lieben“, Anja B. konnte es nicht. Die Muttergefühle blieben aus. Sie erkrankte, wie rund 15 % der Frauen an einer sogenannten Postpartalen Depression. Für betroffene Frauen eine schreckliche Situation, denn sie leiden unter den fehlenden Empfindungen und haben Schuldgefühle. Häufig werden die Symptome nicht rechtzeitig erkannt. Reiß Dich zusammen, das ist doch nur der „Babyblues“, hören betroffene Mütter oft. Und genau das machen sie auch. Sie versuchen, ihre Gefühle zu verstecken, wollen für ihre Kinder funktionieren und machen weiter, bis sie zusammenbrechen oder es zu Kurzschlussreaktionen kommt.

Auch Frauen, wie Nadine W., deren Leben von Zwangshandlungen bestimmt wird, fiel es schwer ihre Mutterrolle zu genießen. Umso älter Sohn Dustin wurde, umso problematischer wurde ihre Situation. Die Zwänge wurden so dominant, dass sie ihr Leben kaum noch bewältigen konnte. Mehrere Monate verbrachten Anja B. und Nadine W. mit ihrem Nachwuchs in der Psychiatrie und ließen sich mit der Kamera auf ihrem Weg zum Mutterglück begleiten.

Der Beitrag „Der Richter und seine Denker“ von Christian Weber, Süddeutsche Zeitung Wissen, wurde in der Kategorie Print ausgezeichnet.

Forensische Psychiater stehen bei jedem spektakulären Mordfall im Rampenlicht der Aufmerksamkeit, doch hat man in den Medien bislang erstaunlich wenig über die genaue Arbeitsweise der Gutachter erfahren. Der Artikel nimmt den Prozess um den norwegischen Attentäter Anders Breivik zum Anlass, um im Gespräch mit führenden Forschern das Handwerk der Begutachtung zu erläutern. Er arbeitet heraus, dass die moderne forensische Psychiatrie nachvollziehbare Kriterien entwickelt hat, wie man die Schuldfähigkeit und Gefährlichkeit eines Gewalttäters beurteilen kann. Dabei geht es eben nicht allein um die Diagnose einer psychischen Störung, sondern vor allem um Fragen von Verantwortungsfähigkeit und Selbstkontrolle. Der Artikel zeigt aber auch die Grenzen der Disziplin auf: Sie kann im besten Fall Wahrscheinlichkeitsaussagen treffen, daran ändern auch die modernen, in der Öffentlichkeit häufig überschätzten neurobiologischen Methoden bislang nichts. Das Gericht – und die Gesellschaft an sich – muss weiterhin entscheiden, welches Risiko eingegangen werden soll. Das sei der Grundirrtum, „dass sich alle Taten allein durch die die Person erklären ließen“, wird der Berliner Psychiater Hans-Ludwig Kröber zitiert. „Es gibt Wendungen des Geschehens, plötzlich auftauchende Möglichkeiten – den Zufall unterschätzen wir immer.“

Der Radio-Beitrag „Grund zur Panik – auf den Spuren von Angsterkrankungen und Furchtgedächtnis“ von Martina Preiner überzeugte die Jury in der Kategorie Hörfunk. Das Hörfunkfeature wurde in der Sendung Wissenschaft im Brennpunkt des Deutschlandfunks am 06.05.2012 ausgestrahlt.

Etwa jeder siebte Europäer leidet unter posttraumatischer Belastungsstörung. sozialen Phobien, Panikattacken – nach jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit werden Angststörungen heute als vollwertige Krankheit angesehen. Doch damit sind Neurowissenschaftler und Psychologen noch lange nicht am Ziel der Reise angelangt. An verschiedenen Fronten der Grundlagenforschung versuchen sie mosaikartig die komplexe Physiologie von pathologischer Angst zu entschlüsseln: Wie sehr liegt die Neigung in unseren Genen? Welche Gehirnareale sind für Angstreaktionen relevant? Wie funktioniert unser Furchtgedächtnis – und wie lässt es sich korrigieren?

Das Hörfunkfeature „Grund zur Panik“ erklärt einzelne Ansätze der Forschung mit dem Anspruch, der Komplexität der Erkrankung gerecht zu werden, ohne den Zuhörer mit der Komplexität zu erschlagen.

Darüber hinaus wird durch die Betroffene Franziska auch das reale Leben mit der Angst beschrieben, ohne dabei rührselig zu werden. Die selbstreflektierte, direkte Art der Protagonistin steht dabei im harten Kontrast zu ihren Erzählungen der „schwachen Momente“.

Hintergrund:

Mit dem Medienpreis für Wissenschaftsjournalismus würdigen die DGPPN und die Stiftung für Seelische Gesundheit engagierte Journalistinnen und Journalisten im Bereich Wissenschaftsberichterstattung der Print- bzw. Elektronikmedien für hervorragende Leistungen. Die Jury, zu der u.a. Dr. Harro Albrecht (Die Zeit, Hamburg), Judith Baensch (RTL-aktuell, Köln), Ulrike Eichin (ZDF, Mainz), Joachim Müller-Jung (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurt/Main), Jochen Niehaus (Focus, München) sowie Volker Weinl (Bild am Sonntag, Berlin), gehörten, hat die preiswürdigen Beiträge aus über 40 Einsendungen ausgewählt. Voraussetzung für die Bewerbung, zu der auch ausdrücklich junge Autorinnen und Autoren aufgefordert waren, sollten Beiträge sein, die zur Popularisierung wissenschaftlicher Sachverhalte aus den Bereichen Psychiatrie, Psychotherapie sowie seelische Gesundheit beitragen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird von der DGPPN in Verbindung mit der Stiftung für Seelische Gesundheit verliehen. Die Zielsetzung der Stiftung gilt der Förderung der seelischen Gesundheit der Bevölkerung und die Verbesserung der Versorgung von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Peter Falkai
Präsident DGPPN
Direktor der Psychiatrischen Klinik der
Ludwig-Maximilians-Universität
Nussbaumstr. 7
80336 München
Tel: 089 5160 5500 – 5501
Fax: 089 5160 5522
E-Mail: Peter.Falkai@med.uni-muenchen.de

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