DGP veröffentlicht Leitfäden zur palliativen Begleitung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung

Die Lebenserwartung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert, es sind überwiegend Erwachsene, die über viele Jahre ihren Lebensmittelpunkt in einer Wohneinrichtung oder im familiären Umfeld haben, bevor bei ihnen eine lebensbegrenzende Erkrankung auftritt.

„Das schwerwiegende, fortschreitende und unheilbare Leiden eines Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, das nicht selten zu weiteren, oft schon seit Geburt bestehenden Einschränkungen dazukommt, stellt Angehörige, Ärzte, Pflegende und Einrichtungen vor große Herausforderungen.“ erklärt Dr. Dietrich Wördehoff, Sprecher der AG „Palliativversorgung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung“ in der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Die Familienmitglieder machen sich ähnlich wie auch Mitarbeitende der Institutionen viele Gedanken, haben Ängste und sind unsicher, wie die letzte Lebenszeit und das Sterben der von ihnen zu Betreuenden ablaufen können.

Dabei hat ein Mensch mit Beeinträchtigung im Angesicht seines Lebensendes keine anderen Bedürfnisse als jeder andere Mensch ohne Beeinträchtigung auch, unterstreicht Barbara Hartmann, Sprecherin der genannten AG und langjährige Mitarbeiterin in Wohnformen der Eingliederungshilfe und der Spezialisierten Palliativversorgung: „Auch Menschen mit einer intellektuellen, komplexen und/oder psychischen Beeinträchtigung wollen ohne körperliche Beschwerden sterben. Sie möchten noch Dinge regeln, sie möchten sich vielleicht verabschieden oder bis zum Schluss hoffen, dass sie wieder gesund werden. Sie haben Fragen zum Tod und zum Danach und sie möchten mit Menschen zusammen sein, die sie verstehen und für sie da sind.“

Damit dies gelingt, hat die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) mit der Expertise ihrer Arbeitsgruppe „Palliativversorgung von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung“ und mit dankenswerter Förderung seitens des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zwei Online-Broschüren auf den Weg gebracht, die zu einem leichteren Zugang beitragen sollen:

1. Begleiten bis zuletzt: Was können wir tun, damit es gut wird?
Leitfaden für Angehörige zur Information über die Möglichkeiten und Angebote der (frühzeitigen) Einbindung der Hospiz- und Palliativversorgung

2. Palliative Begleitung von Menschen in Wohnformen der Eingliederungshilfe
Leitfaden für Träger, Leitungen sowie Mitarbeitende in der Assistenz und Pflege von Menschen mit intellektueller, komplexer und/oder psychischer Beeinträchtigung.

Beide Broschüren stehen ab sofort als barrierefreie Dateien zur Verfügung, Druckversionen sind für das Frühjahr vorgesehen. Wichtig dabei: Diese erste Auflage wurde auf der Grundlage der Erfahrungen der Autoren und Autorinnen in der Begleitung von unheilbar erkrankten Menschen mit geistiger Beeinträchtigung erstellt. Diese haben nicht den Anspruch, alle Fragen und Probleme bedacht zu haben, die im Zusammenhang mit einer fortschreitenden chronischen Erkrankung auftreten können. Die DGP bittet deshalb ganz bewusst um Ergänzungen und Kommentare, wenn einzelne Aspekte nicht ausreichend angesprochen sein sollten, damit diese in die geplante Druckversion einbezogen werden können.

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