DGIIN: Kann die mobile Herz-Lungen-Maschine Leben retten?

Mobile Herz-Lungen-Maschine. Umgekehrt erfordert die Anwendung des Geräts einen immensen logistischen Aufwand. Deshalb fordert die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) dringend weitere Studien und auch eine Diskussion über die großen ethischen Fragen, die durch den Einsatz von eCPR entstehen. Welche Chancen, aber auch Risiken in der eCPR liegen, erläutern Experten der DGIIN im Rahmen einer Pressekonferenz am 12. Juni 2019 von 11.45 bis 13.00 Uhr in Berlin.

Mobile Herz-Lungen-Maschine

Die extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung bringt den stillstehenden Kreislauf des Patienten wieder in Gang. Dabei wird eine mobile Herz-Lungen-Maschine oft noch außerhalb der Klinik über die großen Leistengefäße an den Patientenkreislauf angeschlossen. Das Gerät übernimmt dabei – wie eine klinisch-stationäre Herz-Lungen-Maschine auch – sowohl die Pumpfunktion des Herzens als auch die Funktion der Lunge, das Blut mit Sauerstoff anzureichern. „Zahlreiche Einzelfallberichte und erste Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass die Überlebensrate von Patienten mit Herzinfarkt oder Lungenembolie mithilfe der eCPR gesteigert werden kann“, sagt Professor Dr. med. Stefan John, Leiter des Funktionsbereichs Intensivmedizin am Klinikum Nürnberg und Präsident der DGIIN. „Angesichts der noch immer geringen Überlebenszahlen unter konventioneller Herzdruckmassage kann dies eine wichtige Entwicklung darstellen. Allerdings ist die Datenlage dafür auch noch sehr dünn“, so der Experte.

Nach Ansicht des Experten birgt der Einsatz einer eCPR nämlich auch erhebliche Risiken. „Es braucht dringend randomisierte Studien, die untersuchen, bei welchen Patientengruppen und unter welchen Voraussetzungen eine eCPR aussichtsreich ist“, sagt John. Der mit einer eCPR verbundene Aufwand ist enorm und eine Entscheidung für oder gegen die eCPR muss in jedem Fall sehr schnell getroffen werden, oft ohne, dass alle relevanten Informationen zur Verfügung stehen. „Der wichtigste Faktor ist sicherlich die Dauer, für die das Gehirn nicht oder nur unzureichend durchblutet war“, erläutert der Experte. Dafür müsse der genaue Zeitpunkt des Herzversagens ebenso bekannt sein wie der Beginn und die Qualität der Reanimation. Für die Prognose ist es auch essentiell zu wissen, welche Ursache der Herz-Kreislauf-Stillstand hat und ob diese überhaupt beseitigt werden kann. Im Idealfall sollten auch das Alter des Patienten, mögliche Grunderkrankungen sowie der Wille des Patienten bekannt sein.

Da diese Informationen oft nicht rasch genug verfügbar sind, birgt die eCPR die Gefahr der Übertherapie. „Wenn der Kreislauf wiederhergestellt wird, obwohl schon unumkehrbare Hirnschäden eingetreten sind, entstehen schwer zu lösende ethische Fragestellungen“, mahnt John. Ein denkbarer Fall wäre beispielsweise ein Patient mit schwerer Hirnschädigung und ohne Aussicht auf eine eigene Herzfunktion, der aber durch die Herz-Lungen-Maschine künstlich am Leben erhalten werde. Eine für Angehörige, aber auch für das Behandlungsteam dann äußerst belastende Situation.

Für John steht die eCPR damit beispielhaft für die Entwicklung der modernen Intensiv- und Notfallmedizin, die große Chancen bietet, aber auch besondere ethische Herausforderungen mit sich bringt. Welche Bedeutung das eCPR Verfahren in der Intensivmedizin hat und welche ethischen Fragestellungen damit verbunden sind, diskutieren Experten der DGIIN im Rahmen einer Pressekonferenz am 12. Juni 2019 in Berlin.

Pressekonferenz
der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin
anlässlich der 51. gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und der Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin & Notfallmedizin (ÖGIAIN)

Termin: Mittwoch, 12. Juni 2019, 11.45 bis 13.00 Uhr
Ort: Estrel Hotel und Congress Center Berlin, Raum: Straßburg
Anschrift: Sonnenallee 225, 12057 Berlin

Vorläufige Themen und Referenten:

Kompetenz und Verantwortung in der Internistischen Intensiv- und Notfallmedizin – Highlights der Jahrestagung der DGIIN
Professor Dr. med. Martin Möckel, Tagungspräsident der DGIIN, Ärztlicher Leiter Notfall- und Akutmedizin/Zentrale Notaufnahmen und Chest Pain Units Campus Mitte und Virchow-Klinikum, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Pflegemangel gefährdet Patientenversorgung: Warum verbindliche Betreuungsschlüssel, bessere Arbeitsbedingungen und höhere Bezahlung unerlässlich sind
Professor Dr. med. Christian Karagiannidis, Präsident elect der DGIIN und leitender Oberarzt an der Lungenklinik Köln-Merheim

Zwischen Leidenschaft, Verantwortung und Dauerbelastung: Alltag in der Intensivpflege
Mareen Machner, Wirtschaftspädagogin M.Sc., Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivmedizin sowie Notfallpflege, Landesvorsitzende der DGF (Deutsche Gesellschaft für Fachkrankenpflege), Leitung: Anästhesie-Intensivmedizin/Notfallpflege, Bereich Fort-Weiterbildung, Wissenschaftliche Projektleitung – InProSim, Prodekanat Studium und Lehre, Charité – Universitätsmedizin Berlin
und
Carsten Hermes, Sprecher der Sektion Pflege der DGIIN, Fachkrankenpfleger und Betriebswirt

Wie lässt sich eine zukunftssichere Intensivmedizin erreichen? Forderungen der DGIIN an die Gesundheitspolitik
Professor Dr. med. Reimer Riessen, Past Präsident der DGIIN, Leiter der Internistischen Intensivstation des Universitätsklinikums Tübingen

Herzkreislaufstillstand: Überlebensvorteil durch extrakorporale Herz-Lungen-Wiederbelebung (eCPR)?
Professor Dr. med. Stefan John, Präsident der DGIIN, Leiter des Funktionsbereiches Intensivmedizin sowie Leiter des Arbeitskreises Intensivmedizin der Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Nürnberg

Ist das Leben noch lebenswert? Patientenverfügungen, Patientenwille und Therapieziele in der Intensivmedizin
Professor Dr. med. Uwe Janssens, Generalsekretär der DGIIN, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin und Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital Eschweiler

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