DGE-Kongress 2014: Typ-1-Diabetes durch transplantierte Inselzellen therapieren

Bei Typ-1-Diabetespatienten kann die Transplantation einer Bauchspeicheldrüse oder insulinproduzierender Zellansammlungen aus ihr, Langerhans-Inseln genannt, die Lebensqualität deutlich verbessern. Der Nachteil ist, dass die Betroffenen dann ihr Leben lang Medikamente einnehmen müssen, um das Abwehrsystem zu unterdrücken. Denn andernfalls stößt dieses das fremde Organ, beziehungsweise die fremden Zellen, ab. Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum erklärt: „Die Transplantation kam daher bislang nur für einen kleinen Teil der Typ-1-Diabetiker in Frage, die bestimmte Kriterien erfüllen mussten. Erschwerend kommt hinzu, dass es nicht ausreichend Spenderorgane gibt.“

Forschern aus Dresden ist es gelungen, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Ihr Bio-Reaktor – eine kleine Dose, die mit menschlichen Inselzellen gefüllt ist – erspart den Patienten die Immunsuppressiva. Denn er schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt aber umgekehrt das Insulin in den Körper gelangen. „Die Zellen werden regelmäßig mit Sauerstoff versorgt, sodass sie aktiv bleiben“, erklärt Professor Dr. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden. Unter seiner Leitung wurde der Bio-Reaktor implantiert.

Für den Experten sind nach dem jetzigen Erfolg auch ganz neue, bisher undenkbare Optionen vorstellbar. So könnten Patienten künftig sogar insulinproduzierende Zellen vom Schwein eingesetzt werden. Da sie im Bio-Reaktor mit dem Körper nicht direkt in Kontakt kommen, würde das menschliche Immunsystem sie nicht abstoßen. „Damit wäre auch das Problem fehlender Spenderorgane gelöst“, ergänzt Professor Schatz. Denn für die Isolierung menschlicher Inselzellen werden mehrere Bauchspeicheldrüsen benötigt – was angesichts des Mangels an geeigneten Spenderorganen die Möglichkeiten stark einschränkt. „Viel mehr Menschen mit Diabetes als bisher könnten von einer Inselzelltransplantation profitieren“, sagt der Hormonexperte aus Bochum.

Die Perspektiven, die die „Regenerative Medizin“, wie beispielsweise der Bio-Reaktor, bieten, werden auf einer Pressekonferenz am 19. März 2014 beim diesjährigen DGE-Symposium diskutiert. Darüber hinaus stehen Themen wie Stress und das Wechselspiel zwischen Hormonen und seelischen Störungen auf dem Programm.

Terminhinweise:

Vortrag von Dr. med. Barbara Ludwig zu „Inselzelltransplantation“
Termin: Mittwoch, 19. März 2014, im Block von 17.15 bis 18.45 Uhr
Ort: Maritim Hotel & Internationales Congress Center Dresden, Saal 4
Anschrift: Ostra-Ufer 2/Devrientstraße 10-12, 01067 Dresden

Pressekonferenz anlässlich des 57. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Termin: Mittwoch, 19. März 2014, 11.00 bis 12.30 Uhr
Ort: Maritim Hotel & Internationales Congress Center Dresden, Seminarraum 5-6
Anschrift: Ostra-Ufer 2/Devrientstraße 10-12, 01067 Dresden

Weitere Informationen zur Tagung und das Programm finden Sie im Internet unter .

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dagmar Arnold/Dr. Adelheid Liebendörfer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Telefax: 0711 8931-167
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