DGE: Abnehmen durch Magenverkleinerung – Endokrinologen diskutieren Folgen für Hormonhaushalt

Üblicherweise stehen bei der Behandlung von Übergewicht konservative Maßnahmen wie Diäten oder Ernährungs- und Bewegungstherapien an erster Stelle. Die Wirkung dieser Maßnahmen ist jedoch meistens zeitlich begrenzt. Die einzige Option, mit der bei der Mehrzahl der stark fettleibigen Patienten eine deutliche Gewichtsabnahme erreicht und dann auch das erreichte Gewicht gehalten wird, zumindest für längere Zeit, ist eine sogenannte bariatrische Operation. Durch die Verringerung der Magen- und eventuell der Darmkapazität werden weniger Nährstoffe aufgenommen. Nach Angaben der DGE ergab eine aktuelle Analyse der Daten von rund 160 000 Patienten, dass deren Body-Mass-Index (BMI) – berechnet aus Körpergewicht (kg) dividiert durch das Quadrat der Körpergröße (m²) – fünf Jahre nach der Operation von durchschnittlich 46 auf 29 bis 35 gesunken war.

„Solche Operationen verbessern die Lebensqualität, senken das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen bei Frauen und wirken sich positiv auf die Darmflora und den Hormonhaushalt aus“, sagt Professor Dr. med. Matthias Blüher, Oberarzt am Universitätsklinikum Leipzig. Es könne beispielsweise nach einer bariatrischen Operation zu einer für den Stoffwechsel besseren Freisetzung von Hormonen aus der Magen- und der Darmwand kommen.

„Es ist bekannt, dass bei vielen Typ-2-Diabetespatienten nach einer bariatrischen Operation der Diabetes deutlich besser wird oder sogar verschwindet“, sagt Professor Dr. med. Stefan R. Bornstein, Direktor am Universitätsklinikum Dresden und Tagungspräsident des 57. DGE-Symposiums. Ein aktueller Übersichtsartikel in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift“ zeige, dass nach einer Schlauchmagenbildung (Sleevegastrectromy) die Stoffwechsellage in einem von zwei Fällen zumindest für eine Weile normalisiert wird. Beim sogenannten Roux-en-Y-Magenbypass, also einer Magenverkleinerung in Kombination mit einer bewusst herbeigeführten Mangelverdauung, liege die Remissionsrate des Typ 2 bei etwa zwei von drei Patienten. Die Ursachen dafür seien letztlich noch nicht genau bekannt.

Professor Blüher weist aber auch darauf hin, dass es sich bei bariatrischen Operationen um komplizierte Eingriffe handele, durch die es auch zu Komplikationen und unerwünschten Nebenwirkungen kommen könne. „Und es ist eine intensive Nachbetreuung nötig. Deshalb muss vor diesen Operationen ausführlich mit den Patienten darüber gesprochen und die Entscheidung gut abgewogen werden“, ergänzt der Experte aus Leipzig. Aber auch das soziale Umfeld des Patienten sei wichtig, fügt Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz aus Bochum, Mediensprecher der DGE, hinzu. „Regelmäßige Kontrollen über einen langen Zeitraum sind unverzichtbar.“

In welchen Fällen Bariatrische Chirurgie eingesetzt werden sollte und welche Konsequenzen sich daraus für den Patienten ergeben, diskutieren die Experten auf der Pressekonferenz am 19. März 2014 beim diesjährigen DGE-Symposium.

Literatur:
F. Benedix et al.: Welche Rolle spielt die Chirurgie bei der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2? Dtsch. Med. Wochenschr. 2014; 1390: 207–212.

Terminhinweise:

57. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), 19. – 22. März 2014, Dresden

Themenblock: „Hormonelle Veränderungen bei Adipositas und nach bariatrischer Chirurgie“
Vorsitz: Professor Matthias Blüher, Leipzig und Professor Tobias Lohmann, Dresden
Termin: Donnerstag, 20. März 2014, 15.00 bis 16.00 Uhr
Ort: Maritim Hotel & Internationales Congress Center Dresden, Großer Saal
Anschrift: Ostra-Ufer 2/Devrientstraße 10-12, 01067 Dresden

Pressekonferenz anlässlich des 57. Symposiums der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Termin: Mittwoch, 19. März 2014, 11.00 bis 12.30 Uhr
Ort: Maritim Hotel & Internationales Congress Center Dresden, Seminarraum 5-6
Anschrift: Ostra-Ufer 2/Devrientstraße 10-12, 01067 Dresden

Weitere Informationen zur Tagung und das Programm finden Sie im Internet unter .

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Dagmar Arnold/Dr. Adelheid Liebendörfer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380
Telefax: 0711 8931-167
E-Mail:

Scroll to Top