DGAKI begrüßt NIKI-Studie im Ruhrgebiet zu neuen Volkskrankheiten im Kindes- und Jugendalter

Bochum/Aystetten. Als „wegweisende Kooperation, die das Verständnis der Zusammenhänge besonders häufiger chronischer Krankheiten zukünftig enorm verbessern wird“, begrüßt die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) den Beginn einer auf drei Jahre angelegten Pilotstudie über „Neue Volkskrankheiten im Kinder- und Jugendalter“ (NIKI) im Ruhrgebiet. Das Vorhaben wird seit Oktober 2013 mit rund 1,5 Millionen Euro vom NRW-Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF) gefördert.

Im Rahmen der Studie wird bis September 2016 an der Ruhr erstmals ein Konsortium universitärer Forschungsgruppen an Kinderkliniken und Kinderpsychiatrien entstehen, das die „neuen Volkskrankheiten“ krankhaftes Übergewicht (Adipositas), Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) und Allergien/Asthma bei jungen Menschen systematisch in den Blick nimmt. Das Augenmerk liegt dabei auf Risiko- und Schutzfaktoren im Kindes- und Jugendalter sowie auf Konsequenzen für Diagnostik und Therapie. DGAKI-Generalsekretär Prof. Dr. Eckard Hamelmann, Direktor der beteiligten Universitätskinderklinik der Ruhr-Universität Bochum: „Diese Thematiken sind für die Zukunft der Menschen im Ballungsraum Ruhrgebiet von entscheidender Bedeutung. In dieser Region treten neben dem allgemeinen Allergierisiko Fehlernährung und Verhaltensauffälligkeiten durch urbane Stressfaktoren und soziale Brennpunkte gehäuft auf.“

Risiko durch Allergien nicht unterschätzen

In der Kinderallergologie und Pneumologie hat die Forschungsgruppe unter der Leitung von Prof. Dr. Hamelmann großes wissenschaftliches Renommee auf dem Gebiet der Asthma-Forschung erworben. Mit der Studie folge das Land NRW nun dringenden Experten-Empfehlungen, so Prof. Dr. Hamelmann weiter. Anlässlich des 8. Deutschen Allergiekongresses im September in Bochum hatten Fachmediziner gefordert, die ernsten gesundheitlichen Risiken der Volkskrankheit Allergie nicht zu unterschätzen und verstärkt Wert auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Bündelung von Forschungsaktivitäten zu legen. Hamelmann: „Wir verfolgen mit der Studie ein neues Konzept, indem wir ganz bewusst über unseren jeweiligen Tellerrand schauen, um Gemeinsamkeiten und Besonderheiten der verschiedenen besonders häufigen chronischen Erkrankungen unserer Patienten zu untersuchen.“

Lebenslauforientierte Krankheitsprävention

Vor diesem Hintergrund hat das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Forschung des Landes NRW für den Zeitraum vom 1.10.2013 bis zum 30.9.2016 die Förderung zugesagt. Die NIKI-Studie soll Grundlagen für eine personalisierte Kinder- und Jugendmedizin in Bezug auf Früherkennung und Diagnostik, Therapieentscheidung und -begleitung schaffen. Damit soll insbesondere ein Beitrag zu einer lebenslauforientierten Krankheitsprävention geleistet werden. Das Vorhaben zielt mit seinem Ansatz auch auf ein höheres Niveau interdisziplinärer Zusammenarbeit in der Gesundheitsforschung und -versorgung. Eine besondere Bedeutung nimmt hierbei die enge Verknüpfung von somatischen Erkrankungen und psychischen bzw. Verhaltensstörungen sowie eine als wegweisend angesehene Kooperation von Pädiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie ein.

Studien-Konsortium bündelt Exzellenzen

Das Konsortium bündelt für die Studie im Ruhrgebiet vorhandene kinder- und jugendmedizinische Exzellenzen. Partner sind die LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (Prof. Dr. Martin Holtmann), die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Ruhr-Universität Bochum im St. Josef-Hospital Bochum (Prof. Dr. Eckard Hamelmann), das LVR-Klinikum Essen, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Universität Duisburg-Essen (Prof. Dr. Johannes Hebebrand) und die Vestische Kinder- und Jugendklinik Datteln, Klinik der Universität Witten/Herdecke, Abteilung für Pädiatrische Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin (Prof. Dr. Thomas Reinehr). Das Institut für Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Universität Duisburg-Essen unter Leitung von Prof. Dr. Karl-Heinz Jöckel unterstützt die Studiendurchführung. Das Netzwerk MedEcon Ruhr GmbH hat die zentrale Projektsteuerung übernommen.

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