DFG fördert vier Heisenberg-Professuren im UKE

Mit Heisenberg-Professuren werden herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet, die sich noch nicht in höchster Leitungsfunktion befinden, ihre Qualifikation hierfür jedoch bereits unter Beweis gestellt haben. Bislang gab es im UKE insgesamt drei solcher Professuren, nun kommen innerhalb kurzer Zeit vier neue hinzu, die von der DFG mit mehreren Millionen Euro gefördert werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat im vergangenen Jahr bundesweit insgesamt nur 24 solcher Professuren in den Bereichen Lebens-, Natur-, Ingenieur-, Geistes- und Sozialwissenschaften vergeben.

„Wir beglückwünschen alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur Bewilligung der angesehenen Heisenberg-Professur. Sie bedeutet eine Würdigung ihrer exzellenten wissenschaftlichen Leistung“, sagt Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des UKE. „Es ist uns eine große Freude, den neuen Professoren langfristige Perspektiven bieten und zugleich unsere ausgewiesenen Forschungsschwerpunkte Neurowissenschaften, Entzündungsforschung und Onkologische Forschung weiter verstärken zu können.“

Die neuen Heisenberg-Professoren im Einzelnen:

Priv.-Doz. Dr. Dr. Sonja Loges, Institut für Tumorbiologie und II. Medizinische Klinik

Dank neuer molekularbiologischer Verfahren können Krebserkrankungen heute viel differenzierter als noch vor einigen Jahren betrachtet werden. Die am Krankheitsprozess beteiligten Gene und Proteine sind von Tumortyp zu Tumortyp unterschiedlich und selbst bei ähnlichen Krankheitsstadien oder -verläufen gibt es von Patient zu Patient gravierende molekulare Unterschiede. Für diese verschiedenen Patientengruppen werden seit einigen Jahren möglichst maßgeschneiderte Therapien entwickelt, von denen man erwartet, dass sie bei nur geringen Nebenwirkungen einen maximalen Therapieerfolg erzielen.

Dr. Loges ist es gelungen, eine Zielstruktur für diese sogenannte personalisierte Krebstherapie zu identifizieren und ein entsprechendes Medikament zu entwickeln. Inzwischen hat sie eine internationale, multizentrische Studie konzipiert und auf den Weg gebracht, in der der neue medikamentöse Behandlungsansatz bei krebskranken Patienten geprüft wird. Inhaltlicher Schwerpunkt der Heisenberg-Professur wird die Weiterentwicklung von klinischen und wissenschaftlichen Konzepten für die personalisierte Krebstherapie sein – mit dem Ziel, die Behandlung von Krebspatienten zu verbessern.

Die Oberärztin der II. Medizinischen Klinik hat in Hamburg Biochemie und Medizin studiert, war anschließend im Labor des renommierten Krebsforschers Prof. Peter Carmeliet in Leuven, Belgien, tätig und ist seit 2014 Fachärztin für Hämatologie, Onkologie und Innere Medizin. Die Arbeitsgruppe von Dr. Loges ist in die II. Medizinische Klinik und das Institut für Tumorbiologie integriert und bildet damit eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Medizin. Dr. Loges ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Forschungs- und Innovationspreis der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie.

Prof. Dr. Jörg Heeren, Institut für Biochemie und Molekulare Zellbiologie

In Deutschland sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung stark übergewichtig – Tendenz steigend. Übergewichtsbedingte Zivilisationskrankheiten wie Arteriosklerose, Diabetes mellitus Typ 2 oder die nicht-alkoholische Fettleberentzündung (NASH) werden damit zu einer zunehmenden Herausforderung für Ärzte und das Gesundheitssystem. Um neue Therapieoptionen zu entwickeln, sind detaillierte Erkenntnisse über die Entstehung und das Voranschreiten solcher Erkrankungen vonnöten. „Maßgeblich beteiligt sind immer chronische Entzündungsreaktionen, die durch Übergewicht und damit einhergehende Störungen im Fett- und Glukosestoffwechsel entstehen“, erklärt Prof. Heeren. „Doch die genauen molekularen und zellulären Mechanismen sowie die Interaktion mit dem Immunsystem sind noch wenig verstanden. Dies liegt auch daran, dass die Entzündungs- und Stoffwechselforschung bislang wenig interagierten; mit dem erst wenige Jahre existierenden Forschungsgebiet Immuno-Stoffwechsel eröffnen sich nun neue Horizonte“.

Prof. Heeren ist Diplom-Biochemiker und promovierte 1998 am UKE. Er gilt als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der immun-metabolischen Forschung. Seine interdisziplinären Forschungsvorhaben sind an die UKE-Forschungsschwerpunkte Entzündung (Center for Inflammation, Infection and Immunity (C3i)) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Cardiovascular Research Center (CVRC)) angelehnt; er steht in enger Verbindung zu erfolgreichen Verbundprojekten (u.a. Sonderforschungsbereich 841, Graduiertenkolleg 1459) des UKE sowie kooperiert mit der Inneren Medizin, dem Universitären Herzzentrum und der Adipositas-Chirurgie.

Prof. Dr. Tobias Donner, Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie

Die Heisenberg-Professur von Prof. Donner trägt den Titel „Neuromodulation kortikaler Entscheidungsnetzwerke“. Dabei handelt es sich um ein größeres Forschungsprogramm, dessen übergreifendes Ziel es ist, die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit kognitiver Prozesse im menschlichen Gehirn aufzuzeigen – und warum diese Anpassungen bei bestimmten neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen fehlschlagen. Prof. Donner ist eng mit dem Sonderforschungsbereich 936 (Neurowissenschaften) verbunden. Sein Forschungsansatz integriert theoretische Konzepte und analytische Werkzeuge aus Kognitionswissenschaften, Neurowissenschaften, Psychologie, Psychobiologie, Informatik, Ingenieurwissenschaften und Physik.

Prof. Donner ist Autor zahlreicher einflussreicher wissenschaftlicher Publikationen in hochkarätigen neurowissenschaftlichen und fächerübergreifenden Zeitschriften. Seine aktuelle Forschung wird aus verschiedenen Drittmittelquellen mit einem Gesamtvolumen von rund 1,8 Millionen Euro gefördert. Die Arbeit seines interdisziplinären Forschungsteams zeichnet sich durch einen hochgradig integrativen Ansatz aus, der psychophysische Messung und mathematische Modellierung des menschlichen Verhaltens mit Neuroimaging, Elektrophysiologie und pharmakologischer Intervention verbindet und damit explizite Brücken zwischen verschiedenen Beobachtungsebenen des Gehirns verknüpft.

Prof. Donner hat 2003 an der Berliner Charité promoviert und war danach bereits am von Prof. Dr. Andreas Engel geleiteten Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie des UKE sowie am Centre for Cognitive Neuroimaging des Donders Institute in Nijmegen, Niederlande, und am Center for Neural Science sowie Departement of Psychology der New York University tätig. Von 2009 bis 2015 war er Assistenzprofessor am Departement of Psychology der Universiteit van Amsterdam sowie Principal Investigator am Amsterdam Brain & Cognition Center. Seit 2011 ist er außerdem assoziierter Arbeitsgruppenleiter am Bernstein Center for Computational Neuroscience Berlin.

Dr. Simone Kühn, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Mit der Fähigkeit des Gehirns, sich strukturell und funktionell an neue Umgebungsbedingungen und neue Anforderungen anzupassen, befasst sich Dr. Kühn. In den vergangenen Jahren hat sie sich vor allem mit der Frage beschäftigt, wie man videospielartige Trainingsregimes nutzen kann, um die Plastizität des Gehirns zu fördern. Im UKE will sie diese Verfahren innerhalb des Sonderforschungsbereichs 936 bei Patienten mit Abhängigkeitserkrankungen und Schizophrenie anwenden.

Dr. Kühn hat in New York und in Potsdam Psychologie studiert, an Universitäten in Gent, Belgien, und London, Großbritannien, sowie an der Charité in Berlin gearbeitet. Aktuell leitet sie eine Forschungsgruppe zur strukturellen Plastizität des Gehirns am Max Planck Institut für Bildungsforschung in Berlin. Sie tritt die Heisenberg-Professur im UKE voraussichtlich zum Jahreswechsel 2015/16 an.

Kontakt:

Priv.-Doz. Dr. Dr. Sonja Loges, Institut für Tumorbiologie und II. Medizinische Klinik, Tel.: (040) 7410 – 51538, E-Mail: s.loges@uke.de

Prof. Dr. Jörg Heeren, Institut für Biochemie und Molekulare Zellbiologie, Tel.: (040) 7410 – 54745, E-Mail: heeren@uke.de

Prof. Dr. Tobias Donner, Institut für Neurophysiologie und Pathophysiologie, Tel.: (040) 7410 – 56170, E-Mail: t.donner@uke.de

Dr. Simone Kühn, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, derzeit: Tel.: (0162) 8585501, E-Mail: kuehn@mpib-berlin.mpg.de

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