DFG-Abschlussworkshop „Innovatives Informationsmanagement“ an der FernUniversität

Um die Leistungsfähigkeit der Hochschulen beim Informationsmanagement in Forschung und Lehre zu stärken, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Jahr 2002 eine Maßnahme zum Aufbau von Leistungszentren bekannt gegeben. Insgesamt hat sie dabei acht Projekte in zwei Schwerpunktbereichen gefördert. Die Ergebnisse und Zukunftsperspektiven der vier Projekte aus dem Schwerpunktbereich „Digitale Text- und Datenzentren zur Sammlung, Sicherung und Bereitstellung digitaler Quellenbestände in Forschung und Lehre“ wurden jetzt von den Projektteams der verschiedenen Hochschulen bei einem Abschlussworkshop an der FernUniversität in Hagen vorgestellt. Organsiert hatte den Workshop FernUni-Prof. Dr.-Ing. Bernd Krämer, Lehrgebiet Datenverarbeitungstechnik, der mit Projekt CampusContent in dem DFG-Leistungszentrum gefördert wurde.
„Viel Arbeit und Schweiß liegt hinter Ihnen, nun gilt es, die Ernte einzufahren“, sagte Dr. Sigrun Eckelmann, DFG-Programmdirektorin für den Bereich Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme. Und mit dieser „Ernte“ zeigte sie sich genauso wie die Gutachterinnen und Gutachter der DFG am Ende des zweitägigen Workshops sehr zufrieden. Die vier geförderten Leuchtturmprojekte, so Eckelmann, hätten beispielsgebende neuartige Konzepte des wissenschaftlichen Informationsmanagements entwickelt. Die Vorstellungen der einzelnen Projektergebnisse stehen als Videostreamings zur Verfügung.

Überblick Projektergebnisse

edu-sharing, das von Prof. Bernd Krämer und seinem Team an der FernUniversität in Hagen im Projekt CampusContent entwickelte Repositorien-Netzwerk, ist eine freie Software zur vernetzten Verwaltung digitaler Lern- und Wissensinhalte. edu-sharing baut auf dem quelloffenen Content-Managementsysten Alfresco auf, bietet Anschlussschnittstellen zu verschiedenen Lernmanagementsystemen (z. B. Moodle) und beinhaltet eine leistungsfähige Suchmaschine, Lernwerkzeuge, Autorensysteme und Vernetzungsdienste. Über OAI-Schnittstellen (Open-Archives Initiative) können verschiedene Wissensarchive miteinander kommunizieren und Metadaten austauschen. In der FernUniversität ist edu-sharing bereits im Rechenzentrum installiert, die Software wird ständig aktualisiert. Pilotanwendungen laufen außerdem in einigen kommunalen Rechenzentren in Nordrhein-Westfalen, die die gesamten Schulen des Bundeslandes mit IT-Diensten und Wissensinhalten versorgen. Ein wesentlicher Vorteil der Vernetzung mittels edu-sharing ist, dass Materialien nur einmal gekauft werden müssen und dann von jeder Schule aus über edu-sharing auffindbar sind.

Probado (Prototypischer Betrieb allgemeiner Dokumente) ist ein innovativer Bibliotheksdienst für multimediale 3D-Objekte und digitale Musikmaterialien und wurde gemeinsam von Prof. Dr. Dieter Fellner und seinem Team an der TU Darmstadt sowie Partnern an der Universität Bonn, zwei Fraunhofer-Instituten und der Bayrischen Staatsbibliothek entwickelt. Das zentrale Problem, das dem Projekt zugrunde liegt: Die Recherche multimedialer Objekte im Bibliothekskatalog über die rein sprachliche Suche ist unter anderem deshalb ungeeignet, weil in den unterschiedlichen Beständen oft verschiedenes Vokabular verwendet wird. Indem Objekte mit Metadaten versehen und entsprechende Schnittstellen zur visuellen und hörbaren Präsentation von 3D- bzw. Musikstücken entwickelt wurden, kann die Suche jetzt über diese Schnittstellen erfolgen.

Um die Archivierung und Digitalisierung von Forschungsdaten aus der Mechanismen- und Getriebetrechnik ging es im Projekt DMG-Lib (Digitale Mechanismen- und Getriebebibliothek), federführend geleitet von Dr. Torsten Brix, Technische Universität Ilmenau. Ob Fachbücher, interaktive Animationen, Filme, Getriebekataloge oder Softwaretools – in der DMG-Lib finden sich unterschiedlichsten Quellen der Mechanismen- und Getriebetechnik, die extrahiert, identifiziert und digitalisiert wurden.

Das Ausgangsproblem, mit dem sich das Projekt OpEN.SC (Open European Nephrology Science Center), beschäftigt hat: Die Datenerfassung in Krankenhäusern ist meistens – oft sogar schon in den einzelnen Abteilungen eines Hauses – nicht einheitlich. Diese Heterogenität der Datenerfassung hat OpEN.SC – geleitet von Dr. med. Thomas Schrader, Universitätsmedizin Berlin – überwunden. Medizinische Daten werden mit den Eigentümern abgestimmt und in einem gemeinsamen Modell integriert. Als Forschungsdaten werden sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt und können – z. B. für Langzeitstudien – wissenschaftlich genutzt werden.

Intensiv diskutiert wurden zum Abschluss des Workshops die Kosten für die Aufrechterhaltung des Betriebs der einzelnen Systeme und die Frage, wie die Projekte nach Abschluss der Förderung weiterfinanziert werden können.

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