Deutschland ist Schlusslicht bei Organspenden: Widerspruchslösung muss diskutiert werden

„Im Durchschnitt sterben in Deutschland täglich mehr als zwei Patienten, die auf der Warteliste stehen, weil das lebensrettende Organ fehlt“, klagt Professor Dr. med. Rainer Blasczyk. Dass es in jedem anderen Land in Europa mehr Spenderorgane als in Deutschland gibt, liegt laut Blasczyk an der dort geltenden Widerspruchslösung: „In dem von der WHO empfohlenen System gilt: Wer zu Lebzeiten der Organspende nicht widerspricht, gilt als Organspender.“ Damit wurde beispielsweise in Spanien die Organspende zum Normalfall. Patienten warten dort nur ein Jahr auf eine Spenderniere, hierzulande dagegen über sechs Jahre. Grund hierfür sehen die Experten in der in Deutschland geltenden Entscheidungslösung. Das heißt, die aktive Zustimmung – auf einem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung – ist Voraussetzung für eine Organspende.

„Ohne Widerspruchslösung ist keine relevante Zunahme der postmortalen Organspende zu erreichen“, so Blasczyk. In Deutschland seien deshalb mutige politische Diskussionen und Entscheidungen nötig, um die eigentlich überwältigende Zustimmung der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger zur Organspende in die richtigen Bahnen zu lenken. „Die Erfahrungen aller europäischen Länder haben gezeigt, dass die Einführung der Widerspruchslösung das einzige Mittel ist, um die hohe Bereitschaft zur Organspende auch tatsächlich umzusetzen“, ist Blasczyk überzeugt.

Forscher suchen derweil nach technischen Alternativen. Professor Blasczyk arbeitet mit Kollegen aus Hannover an sogenannten „unsichtbaren“ Organen, die vom Immunsystem des Empfängers nicht erkannt werden können. Mit dem „Organ Engineering“ könnte die Abstoßung fremder Organe verhindert werden. Dem Patienten bliebe darüber hinaus die Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, und damit deren Nebenwirkungen erspart. Wenn keine wiederholten Transplantationen nach Abstoßungsreaktionen nötig sind, würden für mehr Patienten Organe zur Verfügung stehen.

„Bisher ist ein Organ durch nichts zu ersetzen“, erklärt Blasczyk. „Die Rettung vor dem Tod auf der Warteliste kann nur gelingen, wenn es ausreichend Menschen gibt, die zur Organspende bereit sind. Es bedarf darüber hinaus einer Politik, die das Thema Organspende mit Mut diskutiert.“

***Bei Veröffentlichung Beleg erbeten***

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Pressekonferenz im Rahmen der 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI)
Termin: Mittwoch, 19. September 2018, 13.00 bis 14.00 Uhr
Ort: Lübecker Musik- und Kongresshallen GmbH
Anschrift: Willy-Brandt-Allee 10, 23554 Lübeck

Vorläufige Themen und Referenten

Demografischer Wandel in der Blutspende und im Krankenhaus: Was geschehen muss, um die Blutversorgung für die Zukunft zu sichern
Professor Dr. med. Siegfried Görg
Kongresspräsident der 51. Jahrestagung der DGTI, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Sichere Blutprodukte: Wie wir Empfänger vor Infektionen schützen
Professor Dr. med. Holger Hennig
Kongresspräsident der 51. Jahrestagung der DGTI, stellvertretender Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck

Immun gegen Spenderblut: Wie hilft man Menschen mit seltenen Blutgruppen?
Professor Dr. med. Harald Klüter
1. Vorsitzender der DGTI, Institut für Transfusionsmedizin und Immunologie, DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen gGmbH, Medizinische Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg

Mangel an Spenderorganen: Rettung vor dem Tod auf der Warteliste
Professor Dr. med. Rainer Blasczyk
Leiter des Instituts für Transfusionsmedizin, Medizinische Hochschule Hannover

Moderation: DGTI-Pressestelle, Stuttgart

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Kontakt für Journalisten:
Pressestelle DGTI
Carina Tenzer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-361
Fax: 0711 8931-167

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