Deutscher Tofu: Forscher macht Soja fit für Klima in Mitteleuropa

In Stuttgart und am Oberrhein wachsen sie bereits: Ein Züchtungsforscher der Universität Hohenheim passt Sojabohnen an deutsche Wetterverhältnisse an. Denn der Markt boomt, die Tofu-Nachfrage wächst Jahr für Jahr und auch Soja-Milch verkauft sich immer besser. Außerdem hat die Pflanze aus Ostasien einen sehr hohen Futterwert – und ist ein ökologisch einwandfreier Boden-Verbesserer.

Europas größtes Tofu-Werk steht in Freiburg. Auch Öko-Landwirte aus der Oberrheinischen Tiefebene beliefern die Fabrik mit Soja. Die gesamte deutsche Anbaufläche beläuft sich inzwischen auf gut 5.000 Hektar entlang des Rheins und der Donau. „Soja ist ein Wachstumsmarkt“, stellt Dr. Volker Hahn von der Landessaatzuchtanstalt an der Universität Hohenheim fest. „Die Nachfrage nach Tofu-Produkten und Soja-Milch steigt seit Jahren.“

Laut Statistischem Bundesamt haben die deutschen Landwirte 2011 über 3,1 Millionen Tonnen Sojabohnen importiert, um damit ihr Vieh zu füttern. Das meiste aus Brasilien, Paraguay und den USA. Außerdem führte Deutschland 2011 rund 10.600 Tonnen Sojamehl, fast 68.000 Tonnen Sojaöle und über 3,4 Millionen Tonnen Soja-Extraktionsschrot ein.

Dem stehen nur sehr geringe Mengen an Soja-Produkten aus deutscher Produktion gegenüber. Doch diese Zahl sei steigerungsfähig, sagt Dr. Hahn. Voraussetzung dafür seien spezielle Sorten, die mit dem hiesigen Klima besser zurechtkommen. Denn der subtropischen Pflanze setzen die kühlen Sommernächte unserer Breiten zu und sie ist erst im Oktober reif.

Züchtungs-Ziele: Mehr Eiweiß, frühere Ernte, gute Tofu-Qualität

Auf den Feldern der Versuchsstationen Kleinhohenheim und Eckartsweier bei Kehl sät Dr. Hahn Mitte April Soja aus. Der Forscher möchte Soja fit für die Unbilden der deutschen Witterung machen. Sein Ziel sind Öko-Sojabohnen, die bei gleichem Ertrag schon zwei Wochen früher als heute geerntet werden können und einen hohen Eiweißgehalt erzielen. Dadurch wird die Tofu-Ausbeute erhöht. Zusammen mit Tofu-Produzenten führt Dr. Hahn zusätzlich Tests durch, um Sojabohnen zu entwickeln, die eine noch bessere Tofu-Qualität haben.

Gleichzeitig ist Soja aber auch eine wichtige Futterpflanze mit einem sehr hohen Futterwert. Aber: „Viele Tiere vertragen Sojabohnen erst, nachdem sie mit Druck und Dampf erhitzt worden sind. Toasten nennen das die Fachleute“, erklärt Dr. Hahn. Soja könne deshalb in Deutschland bisher nur im näheren Umkreis von Toastereien angebaut und verfüttert werden. Denn die Anlagen sind zu groß und zu teuer, als dass sie ein einzelner Landwirt gewinnbringend auf seinem Hof betreiben kann.

Deutschland soll sich künftig vermehrt selbst mit Soja versorgen

Bislang gibt es nur wenige Toastereien in Deutschland. Dementsprechend lang sind deshalb die Transportwege zu den großen, teuren Anlagen. Der Agrartechniker Ludwig Asam vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) entwickelt deshalb preisgünstige Kleintoastereien. Sie sollen auch schon bei geringen Erntemengen gewinnbringend arbeiten und die Transportkosten einsparen. Auch dafür sind eiweißreiche Soja-Sorten wünschenswert.

„Wenn es uns gelingt, verbesserte Sorten zu züchten, hat Deutschland gute Chancen, die Eigenversorgung mit Öko-Soja in Zukunft auszubauen“, so Dr. Hahn. Das dürfte auch Naturschützer freuen, denn Soja ist ein ökologisch einwandfreier Boden-Verbesserer, weil die Pflanze den Stickstoffgehalt im Boden erhöht. Aber Soja-Selbstversorger werde Deutschland wohl niemals, sagt Dr. Hahn. „Dafür ist die Nachfrage viel zu groß.“

Hintergrund: Forschungsprojekt

Das Forschungsprojekt, an dem Dr. Hahn beteiligt ist, trägt den Titel „Ausweitung des Sojaanbaus durch züchterische Anpassung, sowie pflanzenbauliche und verarbeitungstechnische Optimierung“ und wird gefördert durch das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft. Die Fördersumme für die Universität Hohenheim beträgt rund 127.000 Euro. Mehr Informationen über das Forschungsprojekt unter: http://www.sojainfo.de

Kontakt für Medien:
Dr. Volker Hahn, Universität Hohenheim, Landessaatzuchtanstalt,
Tel.: 07852/91 88 17, E-Mail: volker.hahn@uni-hohenheim.de

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