Deutsche Sporthochschule hebt ab!

Der Weltraum geht an die Substanz – genauer gesagt an Muskel, Knochen und Knorpel. Ohne das passende Trainingsprogramm wären Langzeitaufenthalte im All kaum möglich – nur Training hilft gegen den der reduzierten Schwerkraft geschuldeten Muskel- und Knochenabbau. Aber wie sollte das Training aussehen? Trainieren Astronauten im Weltall richtig? Ist das Krafttraining, das auf der Erde unter den Gesetzen der Schwerkraft entwickelt wurde, auch in der Schwerelosigkeit effektiv? Untersuchungen an den Rückkehrern der Internationalen Raumstation haben gezeigt, dass bestimmte Muskelgruppen noch nicht ausreichend trainiert sind. Im aktuellen Parabelflug-Programm untersucht daher ein Forscherteam der Deutschen Sporthochschule um Projektleiterin Prof. Kirsten Albracht gemeinsam mit Kollegen aus Australien, Berlin, Freiburg und Konstanz mit einem eigens entwickelten Diagnosegerät (Dynamometer) die Kraftgenerierung, die neuronale Ansteuerung sowie das Kontraktionsverhalten der Muskelfaserbündel großer Muskelgruppen der Beine. Ihre Ergebnisse sollen zu effizienteren Trainingsplänen auf der ISS führen und so die Fitness der Astronauten verbessern.

Doch es geht nicht nur um die rein körperliche Fitness der Astronauten sondern auch um die kognitive Leistungsfähigkeit. Astronauten und Kosmonauten sind durch ihre Isolation auf der Raumstation permanentem Stress ausgesetzt. Wie sich solch chronischer Stress auf die kognitive Leistungsfähigkeit auswirkt und ob ein individuelles Sport- und Bewegungsprogramm diesem entgegenwirken kann, versuchen Prof. Dr. Stefan Schneider und sein Team zu beantworten. Während des Parabelfluges absolvieren Probanden das virtuelle Andocken eines russischen Raumschiffes an die ISS – ein Standardbaustein im ISS-Trainingsprogramm. Der innovative Ansatz des Projekts besteht darin, nicht nur objektiv sichtbare Leistungsparameter zu erfassen, sondern durch neurophysiologische Messmethoden auch die zugrundeliegenden Veränderungen im Gehirn zu verstehen. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Bedeutung von Sport und Bewegung für die mentale Gesundheit, im All wie auf der Erde herauszustellen.

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Was passiert bei einem Parabelflug?
Um eine Parabel zu fliegen, führen die Piloten das Flugzeug zuerst steil nach oben und dann in den kontrollierten Sturzflug. Im oberen Bereich der Flugkurve gibt es für 22 Sekunden Schwerelosigkeit. In den Phasen davor und danach herrscht nahezu doppelte Schwerkraft. Da die Piloten die Flugbahn einer in die Luft geworfenen Kugel, also einer Wurfparabel, nachahmen, spricht man von Parabelflügen. Einige Teile der Flugzeugstruktur müssen bei einer Parabel Belastungen aushalten, die bis zu 30 Mal so groß sind wie bei einem normalen Einsatz.

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