Deutsch-Österreichischer AIDS-Kongress (DÖAK) 2015: Frauen und HIV / AIDS

In Deutschland sind rd. 20 Prozent aller HIV-Infizierten Personen Frauen.
Weltweit liegt der Anteil jedoch wesentlich höher, bei rd. 50 Prozent. Der
überwiegende Teil (80 Prozent) dieser Frauen lebt in Subsahara-Afrika.
AIDS ist immer noch weltweit die häufigste Todesursache bei Frauen im
gebärfähigen Alter. Ohne HIV läge die weltweite Müttersterblichkeit um rd.
20 Prozent niedriger (WHO 2010).

Auch die Versorgung HIV-infizierter Frauen in Deutschland ist von dieser
globalen Situation maßgeblich berührt, stammt doch ein Großteil HIVpositiver
Schwangerer in Deutschland aus den betroffenen Regionen
Afrikas. – Zehn Prozent aller HIV positiven, schwangeren Frauen in
Deutschland werden in der HIV-Ambulanz der Düsseldorfer Klinik für
Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie betreut.

Das größte Risiko bei HIV-positiven Schwangeren ist die Übertragung des
Virus auf das Kind. Hier wurden durch Transmissionsprophylaxe in den
letzten 20 Jahren enorme Fortschritte erreicht. Unter guter medizinischer
Betreuung ist es heute möglich, die Übertragungsrate durch rechtzeitige
Medikation der Mutter, Maßnahmen bei und nach der Geburt – wie
Geburtsmodus und Stillverzicht – von 40 Prozent am Ende der 90er Jahre
auf ein bis zwei Prozent heute zu senken. Inzwischen gibt es auch gute und
sichere Möglichkeiten, den bis 2010 als Standard geltenden Kaiserschnitt in
vielen Fällen durch eine vaginale Geburt abzulösen. In der Düsseldorfer Uniklinik kam es seit 2004 zu keiner Übertragung des Virus von der Mutter
auf ihr Kind im Rahmen einer Geburt.
Wurden auf diesem Gebiet auch erhebliche Erfolge erzielt, so stellt gerade
bei Frauen die späte Diagnosestellung (‚late presentation‘), die erst bei
einem fortgeschrittenen Immundefekt oder AIDS-definierenden
Erkrankungen erfolgt, ein erhebliches Risiko für ihren Behandlungserfolg
dar. Gründe sind, dass Frauen keiner offensichtlichen Risikogruppe
zugeordnet werden, wie etwa homosexuelle Männer oder
Drogenabhängige. Daher werden mögliche Marker-Erkrankungen im
ärztlichen Alltag nicht als solche wahrgenommen und getestet.
Zahlen zeigen zudem, dass die ‚late presentation‘ nicht von einer
ethnischen Zugehörigkeit abhängt, sondern Frauen an sich betrifft (RESINA
Studie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf). Aus Sicht der
Wissenschaftler ist es notwendig, diese Alarmsignale ernst zu nehmen und
sowohl in Leitlinien Konsequenzen zu ziehen als auch bei Behandlern und
in der Bevölkerung das Bewusstsein dafür zu schärfen.

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