Deutsch-koreanische Kooperation in der Plasmamedizin

Während die medizinische Anwendung von kalten Atmosphärendruckplasmen in zahlreichen deutschen Kliniken etabliert ist, steht dieser Schritt im asiatischen Raum noch bevor. Seit 2013 sind drei Plasmageräte in Europa zugelassen, darunter der am INP entwickelte kINPen® MED. Es ist absehbar, dass weitere Produkte in diesem Bereich auf den Markt kommen werden. Derzeit gestaltet es sich jedoch schwierig, diese Geräte und deren Wirksamkeit ebenso wie deren Sicherheit miteinander zu vergleichen. Daher haben das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald sowie das Plasma Bioscience Research Institute der Kwangwoon University Seoul ihre Forschungsaktivitäten gebündelt, um gemeinsame Standards und Diagnostiken in der Plasmamedizin zu definieren. Mit der offiziellen Eröffnung des „Applied Plasma Medicine Centers“ (APMC) im Februar 2017 wurde diese Zusammenarbeit im Rahmen des ersten APMC- Workshops institutionalisiert. Erstmals wurde ein Leibniz-Institut zum Partner eines koreanischen Exzellenzforschungsprogramms.

„Wir streben eine Harmonisierung der Testmethoden für Plasmageräte an und wollen vergleichbare Ergebnisse erzielen“, sagt der Leiter des Forschungsschwerpunkts Plasmamedizin am INP, Prof. Thomas von Woedtke. „Das Ziel ist, eine internationale Norm zu etablieren, um Plasmatechnologien weltweit auf neue Anwendungsbereiche in der Medizin übertragen zu können.“

Im ersten Jahr seit Eröffnung des APMC waren Forscher des INP Greifswald an insgesamt 126 Tagen in Seoul, um die jeweils unterschiedlichen Methoden und Geräte zu testen. Die bei dieser Forschungsarbeit gewonnenen Daten sollen den Schritt in den Klinikalltag vorbereiten. „Genehmigungsverfahren für medizinische Produkte sind in Korea genauso aufwändig wie in Deutschland“, sagt Dr. Kai Masur, Leiter der Forschungsgruppe Plasma-Wundheilung am ZIK plasmatis, einem interdisziplinären Forschungszentrum am INP. „Wir empfinden es als große Ehre, dass wir unsere koreanischen Partner auf diesem Weg begleiten können.“

Bei einem zweiten Workshop des APMC am 22./23. März im Biotechnikum Greifswald wollen Plasma-Forscher aus beiden Ländern über die bisherigen Ergebnisse und Erfolge berichten. Die Veranstaltung findet im Anschluss an den Internationalen Workshop on Plasma for Cancer Treatment (IWPCT) statt, zu dem am 20./21. März rund 120 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 21 Ländern in der Universitätsmedizin Greifswald und im INP erwartet werden.

Über das INP Greifswald:

Plasma ist nach fest, flüssig und gasförmig der vierte Aggregatzustand, den Materie annehmen kann. Das elektrisch leitfähige Teilchengemisch aus Atomen, Ionen, Elektronen und Molekülen entsteht dann, wenn einem neutralen Gas weiter Energie zugeführt wird. Dieses natürliche Phänomen findet man in Blitzen, in der Sonne oder in Polarlichtern. Am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP), der größten außeruniversitären Forschungseinrichtung für Niedertemperaturplasmen in Europa, forschen rund 200 Mitarbeitende an Technologien, die zur Beschichtung von Oberflächen, Dekontamination von Lebensmitteln, Reinigung von Abwässern, zur Behandlung von Hautkrankheiten und chronischen Wunden sowie in der Elektrotechnik eingesetzt werden. Das INP betreibt anwendungsorientierte Grundlagenforschung und bietet auch kundenspezifische Lösungen, Studien sowie Beratungen für die Industrie an. Viele Innovationen führten bereits zur Entwicklung von Prototypen und Ausgründungen.

Für weitere Informationen:

Dr. Kai Masur
Leiter der Forschungsgruppe Plasma-Wundheilung am ZIK plasmatis
Telefon: +49 3834 554-3322
E-Mail: kai.masur@inp-greifswald.de

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