Der Wandel der Medizintechnik-Branche: Vom Produkthersteller zum Anbieter medizinischer Lösungen

Innovative medizinische Technologien tragen wesentlich dazu bei, dass die Menschen bis ins hohe Alter ein aktives Leben führen können oder dass die soziale Teilhabe von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen gesichert ist. Nur eine leistungsfähige Gesundheitswirtschaft ist in der Lage, die Mittel für eine gute Gesundheitsversorgung bereitzustellen. Deshalb hat das Bundesforschungsministerium gemeinsam mit dem Bundesgesundheits- und dem Bundeswirtschaftsministerium 2011 den Nationalen Strategieprozess „Innovationen in der Medizintechnik“ in Gang gesetzt. Im Rahmen des Strategieprozesses diskutierten Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesundheitsversorgung, Selbstverwaltung und Politik die Herausforderungen für Innovationen im Bereich Medizintechnik. Ziel war und ist, an den Nahtstellen zwischen Forschungs-, Gesundheits- und Wirtschaftspolitik die Grundlagen für eine Innovationspolitik aus einem Guss zu schaffen. Forschung soll sich stärker als bisher am medizinischen Bedarf ausrichten und in anwendungsfähigen Produkten münden, die tatsächlich geeignet sind, die Gesundheitsversorgung zu verbessern. Themen-, zielgruppen- und strukturspezifische Fördermaßnahmen sollen die staatlichen Impulse dafür setzen und den Wandel der Branche vom Produkthersteller zum Anbieter medizinischer Lösungen unterstützen.

Nur knapp ein Jahr nach der Strategiekonferenz 2014 schreibt der Nationale Strategieprozess bereits Erfolgsgeschichte. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat Förderprogramme zu den dringlichen Themen Mehrfacherkrankungen und individualisierte Medizintechnik angestoßen. Die Fördermittel für das Programm „KMU-innovativ Medizintechnik“ wurden auf 20 Millionen Euro im Jahr verdoppelt. Bis zu 30 Millionen Euro werden in den kommenden vier Jahren für sogenannte Industrie-in-Klinik-Plattformen bereitgestellt. Hier arbeiten Entwickler von Medizinprodukten Hand in Hand mit Medizinern, die Anwender und zugleich Ideengeber für neue Produkte sind.
Eine Förderung in ähnlicher Höhe wird auch für die jüngste Fördermaßnahme angestrebt: „Medizintechnische Lösungen für eine digitale Gesundheitsversorgung“. Die Digitalisierung birgt riesige Chancen für das Gesundheitssystem. Sie ermöglicht völlig neue Behandlungsansätze. Sie entlastet Ärzte und unterstützt Patienten. Sie erleichtert die Kommunikation über die Sektorengrenzen hinweg.

Neben neuen Förderinitiativen hat das BMBF zudem die Nationale Informationsplattform Medizintechnik – Medizintechnologie.de – initiiert. Die Geschäftsstelle Nationaler Strategieprozess, die bei der VDI Technologiezentrum GmbH als Projektträger Gesundheitswirtschaft des BMBF angesiedelt ist, setzt die Plattform in Kooperation mit Forum MedTech Pharma e.V. um. Der Nationale Strategieprozess hat klar herausgestellt, dass der Informationsaustausch zwischen privatem Sektor und öffentlicher Hand rund um das Thema Innovation verbessert werden muss. Neben einem umfangreichen Datenbankangebot und tagesaktuellen Branchen-Nachrichten bietet das Webportal Hintergrundberichte und Dossiers über medizinische Bedarfe, technologische Trends, politische und regulatorische Rahmenbedingungen.

Herzstück der Plattform ist ein Medizinprodukte-Lotsendienst. Der Weg von der Idee für ein innovatives Produkt bis zur Einführung in den Markt ist anspruchsvoll. Der Lotsendienst gibt ganz konkrete Hilfestellung. Er beantwortet Fragen wie: „Was sind die Voraussetzungen für die Forschungsförderung? Wie muss eine klinische Studie designt sein? Was sind die Voraussetzungen für die Zertifizierung? Wie erobere ich den nationalen und den internationalen Markt?“ Der Lotsendienst geht online anlässlich der Connecting Healthcare IT, Industriemesse und Kongress zu IT-gestützten Lösungen für das Gesundheitswesen, die vom 14. bis 16. April 2015 in Berlin stattfinden.

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