Der Tröster gegen Einsamkeit

(djd). Irgendwann saß Karsten H. bei seinem Hausarzt und konnte nicht mehr an sich halten. Als der Mediziner ihm erklärte, dass es mit seinem Alkoholkonsum so nicht weitergehen könne, war dem 72-Jährigen klar geworden, dass er von dem „Tröster“ gegen die Einsamkeit nach dem Tod seiner Frau abhängig geworden war. So wie H. ergeht es immer mehr Senioren: Schätzungen zufolge haben 400.000 Deutsche über 65 Jahre ein deutliches Alkoholproblem. Die Dunkelziffer könnte noch höher sein, weil „Kontrollmechanismen“ wie Arbeitskollegen nicht mehr greifen. Oft geht bei Älteren mit dem Verlust des Partners das Suchtverhalten einher. Viele Senioren verkraften aber auch den Übertritt in den Ruhestand nicht und bekämpfen die Minderung des Selbstwertgefühls oder auch schmerzhafte Erkrankungen mit Alkohol.

Heilung gibt es nicht

Hat sich ein Betroffener wie Karsten H. eingestanden, dass er alkoholabhängig ist und die Sucht als Krankheit akzeptiert, kann die individuelle Therapie festgelegt werden. Die Behandlung beginnt mit einem Entzug, der stationär oder ambulant durchgeführt wird. Eine komplette Heilung von einer Alkoholabhängigkeit gibt es aber nicht – das Ziel einer Therapie ist die vollständige, lebenslange Abstinenz bei langfristiger Rückfallfreiheit – Infos sind unter http://www.tipps-gegen-sucht.de/alkohol nachzulesen. Begleiten und unterstützen können Beratungsstellen und der Hausarzt.

Rückfallrisiko senken

Prof. Dr. Falk Kiefer ist stellv. ärztlicher Direktor der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Er weist darauf hin, wie schwierig es sei, die Patienten nach dem Entzug bei der Enthaltsamkeit zu unterstützen. Seitens einer medikamentösen Therapie gebe es aber Möglichkeiten, auf das Belohnungssystem einzuwirken: „Hier ist insbesondere die Substanz Naltrexon zu nennen“, betont Prof. Kiefer. Sie sei in Deutschland seit etwa eineinhalb Jahren zur Senkung des Rückfallrisikos, zur Unterstützung der Abstinenz und Minderung des Verlangens nach Alkohol als Teil einer umfassenden Therapie bei alkoholabhängigen Erwachsenen zugelassen.

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