Der Tomatenfisch für BMBF-Forschungspreis „Nachhaltige Entwicklungen“ nominiert

Hochwertiges tierisches Eiweiß produzieren und dabei rekordverdächtig wenig Wasser verbrauchen und das mit einer ausgeglichenen CO2-Bilanz – mit diesen Argumenten hat das Aquaponiksystems ASTAF-PRO „Tomatenfisch“ die Jury überzeugt.
(Kurzbegründung der Jury: http://www.nachhaltigkeitspreis.de/1252-0-IGB.html)

Am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) forscht die Arbeitsgruppe Aquakultur von Prof. Werner Kloas daran, Fischzucht nachhaltig zu gestalten. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt ASTAF-PRO (Aquaponiksystem zur nahezu emissionsfreien Tomaten- und Fisch-Produktion in Gewächshäusern), auch „Tomatenfisch“ genannt, haben die Wissenschaftler ein System entwickelt, mit dem durch die Kombination von Fisch- und Gemüsezucht Wasser eingespart werden kann und das im Fischkreislauf entstandene Nitrat und andere Nährstoffe als natürlicher Pflanzendünger verwendet werden.
Die Kombination von Aquakultur (Fischzucht) und Hydroponik (Gemüsezucht mit Nährfilmtechnik) nennt man Aquaponik.
Bei ASTAF-PRO ist der Fischkreislauf über ein Einwegventil mit den Pflanzrinnen der Hydroponikanlage verbunden. Das Wasser mit den Nährstoffen fließt von den Fischbecken über den mechanischen und den Biofilter zu einem Nährfilmtank. Hier wird der pH-Wert für die Pflanzen optimiert, bevor das nährstoffreiche Wasser in die Pflanzrinnen fließt. Das Wasser fließt also von der Aquakultur zur Hydroponik, aber nicht wieder zu den Fischen zurück. Das Gemüse in den Pflanzrinnen wächst auf Steinwolle statt auf Erde. Der Vorteil: die Wurzeln werden von der Nährlösung umspült und können Wasser und Nährstoffe optimal aufnehmen. Die Pflanzen geben über die Blätter Wasserdampf ab, dieses wird in Kühlfallen rekondensiert und wieder der Aquakulturanlage zugeführt. Durch die Wasserrückgewinnung ist der Gebrauch von Frischwasser in diesem System minimal – statt 10 – 25 Prozent des Gesamtvolumens wie in herkömmlichen Anlagen, müssen weniger als 3 Prozent Frischwasser pro Tag ersetzt werden.
Diese Kombination von Fischzucht und Hydroponik über ein Einwegventil und die Wasserrückgewinnung sind eine einzigartige vom IGB in 38 Ländern patentierte Technologie: Die einzusetzenden Ressourcen werden also durch die mehrfache Nutzung von Energie, Wasser und Nährstoffen maximal geschont. So können beispielsweise mit 220 L Wasser 1 kg Fisch und 1,6 kg Tomaten produziert werden. In herkömmlichen geschlossenen Fischkreislaufanlagen werden 600-1000 L Wasser eingesetzt, um 1 kg Fisch zu erhalten, und etwa 1000 L Wasser, um 1,6 kg Tomaten zu züchten. Das in der Fischzucht produzierte CO2 wird bei ASTAF-PRO fast vollständig wieder von den Pflanzen gebunden.
Das System eignet sich aufgrund der effizienten Wassernutzung besonders in trockenen Gebieten. In unseren Breitengraden ist eine Kombination mit Biogasanlagen sinnvoll: Die bei der Biogasproduktion entstehende Abwärme kann genutzt werden, um das Gewächshaus und die Fischbecken zu erwärmen.

Kontakt:
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Projektleiter Prof. Dr. Werner Kloas
Tel: (030) 64181630
E-Mail: werner.kloas@igb-berlin.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Nadja Neumann
Tel: (030) 64181631
E-Mail: nadja.neumann@igb-berlin.de

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