Der kranke Mensch als Mensch

Die Medizin der Gegenwart ist in ihrem Krankheitsverständnis, in Wissensbeständen und Handlungsweisen auf den kranken Körper des Menschen hin ausgerichtet. Ihre Verfahrensweisen sind an Naturwissenschaften und Statistik orientiert. Der kranke Mensch als Mensch, mit seiner Subjektivität, Biografie und seinen sozialen Beziehungen ist in der Produktion und Vermittlung von medizinischem Wissen weitgehend an den Rand gerückt, ebenso die kulturellen Kontexte. Mit diesem Thema beschäftigt sich am Mittwoch, 25. Oktober 2017 das Symposium „Zur Bedeutung der Kulturwissenschaften für die Medizin“ des Instituts für Geschichte der Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU).

Referentinnen und Referenten unter anderem aus Berlin, Zürich und Oxford beschäftigen sich mit der Frage, ob und in welcher Weise die Kulturwissenschaften eine wichtige Ergänzung für die Medizin darstellen können, mit einem eigenem Fundus an Begriffen, Methoden und Wissensbeständen sowie mit Anregungen zur Selbstreflexion in der Medizin. Dr. Werner Bartens, Leitender Redakteur im Wissenschaftsressort der „Süddeutschen Zeitung“, moderiert das Symposium.

Auf dem Symposium wird auch das Buch „Vom Menschen in der Medizin – Für eine kulturwissenschaftlich kompetente Heilkunde“ von Prof. Dr. Volker Roelcke, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin, vorgestellt. Darin plädiert er für einen Perspektivwechsel im medizinischen Denken und Handeln.

Programm:

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 11 Uhr bis 18.30 Uhr , Hörsaal 2, Medizinisches Lehrzentrum (MLZ), Klinikstraße 29, Gießen

Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Volker Roelcke (Institut für Geschichte der Medizin, Gießen)

„Bodylotion aus dem Kulturbeutel: Was Körpergeschichte und Kulturwissenschaften zur Medizin beitragen“
Dr. Werner Bartens („Süddeutsche Zeitung“, München)

„Kulturwissenschaftliche Ansätze in Psychiatrie und Psychotherapie“
Prof. Dr. Andreas Heinz (Charité Berlin)

„Popkultur im Wechselspiel mit Medizin und ihre Bedeutung in Therapie und Forschung“
Prof. Dr. Heiner Fangerau (Universität Düsseldorf)

„‚Fleisch am Knochen‘ – die Wichtigkeit eines kulturwissenschaftlich vertieften Verständnisses der Medizin aus ethischer Perspektive“
PD Dr. Tanja Krones (Universität Zürich)

„Kulturwissenschaften in der Kardiologie, oder: Der Arbeitstag eines Assistenzarztes“
Dr. Jochen Dutzmann (Medizinische Hochschule Hannover)

„Literaturwissenschaft im Medizinstudium: Ein Feldversuch“
Prof. Dr. Joachim Jacob (Institut für Germanistik, Gießen)

„Diagnose ‚Rechtlosigkeit‘: Medizinethnologische Einblicke in die gesundheitlichen Konsequenzen von Asyl- und Aufenthaltsstatus in Deutschland“
PD Dr. Michael Knipper (Institut für Geschichte der Medizin, Gießen)

„Multiple efficacies: three different medical anthropological approaches to treatment evaluation”
Prof. Dr. Elisabeth Hsu (University of Oxford)

„Patient Avatars und das vergessene Können Heilkundiger“
Prof. Dr. Cornelius Borck (Universität Lübeck)

Podiums- und Abschlussdiskussion (ab 17.45 Uhr):
PD Dr. Walter Bruchhausen (Universität Köln), Prof. Dr. Johannes Kruse (Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie, Gießen), Prof. Dr. Dirk van Laak (Universität Leipzig), Prof. Dr. Nicolas Pethes (Universität Köln)
Moderation: Dr. Werner Bartens

Termin:

Mittwoch, 25. Oktober 2017, 11 bis 18.30 Uhr, Hörsaal 2, Medizinisches Lehrzentrum (MLZ), Klinikstraße 29, Gießen

Kontakt:

Prof. Dr. Volker Roelcke, Institut für Geschichte der Medizin
Telefon: 0641 99-47700
E-Mail: Volker.Roelcke@histor.med.uni-giessen.de

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