Der genetische Schlüssel zur besseren Therapie

Neue Hoffnung für Menschen, die an Hepatitis C erkrankt sind: Die gezielte Unterdrü-ckung eines Gens kann auch jenen Patienten helfen, die auf die üblichen Kombinations-therapien nicht ansprechen. Über 170 Millionen Menschen sind weltweit mit dem Hepati-tis-C-Virus infiziert und tragen die chronische Krankheit in sich. Während der Großteil davon auf die klassischen Kombinationstherapien mit Interferon-α und Ribavirin an-spricht, zeigen die Mittel – je nach Virustyp – bei bis zu 50 Prozent der Patienten nicht die gewünschte Wirkung.

Hepatologen am Universitätsklinikum Essen haben nun erforscht, warum die Medika-mente einigen Patienten helfen und anderen nicht – und sind dabei auf die Funktions-weise eines ganz bestimmten Gens gestoßen. „Wenn Hepatitis-C-Viren nicht auf eine Kombinationstherapie ansprechen, dann hängt das mit einer Überproduktion des Interfe-ron Stimulierten Gens 15 (ISG15) in der Leber zusammen“, erklärt Prof. Dr. Jörg Fried-rich Schlaak, Gastroenterologe und Hepatologe am Universitätsklinikum Essen. „ISG15 begünstigt die Replikation der Hepatitis-C-Viren, daher verstärkt sich die Viruslast im Körper.“ Ob ein Organismus dabei mehr oder weniger ISG15 ausschüttet, ist zum gro-ßen Teil genetisch bedingt. So kann ein Gentest schon vor dem Beginn einer Behand-lung zeigen, ob die klassische Kombinationstherapie gegen Hepatitis C anschlagen wird oder nicht. Eine Behandlung kann deshalb künftig sehr viel zielgerichteter erfolgen.

Das Virus macht sich ein ganz bestimmtes Gen zu Nutze

„ISG15 wird von ganz bestimmten Abwehrstoffen, so genannten Interferonen, induziert“, sagt Prof. Schlaak. Eigentlich wird den Interferonen eine antivirale Wirkung zugeschrie-ben. „Das Hepatitis-C-Virus schafft es aber, sich ISG15 zu Nutze zu machen und es so zu stimulieren, dass andere Gene, die das Virus hemmen würden, nicht mehr so stark zum Zuge kommen.“ Das Virus hat dann freie Bahn – und kann sich ungestörter ausbrei-ten. „Die Erkenntnis darüber, welcher Mechanismus hinter dem Zusammenspiel der ein-zelnen Gene und dem Hepatitis-C-Virus steckt, ebnet den Weg für neue Therapiekon-zepte“, betont Prof. Schlaak. So kann eine Kombinationstherapie mit Interferon-α und Ribavirin dadurch verstärkt werden, dass man zugleich Hemmstoffe, beispielsweise so genannte siRNAs, einsetzt, die eine vermehrte Bildung von ISG15 unterbinden. „Eine Absenkung von ISG15 auf normales Niveau reicht möglicherweise aus, um auch jenen Menschen, bei denen eine Kombinationstherapie bislang wirkungslos war, mit diesen Standardmedikamenten zu helfen. Die Therapie schlägt dann nach einer Herunterrege-lung von ISG15 sehr viel besser an.“ Diese Beobachtung wurde zwischenzeitlich auch von anderen Forschern bestätigt.

Studie soll patientenorientierte Therapie ermöglichen

Mit einer groß angelegten Studie wollen die Essener Forscher nun herausfinden, ob es noch weitere Marker gibt, die erkennen lassen, welche Therapie bei welchen Patienten optimal wirkt. „Unser Ziel ist es, in ein paar Jahren auf den individuellen Patienten abge-stimmte Therapien auf den Weg zu bringen. Damit wir jene Menschen mit dieser chroni-schen Erkrankung, die nicht auf eine bestimmte Therapie ansprechen, erst gar nicht mit den Nebenwirkungen der Behandlung belasten müssen“, erläutert Prof. Schlaak. Die Ergebnisse seiner Forschungsgruppe zum Thema ISG15 erscheinen in Kürze mit einem Beitrag in der renommierten Fachzeitschrift „GUT“.

Weitere Informationen zu diesem Thema erhalten Sie bei:
Prof. Dr. Jörg Friedrich Schlaak
Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
45147 Essen
Tel. 0201-723-2518
E-Mail: joerg.schlaak@uni-due.de
(idw, 05/2010)

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