Depressionen: Antidepressiva senkt die Suizidalität und hilft dadurch Selbstmorde zu verhindern

Suizid, Aggressivität und Gewaltbereitschaft durch Antidepressiva? Die jüngste Berichterstattung in den Medien hat zu einer großen Verunsicherung bei Patienten geführt – nicht nur bei solchen, die mit Antidepressiva behandelt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) nimmt dies zum Anlass, um über die Chancen und Risiken der Behandlung von Depressionen mit SSRI aufzuklären. Antidepressiva sind keine „Glückspillen“. Dieser Begriff, der manchmal auf Serotonin-Rückaufnahmehemmern (SSRI) angewandt wird, ist ebenso falsch wie stigmatisierend. Bei Antidepressiva handelt es sich um verschreibungspflichtige Medikamente, die für die Heilbehandlung einer schweren Erkrankung eingesetzt werden – und die nach strenger Indikationsstellung verordnet werden sollten. Sie bewirken kein „Glück“, stattdessen beseitigen oder mindern sie die Krankheit „Depression“. Damit ermöglichen sie es Menschen mit depressiven Erkrankungen sich aus negativen Gefühlen und Hoffnungslosigkeit zu befreien, um wieder positive Gefühle empfinden zu können. Bei Gesunden werden keine positiven Gefühle induziert. Antidepressiva lapidar als „Glückspillen“ zu bezeichnen, verharmlost das Leiden der Betroffenen.

Depressionen gehen grundsätzlich mit einem erhöhten Suizidrisiko einher. Schätzungen gehen davon aus, dass bei 30 bis 70 Prozent der vollzogenen Suizide eine Depression vorlag. Die antidepressive Behandlung senkt die Suizidalität – das wurde insbesondere für SSRIs belegt. Eine Erhöhung der Suizidrate und -versuchen durch Antidepressiva ist hingegen nicht bewiesen. Patienten können nicht aufgrund, sondern trotz der Behandlung mit SSRI Suizidtendenzen entwickeln oder suizidal handeln. Bei den allermeisten zeigt die Behandlung jedoch die gewünschte Wirkung. Das ist für Erwachsene eindeutig durch empirische Forschung belegt.

Uneinheitlich ist die Datenlage bei Patienten unter 25 Jahren. Dort ist aufgrund des ohnehin erhöhten Suizidrisikos besondere Sensibilität in der antidepressiven Behandlung geboten. Daher sollte die Therapie nur durch Fachärzte erfolgen.
„Wechselwirkungen von Psyche und Psychopharmaka sind niemals vollständig berechenbar. Deshalb ist der regelmäßige Kontakt zwischen behandelndem Arzt und Patient essentiell: Bei jedem Patienten ist die Therapie sorgfältig nach Nutzen und Risiken abzuwiegen und zu überwachen – das gilt für SSRIs, aber auch für alle anderen Arzneimittel und Therapien“, so DGPPN-Präsident Professor Wolfgang Maier.

„Es ist wichtig, dass wir sachlich und objektiv über die Behandlung psychisch kranker Menschen mit Antidepressiva informieren“, so Professor Maier weiter. „Vor Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva muss selbstverständlich über die Krankheit Depression, daraus resultierenden Gefährdungen sowie über das Nutzen/Risikoprofil der Therapie aufgeklärt werden, unter Beachtung aller möglichen Gefährdungen und Nebenwirkungen.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Wolfgang Maier
Präsident DGPPN
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Sigmund-Freud-Str. 25
53105  Bonn
Tel.: 0228-28715723
Fax: 0228-287-16097
E-Mail: wolfgang.maierukb.uni-bonn.de

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