Den scharfen Blick behalten

Von unserer dtd-Korrespondentin Paula Schmidt

(dtd). Es kann lebenswichtig sein, einen scharfen Blick zu haben – vor allem im Straßenverkehr. Aber auch sonst spielen die Augen eine wichtige Rolle im Alltag, schließlich werden über sie mehr als 70 Prozent aller Aktivitäten angeregt. Das sagt der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands, und Experten geben Tipps, was sich gegen Sehschwäche und Augenkrankheiten unternehmen lässt.
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Immer mehr Menschen kommen ohne Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr aus – egal, ob sie kurz- bzw. weitsichtig sind, oder unter einer Hornhautverkrümmung leiden. Selbst diejenigen, die lange gute Augen hatten, müssen im Alter ab 40 Jahren die Speisekarte immer weiter von sich weg halten, um die kleine Schrift noch lesen zu können. Was lässt sich tun, um den scharfen Blick zu behalten und dabei ohne die lästige Sehhilfe auszukommen, die ja oft besonders bei der Arbeit oder beim Sport stört?

Eine Augenlaserbehandlung mit Lasik ist in solchen Fällen zum Beispiel ein seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich anerkanntes Verfahren. „Negative Langzeitfolgen einer solchen Operation sind nicht bekannt. Die Erfolgsquote liegt bei annähernd 100 Prozent“, sagt Matthias Maus, Leiter der „Sehkraft“-Augenzentren in Köln und Berlin. Mit über 30.000 Operationen gilt er als einer der erfahrensten Lasik-Operateure weltweit. Und so läuft der Eingriff ab: Die Augen werden vorher mit Augentropfen betäubt. Daraufhin wird zuerst ein nur 0,1 mm dünnes Hornhautdeckelchen kreiert. Zu diesem Zweck verwendet man entweder ein Präzisionsmesser oder einen speziellen Laser. Das Deckelchen wird vorsichtig zurückgeklappt. Auf der nun freiliegenden mittleren Schicht der Hornhaut trägt der Operateur dann mithilfe eines Lasers Gewebe so ab, dass er die gewünschte Korrektur erzielt. Experte Matthias Maus: „Danach wird das Deckelchen wieder zurückgeklappt und saugt sich von alleine an. Das eigentliche Lasern dauert im Durchschnitt nur sieben Sekunden, der gesamte Eingriff etwa zwölf Minuten für beide Augen.“

Schon nach einem Tag wieder joggen

Während der OP spürt der Patient lediglich einen leichten Druck beim Erstellen des Hornhautdeckelchens. Lässt die Betäubung nach, können die Augen etwa vier bis sechs Stunden etwas brennen. Oder der Patient bemerkt ein Fremdkörpergefühl und seine Augen tränen häufig. Matthias Maus: „Wir bieten für diese Zeit ein leichtes Schmerzmittel an. In der Regel kann man aber abends schon wieder ausgehen.“ Schon einen Tag nach einer Augen-Lasik-Operation können die Betroffenen wieder joggen, Tennis spielen oder sogar im Meer schwimmen. Die erreichte Sehschärfe bleibt nach Aussage von Dr. med. Bertram Meyer, Augenarzt und Laserspezialist im Augencentrum Köln, nach der Laserbehandlung grundsätzlich über viele Jahre stabil. Eine Nachkorrektur sei lediglich in zwei bis drei Prozent der Fälle erforderlich.

Der brillenlose Blick hat jedoch seinen Preis: Nach Angaben von Daniela Betz von den Ergo Direkt Versicherungen liegen die Kosten einer Augen-Lasik-Operation bei etwa 2.000 bis 3.000 Euro pro Auge. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich daran im Regelfall nicht. Mit privaten Zusatzversicherungen können gesetzlich Versicherte heute indes zumindest einen Teil der Kosten einer Augen-Lasik-Operation vermeiden. Ein Eingriff im Ausland bedeutet dagegen keine risikolose Alternative. Karl Schmiedt, Augenarzt an der Augenklinik am Neumarkt in Köln und Spezialist für Laserchirurgie dazu: „Die ärztliche Sorgfaltspflicht gebietet es, bei einer solchen OP einen hohen Aufwand zu betreiben, um die größtmögliche Sicherheit und Qualität zu gewährleisten. Dieser Aufwand bezieht sich sowohl auf die umfangreichen Voruntersuchungen und die OP-Planung als auch auf die operative Leistung und die Nachsorge.“ Ob man dazu in ausländischen Kliniken in jedem Fall in der Lage ist, bleibt fraglich.

Linsentausch bei Grauem Star

Allerdings kann nicht jede Art von Sehschwäche mit dem Laser korrigiert werden. Vor allem bei älteren Patienten muss der Arzt überprüfen, ob sich nicht schon ein Grauer Star (Katarakt) abzeichnet. Typische Symptome sind, dass die Patienten wie durch einen leichten Schleier sehen, der mit der Zeit immer dichter wird. Oft nimmt auch die Blendungsempfindlichkeit zu. „In diesen Fällen würde man dann die natürliche Linse durch eine hochmoderne künstliche Linse ersetzen, die gleichzeitig die Fehlsichtigkeit korrigiert und den Grauen Star beseitigt“, erläutert Matthias Maus von den „Sehkraft“-Augenzentren in Köln und Bonn. Und sein Kollege Dr. med. Bertram Meyer, Augenarzt und Laserspezialist im Augencentrum Köln muss diejenigen enttäuschen, die ihre reine Alterssichtigkeit – also die Notwendigkeit einer Lesebrille oder eine Lupe – gern durch eine Augenlaserbehandlung korrigieren lassen würden: „Das ist nicht möglich. Wir können allerdings mit speziellen Abtragungsprofilen die Alterssichtigkeit etwas hinauszögern. Außerdem kann es sinnvoll sein, mit der sogenannten Monovision – also ein Auge für die Ferne und das andere Auge für die Nähe – einen alltagstauglichen Kompromiss einzugehen.“
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Stopp den Star: Regelmäßig zum Augenarzt

(dtd). Wer seinen Augen traut und glaubt, so lange sie anscheinend einwandfrei funktionieren, müsse er nicht zum Arzt gehen, irrt: Viele Augenerkrankungen verlaufen schleichend, und die Betroffenen bemerken Veränderungen erst, wenn schon irreparable Schäden am Auge aufgetreten sind. „Unbehandelt kann beispielsweise der Grüne Star (Glaukom) zur Erblindung führen“, sagt Prof. Dr. med. Bernd Bertram, Facharzt für Augenheilkunde in Aachen und Erster Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V. Auch die Makuladegeneration, bei der die Netzhaut im hinteren Bereich des Auges angegriffen wird, ist nach seinen Worten nicht mit Schmerzen verbunden und wird daher häufig erst bemerkt, wenn sie bereits ein fortgeschrittenes Studium erreicht hat. „Nur wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird, kann man den Verlauf behandeln und durch eine Behandlung stoppen oder zumindest verlangsamen“, so Prof. Bertram.

Das Krankheitsrisiko steigt im Laufe der Zeit

Aus diesem Grund plädiert er für regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Kinder, in deren Familie keine Veranlagung zu Augenkrankheiten besteht, sollten zwischen dem 31. und 42. Monat zum ersten Mal zur Früherkennung gebracht werden. Denn schon Säuglinge können an den Augen erkranken. Eine Fehlsichtigkeit lässt sich bei den Jüngsten allerdings mit der sogenannten Schattenprobe oder Skiaskopie rasch und schmerzfrei feststellen oder ausschließen. Erwachsenen rät Prof. Bertram, sich ab dem 40. Lebensjahr alle zwei Jahre kontrollieren zu lassen. Denn: „Das Risiko, dass sich Krankheiten wie Grüner oder Grauer Star entwickeln, steigt im Laufe der Zeit“, erklärt der Spezialist.
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Allerdings werden nicht alle Vorsorgeuntersuchungen von der Kasse bezahlt. Dies gilt zum Beispiel für die Früherkennungstests für den Grünen Star. „Wir empfehlen diese Untersuchung jedoch, um einen irreparablen Schaden am Auge zu verhindern“, sagt Prof. Dr. med. Esther Hoffmann, Leiterin des Augendiagnostikzentrums (ADC) Mainz, Expertin für Glaukomdiagnostik und -behandlung. Beim Grünen Star, auch Glaukom genannt, wird der empfindliche Sehnerv durch einen erhöhten Augeninnendruck zerstört. Diese Schädigung ist nicht mehr rückgängig zu machen. Inzwischen kann eine Verschlechterung indes durch spezielle Augentropfen, sogenannte Antiglaukomatosa, gestoppt werden. „Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser ist der therapeutische Erfolg“, erklärt Prof. Hoffmann.
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Laser & Co.: Was neue Behandlungsmethoden bringen

(dtd). Größere Probleme mit den Augen lassen sich mithilfe einer Fülle neuer Behandlungsmethoden heutzutage immer wirkungsvoller verhindern. Neben dem Lasern zählt die Operation des Grauen Stars zu den bewährten Verfahren: „Jahr für Jahr werden in Deutschland etwa 600.000 solcher Eingriffe vorgenommen – mit sehr gutem Erfolg“, betont Dr. med. Martin Bresgen. Er ist Facharzt für Augenheilkunde in Köln und hat langjährige Erfahrung in der Augenchirurgie.
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Auch die Netzhautveränderungen von Diabetikern können heute vom Augenarzt durch Medikamente und eine Lasertherapie gut behandelt werden. Damit kennt sich Prof. Dr. med. Nicole Eter, Direktorin der Universitäts-Augenklinik Münster, bestens aus: „Diabetes schädigt im Laufe der Zeit die kleinen Blutgefäße des Körpers. Dies wirkt sich gerade auch auf das Auge stark aus, so dass es zu einer Schädigung der Netzhaut kommen kann. Man spricht hier von der diabetischen Retinopathie, die bei Diabetikern häufig vorkommt.“ Diabetische Augenveränderungen müssen nach Prof. Eters Worten rechtzeitig erkannt werden, damit mit den Möglichkeiten der modernen Medizin geholfen und das Sehvermögen bewahrt werden kann. Deshalb sollten Diabetiker ihre Augen alle sechs bis zwölf Monate ärztlich kontrollieren lassen.

Medikamente ins Augeninnere

Effektive neue Behandlungsmöglichkeiten gibt es auch bei der häufigen Altersabhängigen Makuladegeneration (AMD): „Medikamente, die direkt ins Augeninnere gegeben werden, haben in den vergangenen Jahren die Therapie der feuchten AMD – eine bislang schwer behandelbare Variante der Erkrankung, die besonders schnell zum Sehverlust führt – revolutioniert“, berichtet Prof. Dr. med. Bernd Bertram, Facharzt für Augenheilkunde in Aachen und Erster Vorsitzender des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands e.V.

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